18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Flüchtlinge ziehen in Tennishalle

Kaltenkirchen Flüchtlinge ziehen in Tennishalle

Erst vor kurzem erklärte Bürgermeister Hanno Krause, die Tennishalle an der Schirnau in Kaltenkirchen müsse vorerst wohl nicht als Flüchtlingsunterkunft zweckentfremdet werden. Inzwischen stieg die Zahl auf 200 Asylbewerber in 2015; die Tennishalle soll bald bezugsfähig gemacht werden.

Voriger Artikel
Mehr Badegäste als 2014
Nächster Artikel
Bombenalarm in Jobcentern

In die Tennishalle der KT sollen bald Flüchtlinge einziehen.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Täglich kommen Hunderte bis Tausende neue Flüchtlinge in Süddeutschland an, und das wirkt sich auch auf die Zuweisungsquote für Kaltenkirchen aus. Bislang war es in der Stadt gängige Praxis, die neuen Asylbewerber dienstags im Rathaus in Empfang zu nehmen. „Mittlerweile erhalten wir täglich eine Liste mit Flüchtlingen, die untergebracht werden müssen“, erklärt Krause.

 Nachdem zunächst 152 Flüchtlinge angekündigt worden waren, zog die Kaltenkirchener Stadtverwaltung bereits erste Konsequenzen. Per Eilentscheid sorgte Bürgermeister Krause Mitte September dafür, dass beim Hochseilgarten im Freizeitpark eine Anlage mit Wohncontainern errichtet werden konnte. Von der Stadtvertretung gab es dafür breite Rückendeckung, weil allen Fraktionen klar war, dass derart viele Flüchtlinge nicht von jetzt auf gleich in Wohnungen vermittelt werden können. Nun stellt sich aber heraus, dass nicht einmal die Containerlösung ausreicht. Für die jetzt zugeteilten 50 zusätzlichen Flüchtlinge können nicht rechtzeitig weitere Wohnmodule beschafft werden. Sie sind schlicht und einfach nicht mehr lieferbar, weil die Nachfrage derart hoch ist.

 Vor diesem Hintergrund muss nun Plan B greifen: die Belegung der Tennishalle. Sie gehört der Stadt; das angegliederte Vereinsheim befindet sich im Besitz der Kaltenkirchener Turnerschaft (KT). Sie hat sofort Kooperationsbereitschaft signalisiert. Die Hilfe ist auch dringend erforderlich.

 Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht, aber nach derzeitigem Sachstand geht die Verwaltung davon aus, dass die Halle ab 1. November für die neue Nutzung vorbereitet werden kann. Es gilt unter anderem, den Fußboden zu schützen und Trennwände aufzustellen, um den Flüchtlingen etwas Privatsphäre zu bieten. Duschen, Toiletten und Sozialräume sind im Vereinsheim sowie in der Halle vorhanden. Etwa 30 bis 40 Flüchtlinge könnten an der Schirnau untergebracht werden. Die Betreuung sollen sich zwei Mitarbeiter teilen, die sich auch derzeit schon im Auftrag der Stadt um Asylbewerber kümmern. Für das Containerdorf am Hochseilgarten hingegen wird eine zusätzliche Kraft eingestellt: ein Sozialarbeiter, der auch über technisches Geschick verfügt. Er befindet sich schon in der Einarbeitungsphase. Die ersten Flüchtlinge haben die Container bereits bezogen. Ende der Woche werden dort insgesamt etwa zehn Menschen leben. Tendenz schnell steigend. Die Sicherheit der Asylbewerber soll in den Nachtstunden durch Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens gewährleistet werden. Auch die Polizei will das etwas abseits gelegene Areal regelmäßig aufsuchen.

 Bis Ende des Jahres sollen am Hochseilgarten 40 Wohncontainer stehen. Das Areal bietet Platz zur Erweiterung. Das KT-Tennisheim hingegen ist erst einmal nur als Übergangslösung gedacht. „Wir wollen damit über den Winter kommen“, meinte Hanno Krause auf Nachfrage. Doch ob auf die Halle in absehbarer Zeit wieder verzichtet werden kann, ist völlig unklar. Nach aktuellem Stand muss Kaltenkirchen im kommenden Jahr nochmals mit 350 neuen Asylbewerbern rechnen. Eine Rekordzahl. Zum Vergleich: Im Jahr 2013 nahm die Stadt 16 Personen auf, die unter das Asylbewerberleistungsgesetz fielen, im Jahr 2014 waren es 47.

 Nach wie vor gilt die Devise, dass die Verwaltung die Flüchtlinge menschenwürdig und sozialverträglich unterbringen möchte. „Der soziale Frieden muss erhalten bleiben“, betont Hanno Krause. Daher will die Stadt Massenunterkünfte auf jeden Fall vermeiden.

 Bislang hat die Stadt die Strategie verfolgt, Flüchtlinge dezentral in Wohnraum zu vermitteln. Obwohl die Verwaltung engen Kontakt zu den Immobilienunternehmen pflegt, sind inzwischen keine passenden Wohnungen mehr zu bekommen. Aus diesem Grund wurde schon vor Monaten beschlossen, die Anlage für Asylbewerber am Kamper Stieg zu erweitern. Die Erdarbeiten haben bereits begonnen. Allerdings sollen die beiden neuen Gebäude mit insgesamt 48 Wohneinheiten erst im März 2016 fertig werden.

 Die KT nimmt die aktuelle Entwicklung pragmatisch auf. Der Tennissparte gehören 70 Mitglieder an, die bald von der Belegung der Halle und der neuen Nutzung des Vereinsheims betroffen sein werden. Die Spieler wissen aber auch, dass ihre Sparte seit Jahren von der Auflösung bedroht ist, weil es für sie schwierig ist, kostendeckend zu wirtschaften. In einer besonders dramatischen Situation griff die Stadt der KT unter die Arme, kaufte dem Verein die Tennishalle ab und verhinderte somit die weitere Verschuldung. Das hat der Verein nicht vergessen und will der Stadt nun etwas zurückgeben. „Schön ist die Situation für unsere Tennisleute aber natürlich nicht, gerade weil wir noch keine Alternative für den Spielbetrieb haben“, sagte gestern der KT-Vorsitzende Sebastian Bock. Es sei nun angedacht, Kontakt zum benachbarten Tennisclub an der Schirnau aufzunehmen.

 Ursprünglich hatte die Stadt beabsichtigt, nicht die Tennishalle zu belegen, sondern auf den Außenplätzen Wohncontainer für Flüchtlinge aufzustellen. Dieses Thema hat sich aber erst einmal erledigt, weil die nächsten Asylbewerber viel zu plötzlich in der Stadt untergebracht werden müssen. Sie werden lange vor den Containern in Kaltenkirchen eintreffen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Events: Segeberg

Veranstaltungen in
Segeberg. Aktuelle
Termine, News, Infos

KSV-Liveticker!

KSV-Spielstand online
verfolgen, mit dem
KN-KSV-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3