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Kaserne wirkt wie eine Geisterstadt

Boostedt Kaserne wirkt wie eine Geisterstadt

Wo noch vor wenigen Monaten an die 2000 Soldaten in der Rantzau-Kaserne arbeiteten und zum Teil auch wohnten, herrscht Stille und Leere - bis auf den Teil, der als Auffanglager für die Flüchtlinge dient. Ansonsten gleicht das 54 Hektar große Kasernengelände seit Ende Juni einer Geisterstadt.

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Stabsgefreiter Artur Hard (links) und Oberfeldwebel Martin Weichbrodt vom Instandsetzungsbataillon mit verpackten Tarnnetzen, die im Internet versteigert werden.

Quelle: Sylvana Lublow

Boostedt. Nicht mal mehr eine Handvoll der 40 Gebäude sind noch besetzt. In zwei Hallen warten noch Materialien zur Abholung. Alle wichtigen Gerätschaften wie Waffen und Panzer wurden bereits abtransportiert. Rund 30 Soldaten - vom Logistik- und Instandsetzungsbataillon - sind zur Abwicklung auf dem Stützpunkt geblieben. Die Truppenküche bleibt allerdings kalt. Dort stehen nicht einmal mehr Tische und Stühle.

 Hauptmann Michael Förster führt seit vergangenem Oktober das Nachkommando des Logistikbataillons 162, das seit 2007 in Boostedt stationiert war. Für den 42-Jährigen emotional keine leichte Aufgabe: Er hat in der Rantzau-Kaserne 1991 seine Grundausbildung begonnen. Dann war er von 1996 bis 2002 und noch einmal von 2008 bis 2010 dort stationiert. „Es ist ein Gänsehautgefühl für mich. Ich habe hier viel Lebenszeit verbracht. Es wird komisch werden, nicht mehr hier zu sein“, sagt der zweifache alleinerziehende Vater. Er vergleicht die Abwicklung der Kasernen mit der Schließung einer zivilen Firma, in der man Jahrzehnte gearbeitet hat. Hauptmann Förster, der in Boostedt lebt, wird zu den wenigen Leuten gehören, die am 31. Dezember das Tor der Kaserne nach 57 Bundeswehrbetrieb endgültig schließen.

 Auf Hauptmann Förster wartet ab 2016 eine neue Aufgabe in der Hamburger Reichspräsident-Ebert-Kaserne. Auch alle anderen Boostedter Soldaten seien gut untergebracht worden, sagt er. „Das war das Schwierigste an der Auflösung: die Soldaten sozialverträglich zu versetzen“, erzählt Förster. Doch in den meisten Fällen sei das geglückt. „Viele der Zeitsoldaten sind ausgeschieden aus der Bundeswehr und absolvieren jetzt eine berufsbegleitende Ausbildung.“ Die Berufssoldaten und andere Zeitsoldaten haben eine so genannte Anschlussverwendung innerhalb der Bundeswehr gefunden.

 Anschlussverwendungen gibt es auch für die meisten Gerätschaften und Materialien. Alles, was die Bundeswehr nicht mehr braucht, wird von der Vebeg-Gesellschaft im Internet versteigert. Diese Materialien, dazu gehören zum Beispiel Tarnnetze und Werkzeuge, lagern zum Teil noch in einer Halle in der Rantzau-Kaserne. Oberfeldwebel Martin Weichbrodt vom Instandsetzungsbataillon 166 und einige seiner Mitarbeiter sind für die Abwicklung dieser Materialien verantwortlich. Sie geben diese an die Käufer heraus. „Das sind zum Beispiel Vereine, Firmen oder auch Privatpersonen“, sagt Weichbrodt. Besonders beliebt bei Zivilpersonen seien die ausrangierten Bundeswehr-Fahrzeuge. Einige Lkw, die auf neue Besitzer warten, stehen noch in einer Halle. „Wir verschenken auch Fahrzeuge an Vereine wie DRK oder DLRG. Die freuen sich sehr darüber“, sagt der Oberfeldwebel. Er und seine Leute bleiben in Boostedt, bis alles verkauft ist. Viel ist ohnehin nicht mehr übrig.

 Während die Kaserne ihren letzten Stunden entgegenblickt, wird das Munitionsdepot in der Hand der Bundeswehr bleiben, ebenso wie der Standortschießanlage samt Übungsplatz. Denn er werde noch von anderen Stützpunkten weiter genutzt, erläutert Förster. Ein Grund mehr, warum er die Schließung der Boostedter Kaserne nicht versteht. „Es war eine politische Entscheidung, in Schleswig-Holstein musste gestrichen werden.“ Und da fiel eben auch die Rantzau-Kaserne dem Rotstift zum Opfer.

 Über die weitere Nutzung des Geländes wird nach der Schließung die BIMA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben) entscheiden.

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Sylvana Lublow

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