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Tafel stößt an Grenzen

Kaltenkirchen Tafel stößt an Grenzen

Als der Kaltenkirchener Tafel-Verein im Jahr 1998 seine Arbeit aufnahm, versorgte er pro Woche rund 50 Bedürftige mit Lebensmitteln. Inzwischen ist die Zahl auf 400 geklettert – unter anderem durch den Zuzug vieler neuer Flüchtlinge.

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In großen Gemüsekisten werden die Waren der Kaltenkirchener Tafel angeliefert. Beim Einsortieren in die Regale helfen beispielsweise (von links) Nicole Greve, Ursula Steimann und die Vereinsvorsitzende Dagmar Beese.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Weil Lebensmittelgeschäfte das Engagement der Tafel schätzen und ihr viele Waren zur Verfügung stellen, reichen die Nahrungsmittel trotzdem aus. Allerdings geraten die ehrenamtlichen Tafel-Helfer zunehmend an ihre Grenzen. Sie brauchen dringend Unterstützung.

 Jeden Mittwochnachmittag herrscht an der Werner-von-Siemens-Straße 6 – im sonst so kundenarmen Industriegebiet – reger Publikumsverkehr. Denn von 16 bis 18 Uhr geben die Tafel-Helfer Waren an Bedürftige aus. Unter den Abnehmern sind neben Asylbewerbern auch viele Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende oder auch verarmte Senioren. Durch einen schriftlichen Nachweis belegen sie bei ihrem ersten Besuch ihre Bedürftigkeit, werden in die Kundenkartei aufgenommen, und danach wird ihnen von der Tafel freundlich, tatkräftig und unbürokratisch geholfen. Am Ende geht jeder Klient mit einer vollen Einkaufstüte nach Hause und bezahlt dafür lediglich einen symbolischen Euro. Für viele Kaltenkirchener mit geringem Einkommen ist die Tafel daher eine wichtige Institution.

 Doch weil die Zahl der Abnehmer weiterhin steigt, muss der Verein stetig mehr Arbeit bewältigen. Der logistische Aufwand ist inzwischen enorm: An vier Vormittagen in der Woche steuert der Kühltransporter der Tafel Supermärkte und andere Lebensmittelproduzenten in der Stadt an, um von dort Waren abzuholen. Die Touren beschäftigen pro Tag drei Ehrenamtler über mehrere Stunden. Treffen die Waren dann gegen Mittag im Tafel-Gebäude ein, müssen sie geprüft, sortiert und für die Ausgabe bereitgelegt werden. Damit sind weitere Freiwilligen-Teams beauftragt.

 Wieder andere Tafel-Mitglieder kümmern sich um die Ausgabe der Waren an die Kundschaft. Zum Hauptgeschäftstag am Mittwoch sind mittlerweile noch zwei inoffizielle Ausgabetage hinzu gekommen, an denen Härtefälle versorgt werden: beispielsweise psychisch Kranke, die keine Menschenmengen ertragen, oder Rollstuhlfahrer.

 Die vielen Aufgaben haben den Effekt, dass die Tafel aktuell 40 Helfer einsetzt – und es sind trotzdem nicht genug. Gesucht werden weitere Freiwillige, die tatkräftig anpacken wollen. „Jeder Ehrenamtler kann sich bei uns alle Bereiche angucken und dann selbst entscheiden, was ihm am meisten liegt“, sagt die Vereinsvorsitzende Dagmar Beese. Sie selbst ist an mehreren Tagen in der Woche im Tafel-Einsatz. „Mittwochs kann die Arbeit schon mal bis 19.30 Uhr dauern, weil wir ja nach der Ausgabe noch putzen und Dokumentationsaufgaben im Büro erledigen müssen. Da sind wir hinterher ganz schön kaputt“, sagt sie. Eine ganze Reihe von Tafel-Helfern sei schon seit der Gründungszeit dabei. „Und jünger werden wir ja auch nicht.“

 Gefördert wird der Verein von 60 passiven Mitgliedern; gelegentlich werden Spenden überwiesen. Diese Gelder werden in der Regel für Auto, Miete und Energiekosten aufgewendet. „Wir wirtschaften sehr sparsam, werden in diesem Jahr aber merken, dass wir für einen Raum, den wir bisher vermieten konnten, keinen Nachmieter gefunden haben“, sagt Dagmar Beese.

 Leerstand gibt es in dem Zimmer trotzdem nicht. Es wurde der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlingslotsen zur Verfügung gestellt, die eine Kleiderkammer eingerichtet hat. Dort werden mittwochs von 15 bis 17 Uhr und freitags von 11 bis 13 Uhr Bekleidungsstücke an Tafel-Kunden ausgegeben. Wer möchte, darf sich zwei Sachen aussuchen und kostenlos mitnehmen. Das Angebot wird gerne angenommen, allerdings sind auch in der Kleiderkammer die Ehrenamtler knapp. Es werden weitere Helfer benötigt, insbesondere in der anstehenden Urlaubssaison.

 Kontakt zum Tafel-Verein kann über Telefon 04191 / 955474 aufgenommen werden. Weitere Auskünfte gibt es auf der Internetseite www.kaltenkirchener-tafel.de. Auskunft zur Kleiderkammer gibt Dagmar Drümmer vom Gemeinschaftshaus der Tausendfüßler-Stiftung unter Telefon 04191 / 9579647.

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