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B206: Straßenstrich bleibt

Kreis Segeberg B206: Straßenstrich bleibt

Die Prostituierten an der B206 zwischen Bad Segeberg und Bad Bramstedt werden so schnell nicht mehr verschwinden. Landtag, Polizei und Anwohner einigten sich nur darauf, dass der Parkplatz im Wohngebiet zwischen Schafhaus und Bockhorn von den Frauen künftig ausgespart wird.

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Ein Parkplatz an der B206 zwischen Schafhaus und Bockhorn ist für die Prostituierten künftig tabu. Er liegt nah an Wohnhäusern.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Die Prostituierten sollen damit einverstanden sein. Sie haben sich verstärkt auf die anderen Parkplätze an der B206 verteilt. So bieten sie jetzt auch am „Barker Einschnitt“ ihre Dienste an, der Zufahrt zum ehemaligen Standortübungsplatz der Bundeswehr bei Wittenborn.

 Rund ein Jahr schon präsentieren sich die Frauen aus Osteuropa den Autofahrern – zum Entsetzen vieler Anlieger, die auch über verschmutzte Hygieneartikel in Waldeinfahrten stolpern. Seit Monaten protestieren die Barker und werfen den Behörden vor, trotz eines Verbots der Prostitution auf den Parkplätzen weitgehend untätig gewesen zu sein.

 Erst spät hatte der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr begonnen, Ordnungsverfügungen zu verhängen, verbunden mit Strafgeld von erst 100 und dann 150 Euro.

 Ende 2014 baten fast 600 Bürger den Petitionsausschuss des Landtages um Hilfe. In dieser Woche nun beriet der Ausschuss hinter verschlossenen Türen. Der Berichterstatter und Kieler SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Weber teilte der SZ mit, dass nach längerer Prüfung und vielen Gesprächen eine Lösung gefunden sei, der Ausschuss, Petenten und Polizei zugestimmt hätten. Der Parkplatz bei Schafhaus bleibt demnach für die Prostituierten tabu. „Sie haben das akzeptiert und auch schon umgesetzt.“ Ob allerdings grundsätzlich und wie die Straßenprostitution zu verfolgen sei, müssten Behörden entscheiden, nicht der Petitionsausschuss.

 Mit anderen Worten: Auf den anderen Parkplätzen wird Prostitution also künftig geduldet, obwohl das Land diese Sondernutzung für unzulässig erklärt hatte. Jürgen Weber hat Verständnis für die Behörden. Denn es handele sich um eine geringfügige Ordnungswidrigkeit und sei auch eine Frage der Verhältnismäßigkeit und Güterabwägung. Es gebe ja auch nicht überall Tempokontrollen. Das „Phänomen Prostitution“ ist für ihn ein generelles: „Man bekommt es seit 200 Jahren nicht in den Griff.“ Die Grenze sei aber für ihn dort erreicht, wo es um Zuhälterei, Menschenhandel oder andere Straftaten gehe. „Dann muss der Staat rigoros einschreiten.“

 Auch Volker Dornquast, CDU-Abgeordneter aus Henstedt-Ulzburg und Mitglied des Petitionsausschusses, sieht das Problem: „Der Staat kann nicht jede Ordnungswidrigkeit verhindern.“ Er könne aber durch Stichproben und Bußgelder das Gewerbe an der B206 unattraktiv für die Prostituierten machen. Einen Sperrbezirk einzurichten, sei rechtlich nicht möglich gewesen.

 Doris Laß, eine der protestierenden Anwohnerinnen, ist mit der Lösung halbwegs zufrieden. „Es ist ein kleiner Erfolg.“ Die Frauen seien nun nicht mehr nah am Wohngebiet. Warum die Behörden nicht härter vorgingen, sei ihr rätselhaft. Sie hätten vielleicht Angst vor den Hintermännern der Prostituierten, spekuliert sie. Die bislang verhängten Strafgelder für die Prostituierten hält sie für zu gering. „150 Euro? Da lachen die doch drüber.“

 Das Landesverkehrsministerium hält sich bedeckt. Es stimmte der Lösung „im Grundsatz zu“, sagte ein Pressesprecher. „Zwar bleiben damit einige Rechtsfragen weiter offen, aber es ist immerhin eine pragmatische Lösung, die den Anwohnern zunächst hoffentlich weiterhilft.“

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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