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Die Geburtsklinik bleibt

Bad Segeberg Die Geburtsklinik bleibt

Die Segeberger Kliniken wehren sich gegen einen unbedachten Satz aus der Landespolitik. Ihm zufolge ist die Geburtsklinik in der Kreisstadt in Gefahr. Doch auch in den kommenden Jahren sollen Babys im Kreißsaal der Allgemeinen Klinik (AK) zur Welt kommen können.

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In der Allgemeinen Klinik (AK) werden weiterhin Kinder geboren - wie hier Noah Tezlav aus Elmenhorst, der auf diesem Foto gerade mal fünf Stunden alt ist. Die Segeberger Kliniken planen nicht, wie Gerüchte besagen, die Geburtshilfestation zu schließen.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. In der Diskussion um steigende Haftpflichtprämien für Hebammen war die Landtagsabgeordnete Katja Rathje-Hoffmann (CDU) mit den Worten zitiert worden, die Bad Segeberger Geburtsklinik sei in Gefahr, weil dort nur noch 600 Kinder im Jahr zur Welt kämen – und das sei nicht mehr wirtschaftlich.

 Dieses Gerücht hängt den Segeberger Kliniken seither hartnäckig an – sehr zum Missfallen von Unternehmenssprecher Robert Quentin und Dr. Christian Rybakowski, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe. Sie sehen sich genötigt, mit einer Korrektur an die Öffentlichkeit zu treten. Quentin: „Wir machen weiter!“ Und Rybakowski ergänzt: „Es gibt von der Geschäftsführung die klare Aussage, dass die Geburtshilfe bestehen bleibt – Punkt!“

 In den vergangenen Jahren wurden einige Geburtsstationen im Land geschlossen. Betroffen waren laut Quentin unter anderem Kaltenkirchen, Neustadt und Bad Oldesloe sowie Sylt und Föhr. „Geburtshilfe ist kein Bereich, mit dem Gewinn erwirtschaftet wird“, erklärt Chefarzt Rybakowski. „Es ist aber sinnvoll, dieses Angebot für die Bevölkerung vorzuhalten.“ Laut Unternehmenssprecher Quentin fühlt sich Klinik-Chefin Marlies Borchert verpflichtet, den Kreißsaal zu erhalten. „Das Ziel ist aber, eine schwarze Null zu schreiben.“

 Es gibt aber auch wichtige psychologische Gründe, die Station weiterhin zu betreiben. Durch die Geburten lernen Familien die Klinik kennen – und wenn jemand ernsthaft krank wird oder anderweitig eine Operation benötigt, entscheidet man sich im Zweifelsfalle ebenfalls für dieses Krankenhaus. „Sekundäreffekte“ nennt sich so etwas im Klinik-Jargon. Zudem ist eine möglichst breit aufgestellte Klinik mit einem großen medizinischen Spektrum deutlich attraktiver als ein Haus, in dem nur wenige Abteilungen vorhanden sind.

 Außerdem werden beispielsweise Schlaganfallpatienten, die zur Akut-Betreuung in die entsprechende AK-Abteilung kommen, hinterher innerhalb der Firmengruppe ins Neurologische Zentrum am Hamdorfer Weg verlegt. So bleibt der Patient quasi im selben Haus.

 Die gesamte Allgemeine Klinik ist laut Quentin defizitär. Der Umsatz liege bei jährlich 20 Millionen Euro; das Minus sei etwa ein Zehntel davon. Da aber die restlichen Häuser der Segeberger Kliniken Gewinne machen (unter anderem das Herzzentrum und das Neurologische Zentrum), nehme man den AK-Verlust hin. Die Möglichkeit, einen Herzpatienten oder jemanden mit neurologischen Problemen auch bei gynäkologischen, urologischen oder sonstigen Zusatzbefunden quasi im eigenen Hause versorgen zu können und ihn nicht an eine andere Klinik überweisen zu müssen, ist Unternehmerin Marlies Borchert diese Mischkalkulation wert.

 Besonders sauer sind Quentin und Rybakowski über die Schließungs-Spekulationen, weil im AK in den vergangenen zehn Jahren viel dafür getan worden sei, die Klinik für werdende Mütter zu optimieren – was sich auch in den gestiegenen Geburtenzahlen (siehe Grafik) auswirkt. „Als ich vor zehn Jahren kam, hatten wir hier 464 Geburten“, berichtet Rybakowski. „Inzwischen sind wir bei über 600.“ Das ist bemerkenswert, da die Geburtenzahlen bundesweit seit Jahrzehnten sinken.

 Besonders deutlich geriet der Anstieg in Bad Segeberg von 2011 (500 Geburten) zu 2012 (648 Geburten). „Im März 2012 hat Bad Oldesloe seine Geburtshilfestation geschlossen.“ Etliche der jungen Mütter wichen in die benachbarte Kreisstadt aus. Man befinde sich in einer „wirtschaftlich knapp tragbaren Spanne“, sagt Rybakowski. Vor seiner Zeit hatte es mehrere kurzfristige Wechsel auf der Chefarzt-Position gegeben. Das bekam dem Image der Geburtshilfe nicht gut. Rybakowski: „In der Medizin müssen Sie einer Abteilung ein festes Gepräge geben.“

 So wurde die Allgemeine Klinik zum babyfreundlichen Krankenhaus, in dem das Stillen gefördert wird. Rybakowskis Team, das sich neben seinem Job in Sachen Klapperstorch auch um alle gynäkologischen Fälle kümmert, besteht aus neun Ärzten und achtzehn Krankenschwestern. Hinzu kommen zwölf Hebammen.

 Im Jahr 2015 setzt sich im AK der erfreuliche Trend bei den hohen Geburtenzahlen fort. „Bisher haben wir 398 Kinder“, berichtet Rybakowski. Auf zwölf Monate hochgerechnet, ergibt sich eine Gesamtzahl von knapp 640 Babys. Sie wurde in den vergangenen 15 Jahren nur ein einziges Mal (2012) erreicht.

 Quentin und Rybakowski hoffen, dass in Sachen Schließungsgerüchten nun bald wieder Ruhe ist – und dass die Ärzte aus dem Haus gehen können, ohne sich in der Apotheke mitleidige Blicke und Fragen einzufangen.

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