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Unterbezahlt: Pflege auf dem Land

Bad Bramstedt Unterbezahlt: Pflege auf dem Land

Das Rote Kreuz hatte im Juni für Aufsehen gesorgt, als es Verträge mit pflegebedürftigen Menschen auf dem Land kündigte. Grund: Weite Anfahrtswege und schlechte Bezahlung ließen den Pflegedienst zum Zusatzgeschäft werden. Die Diakonie Altholstein steht mit ihren Pflegestationen vor dem gleichen Problem, will aber nicht aufgeben.

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Heinrich Klose ist 90 Jahre alt und lebt allein in seinem Haus in der Nähe von Bad Bramstedt. Haus und Garten bestellt er noch selbst. Einmal pro Tag kommt Manuela Schlicht vom Pflegedienst der Diakonie. „Sie ist ein Engel“, schwärmt der Senior.

Quelle: Christine Noack

Bad Bramstedt. Der Geschäftsführer der Pflege-Diakonie Altholstein, Heinrich Deicke, versicherte in Bad Bramstedt, den Weg des DRK auf keinen Fall gehen zu wollen.

 Deicke hatte einen Vormittag die Pflegefachkraft Manuela Schlicht auf ihrer Tour begleitet. Nach Fuhlendorf, Weddelbrook und Lentföhrden fuhren sie. „Mein Respekt vor der Arbeit der Pflegekräfte ist gestiegen“, resümierte Deicke anschließend. „Es riecht nicht überall appetitlich“, stellte der Geschäftsführer fest und die Bedingungen, unter denen manche pflegebedürftige Menschen leben, seien schon „gewöhnungsbedürftig.“ Anstatt in einem Bett schlafe eine alte Frau nur auf dem Sofa, in einer anderen Wohnung liefen die Hunde den Pflegekräften um die Beine. Ein älterer Mann in Lentföhrden sei seit vier Jahren nicht mehr aus seiner Etagenwohnung gekommen, weil er an den Rollstuhl gebunden sei und die Treppen nicht bewältigen könne.

 Es gibt aber auch sehr erfreuliche Lebenssituationen, die erst durch die täglichen Besuche des Pflegedienstes möglich werden. So lernte Deicke einen 90-jährigen Mann kennen, der alleine in seinem Einfamilienhaus lebt und tagsüber auf dem Bauernhof seiner Kinder mithilft. Und was Deicke besonders beeindruckte: „Die Menschen begegnen den Pflegekräften mit großer Dankbarkeit.“ Die Pflegedienstleiterin in Bad Bramstedt, Catarina Herold Brommann bestätigt das: „Es ist schön aufs Land zu fahren. Die Menschen sind uns sehr dankbar, auch, weil wir mit ihnen sprechen. Da werden schon mal alte Rezepte zum Gurkeneinlegen ausgetauscht.“

 Doch der Pflegedienst stellt auch die Diakonie Altholstein vor wirtschaftliche Probleme. „Die Wege zu den Pflegekunden sind zu weit“, sagt Deicke. Insulin spritzen, Augentropfen verabreichen oder einen Verband wechseln dürften nur ausgebildete Krankenschwestern und Altenpflegerinnen. Solche medizinischen Leistungen werden von den Krankenkassen mit 10,23 Euro pro Besuch vergütet, egal welche und wie viele Behandlungen bei dem Besuch nötig sind. „Davon ist es einfach nicht möglich, eine examinierte Fachkraft zu bezahlen, die dann auch noch die meiste Zeit im Auto sitzt“, sagt Deicke. Pflegerische Arbeiten, wie die „große Morgentoilette“ oder Windeln wechseln würden dagegen etwas differenzierter von den Pflegekassen bezahlt. Deickes Wunsch an die Politik: Es sollte eine Zusatzpauschale für Pflegedienstleistungen auf dem Land eingeführt werden, wie sie auch für Landärzte im Gespräch ist. Die Patientenbesuche in Stadt und Land gleich zu vergüten, sei ungerecht. „In der Stadt müssen sie nur von einem Hauseingang in den nächsten gehen, hier auf dem Land dagegen kilometerweit fahren.“ Die Lage werde sich in den nächsten Jahren weiter zuspitzen, denn in den ländlichen Bereichen werde die Überalterung der Bevölkerung deutlich gravierender ausfallen als in den Städten. Im Süden Schleswig-Holsteins werde die Zahl der über 60-Jährigen in den nächsten 15 Jahren um mehr als ein Drittel steigen, so Deicke.

 Den Weg des DRK-Kreisverbandes Segeberg will Deicke aber nicht gehen. „Die Diakonie Altholstein wird sich nicht vom Land zurückziehen, auch wenn es nicht mehr wirtschaftlich ist“, verspricht er. „Wir haben Verantwortung dafür, dass alten Menschen auch auf dem Land gute Rahmenbedingungen geboten werden.“ Sie hätten das gleiche Recht wie Städter, möglichst lange in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Aber in erster Linie liege die Verantwortung dafür bei der Politik.

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