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Neubau für KZ-Gedenkstätte

Nützen-Springhirsch Neubau für KZ-Gedenkstätte

Seit 15 Jahren gibt es die KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen in Springhirsch, ein paar Monate länger den dazu gehörenden Trägerverein. Der hat während der Jahreshauptversammlung im eigenen Dokumentenhaus auf dem Gelände des ehemaligen Lagers eine bemerkenswerte Bilanz seiner bisherigen Arbeit präsentiert.

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So könnte das neue Gebäude der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen (links) aussehen. Das bestehende Dokumentenhaus befindet sich auf der rechten Seite.

Quelle: Nuckel Architekten

Kaltenkirchen / Nützen. Der Trägerverein hat auch große Pläne für die Zukunft vorgelegt. Es soll ein neues Empfangsgebäude gebaut werden.

 Uwe Czerwonka, der Vorsitzende, führte in seinem Jahresbericht aus, dass 2014 über 4000 Besucher den Weg zur Gedenkstätte fanden. Allein im Dezember kamen mehr als 600. Das ist Rekord. Czerwonka lobte die ausgezeichnete Zusammenarbeit mit Schulen der Umgebung und hob vier namentlich hervor: die Gymnasien in Kaltenkirchen, Barmstedt und Bad Bramstedt sowie die Janusz-Korczak-Schule in Kaltenkirchen.

 Zu den besonderen Besuchern der Gedenkstätte haben stets diejenigen gezählt, die als ehemalige Häftlinge des damaligen Konzentrationslagers, das vom Spätsommer 1944 bis zum Frühjahr 1945 bestand, Zwangsarbeit leisten mussten und dem massenhafte Sterben jener Zeit entgingen. In wenigen Monaten kamen damals bis zu 700 Häftlinge um. Der Vorsitzende erinnerte daran, dass vor wenigen Wochen der 93-jährige Franzose Paul Krattinger nach Springhirsch gekommen war.

 Die breite Wertschätzung für die Gedenkstättenarbeit gibt dem Vorstand des Trägervereins Auftrieb. An die 38 vertretenen Mitglieder und die drei Gäste der Versammlung richtete der Vorsitzende die Frage: „Welche Möglichkeiten gibt es, das Erreichte zu sichern?“ Er betonte umgehend: „Wir sind immer wieder bereit, auch neue Wege zu gehen.“ Der Verein wird in vielerlei Hinsicht in seiner Arbeit gefördert, wie Vorsitzender Czerwonka erklärte. Diese Hilfe reicht von ehrenamtlicher Aufsicht auf dem Gedenkstätten-Gelände über Unterstützung der Kommunen bis hin zu Zuwendungen vom Land Schleswig-Holstein. Der Vorsitzende stellte dazu klar: „Wir sind auf diese Unterstützung angewiesen.“

 Wie vielfältig dem Trägerverein geholfen wird, machte einer der Gäste der Jahreshauptversammlung deutlich: Helmut Homfeld, ein pensionierter Pastor. Er war aus Rendsburg angereist, um einen Scheck zu übergeben. Der Geistliche erzählte, dass er anlässlich seines 90. Geburtstages um eine Geldspende für Gedenkstätten im Land gebeten hatte. „Nahezu 1000 Euro kamen zusammen.“ 350 Euro, ein aufgerundetes Drittel, bekam der Vorstand des Trägervereins. Ein sehr persönliches Geschenk erhielt zudem Dr. Gerhard Hoch, der Ehrenvorsitzende des Trägervereins: das Buch „Menschen im Warschauer Ghetto“. Homfeld sagte: „Das bekommen alle, die mich beim Kampf gegen das Vergessen begleiten.“

 Eine außerordentliche Zuwendung bekam der Trägerverein kürzlich vom Land: 70000 Euro. Die müssen bis zum 31. Dezember des laufenden Jahres verbraucht sein, um nicht zu verfallen. Außerdem darf der Betrag nur zu maximal 80 Prozent eines Vorhabens herangezogen werden. Der Vorstand ist sich darin einig, dass er das Geld auf keinen Fall verfallen lassen möchte. Er will es einsetzen, um das Dokumentenhaus durch einen Anbau zu erweitern.

 Das bestehende Gebäude reicht inzwischen nicht mehr aus, um allen Besuchsgruppen gerecht zu werden, insbesondere wenn Schulklassen kommen. Auch die sanitäre Anlage entspricht nicht den üblichen Anforderungen.

 Jens-Olaf Nuckel, Architekt und Mitglied des Vorstandes, führte aus, wie ein von ihm geplanter Erweiterungsbau aussehen könnte. Ein neuer Ausstellungsraum würde entstehen, ebenfalls ein Eingangsbereich in der Mitte des Komplexes als Übergang zum jetzigen Dokumentenhaus. Das könnte zum reinen Sitzungsraum umfunktioniert werden. Der Architekt betonte: „Das ist nur ein Vorschlag.“ Die Kosten für das Projekt schätzt er auf 250000 Euro. Seinen Anteil wird er nicht in Rechnung stellen. Der kann als Eigenleistung in die künftige Finanzierung eingearbeitet werden.

 Neu im Trägerverein ist ein wissenschaftlicher Mitarbeiter, Thomas Käpernick aus Kattendorf. Er ist dabei, alle vorhandenen Vereinsmaterialien zu archivieren. Wo es möglich ist, wird er die bisherigen Arbeiten von Dr. Hoch ergänzen. Geplant sind demnächst Interviews mit drei Zeitzeugen in Polen und Frankreich. Außerdem bereitet der Historiker eine Ausstellung über „Die zweite Geschichte des KZ-Außenlagers Kaltenkirchen“ vor. Dabei wird es auch um die Anfeindungen gehen, denen Dr. Hoch ausgesetzt war, als er begann, die Ergebnisse seiner Forschungen der Öffentlichkeit vorzustellen.

 Die turnusmäßigen Wahlen brachten durchweg einstimmige Ergebnisse. Danach setzt sich der künftige Vorstand wie folgt zusammen: Uwe Czerwonka (Vorsitzender/Wiederwahl), Hans-Joachim Wolfram (stellvertretender Vorsitzender/Wiederwahl), Hans Werner Berens (Kassenwart/Wiederwahl), Indre Schmalfeld (Schriftführerin/vorher Beisitzerin) sowie sieben Beisitzer, und zwar Reinhard Bundschuh, Dieter Fiesinger, Enno Hasbargen (bleibt), Ralf Köhler, Uta Körby (Wiederwahl), Jens-Olaf Nuckel (bleibt) und Ingrid Schulz-Pankratz (bisher Schriftführerin).

 Zum Verein zählen 210 Mitglieder. Der Jahresbeitrag beträgt zehn Euro.

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