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Kirche ist wieder in Schuss

Bad Bramstedt Kirche ist wieder in Schuss

Die seit Oktober letzten Jahres andauernde Sanierung der Maria-Magdalenen-Kirche ist so gut wie fertig. Manche Überraschung barg das fast 700 Jahre alte Gemäuer.

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Maler Vadim Bangert bestreicht die alten Balken mit Leinöl, ganz im Sinne des Denkmalschutzes.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Vor allem der Turm ließ Architekten, Statiker und Kirchenvorstand die Haare zu Berge stehen. Das Gebälk war so morsch, dass für die Sicherheit nicht mehr garantiert werden konnte. Für den Vorsitzenden des kirchlichen Bauausschusses, Stefan Dörksen, ist aber die größte Überraschung: „Wir kommen mit den kalkulierten Kosten hin.“

 950000 Euro war das Ergebnis der Ausschreibungen . Damals war aber der schlechte Zustand des Turmes in seinem vollen Ausmaß noch nicht bekannt. „Wir haben an anderer Stelle auf nicht notwendige Arbeiten verzichtet“, erklärt Dörksen. So wurden keine neuen Dielen auf dem Dachboden verlegt. „Der Boden ist auch so nutzbar“, findet der Bauausschussvorsitzende. Er ist ohnehin nur schwer über eine steile Treppe zu erreichen und dient als Lagerraum. Auch der Turm wurde nicht komplett neu eingedeckt. „Wir haben nur die kaputten Schieferplatten auswechseln lassen.“

 Damit der Turm für die nächsten Generationen keine Gefahr mehr darstellt, wurde rund eine Tonne Stahl in Form von Trägern verbaut. Für Denkmalschützer eigentlich ein Graus, schließlich besteht das Turmgebälk ausschließlich aus Holz. Doch die Sicherheit hat Vorrang. „Ursprünglich hatte die Kirche nur einen Holzturm“, weiß Dörksen. Irgendwann wurde der dann einfach ummauert, aber so, dass das Mauerwerk direkt an den alten Holzbalken anlag. Zum Teil wurden sie in vergangenen Jahrhunderten sogar regelrecht eingemauert. Folge: Die Feuchtigkeit zog durch die Steine ins Eichengebälk, und das moderte vor sich hin. Die Bauarbeiter mussten die Holzträger freilegen, die Innenseiten der Mauern wurden verputzt. Etliche Balken wurden auch ausgetauscht. Nun können die drei schweren Stahlglocken, die seit den 1950er Jahren zum Gottesdienst läuten, wieder schwingen, ohne dass der ganze Turm wankt. Die ursprünglichen Glocken sind nicht mehr vorhanden, sie wurden im 2. Weltkrieg für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen.

 Das Kirchenschiff hat auf der Südseite eine neue Tür bekommen, die auch als Notausgang genutzt werden kann. Einen solchen Südeingang gab es in früheren Jahrhunderten bereits. Irgendwann wurde dann ein Toilettenraum angebaut, der aber nur von außen zugänglich war. Nun können die Kirchenbesucher auch vom Inneren des Gotteshauses aus die Toiletten aufsuchen und durch den Anbau auch nach draußen gelangen.

 Wenn die Kirche voll war, vor allem am Heiligabend, bangten viele Besucher, ob wohl die Empore die Menschenmassen auch trägt. Sie tat es schon bisher, aber nun ist sie noch belastbarer. Die Aufhängung wurde noch einmal verstärkt, sie geht jetzt bis in die Dachbalken. „Der Statiker hat das so abgenommen und für sicher befunden“, erklärt Dörksen.

 Jetzt laufen nur noch ein paar Malerarbeiten. Maler Vadim Bamgert vom Bad Bramstedter Handwerksbetrieb Ansgar Schroedter streicht die alten Balken mit Leinöl, wie es der Denkmalschutz verlangt. Anfang September will der Gemeindevorstand mit den Handwerkern auf das runderneuerte Gotteshaus anstoßen. Das Erntedankfest im Oktober soll genutzt werden, um der Gemeinde die Sanierungen zu erläutern und zu zeigen. Ein großes Fest ist in diesem Jahr nicht mehr geplant. „Nächstes Jahr wird die Maria-Magdalenen-Kirche 700 Jahre alt“, sagt Dörksen, „dann wird es auf jeden Fall ein großes Fest geben.“

 Einen kleinen Schatz wird die Kirche bis dahin vielleicht auch schon haben. Stefan Dörksen, Berufsschullehrer und gelernter Schlosser, will das alte mechanische Uhrwerk, Baujahr 1903, wieder in Betrieb setzen. Es ist mit seinen unzähligen Zahnrädern noch komplett vorhanden. Das Uhrwerk soll zwar nicht die Turmuhr antreiben, das übernimmt weiterhin ein Elektromotor, aber im Obergeschoss der Kirche will Dörksen selbst ein Ziffernblatt mit Zeigern bauen, das über das mechanische Werk läuft. Die alten Gewichte und Getriebe waren alle noch vorhanden. Sie sollen jetzt wieder am Originalort im Turm angebracht werden. Einmal pro Woche muss das alte Werk dann von Hand aufgezogen werden. „Diese alte Uhr ist mein Hobby“, sagt Dörksen.

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