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Technische Mammutaufgabe

Digitalfunk im Rettungsdienst Technische Mammutaufgabe

Feuerwehren, Rettungsdienste und Katastrophenschützer im Kreis Segeberg rüsten auf. Sie zählen zu den ersten Einheiten in Schleswig-Holstein, die die neuen, digitalen Funkgeräte erhalten. Damit sollen die Retter bei Einsätzen besser als mit den alten Analoggeräten und abhörsicher miteinander reden können.

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Funk-Stationen für Einsatzfahrzeuge: Altes Analoggerät (links) mit Schaltern, die neue Digitalversion mit Tastatur.

Quelle: gerrit sponholz

Kreis Segeberg. Verteilung, Installation und Schulung sind eine Mammutaufgabe, die sich über ein Jahr erstreckt, sagt Matthias Struck von der Digitalfunk-Servicestelle in der Kreisfeuerwehrzentrale in Bad Segeberg.

 Wie kompliziert die Materie ist, erfuhren auch die staatlichen Einrichtungen während ihrer langen Planungsphase für die Umstellung bundesweit von analog auf digital. Denn eigentlich schon zur Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland sollten die Rettungsorganisationen digital funken können. Doch immer wieder gab es technische Hürden zu überwinden. Sie wurden mittlerweile gelöst.

 Seit zwei Jahren nutzt die Polizei Schleswig-Holstein bereits die Geräte, sagt Struck. Nun ziehen die Rettungsorganisationen nach. Während der Umstellungsphase wird Funkverkehr parallel laufen: mit Analog- und mit Digitaltechnik.

 Die Umstellung lohnt sich, ist sich Struck sicher. „Die Kommunikation ist künftig verschlüsselt.“ Der Sicherheitscode sei noch ausgefeilter als beim Handy-Funk. Mithören wie beim Analogfunk ist für Außenstehende nicht mehr möglich. Außerdem waren die analogen Funkfrequenzen langsam ausgereizt. Und die Geräte waren anfällig für Überreichweiten. Sie führten dazu, dass sich fremde Kommunikationsfetzen auf die eigenen Gespräche legten und damit nur Kauderwelsch zu hören war.

 Der Digitalfunk beendet diese Probleme. Die Verbindungen stehen sicher und klar. Es sind Gruppengespräche möglich, ebenso wie reine Zweier-Kommunikation. Die Geräte besitzen auch einen Notrufknopf, den der Feuerwehrmann oder die Feuerwehrfrau im Notfall drücken kann. Die Kennung des Geräts wird der Einsatzleitung übermittelt, die damit weiß, wer in Gefahr schwebt. Ein Mikrophon wird automatisch geöffnet. Und per GPS-Funk kann auch der Standort ermittelt werden. Nicht zuletzt lassen sich die Funkgeräte innerhalb von nur vier Sekunden komplett sperren, falls eines geklaut wird oder verloren geht.

 Seit wenigen Tagen werden im Kreis Segeberg die Geräte stückweise verteilt. Die Wehren und anderen Hilfsorganisationen erhalten 1700 Handfunkgeräte sowie 500 Funkgeräte für Fahrzeuge. Durch eine Sammelbestellung des Landes gab es Rabatt vom Hersteller für die Kommunen, die Träger der Feuerwehren sind. Der Listenpreis für ein Handfunkgerät liegt bei rund 550 Euro, durch den Rabatt sank er auf 250 Euro, das Fahrzeugfunkgerät kostet noch rund 1000 Euro statt 2300 Euro.

 Rund 180 bis 190 Stück werden pro Monat über die Kreisfeuerwehrzentrale in Bad Segeberg ausgeliefert, beginnend im Süden des Kreises und dann im Uhrzeigersinn weiter. Denn die jeweiligen Nachbarkreise, mit denen die Einsatzkräfte vor Ort kommunizieren müssen, stellen etwa zeitgleich um. Alle Geräte auf einmal zu erhalten und auszuliefern, ist unmöglich. Dafür wären wegen der immensen Menge große Lagerräume nötig. Die Funkgeräte werden in der Kreisfeuerwehrzentrale nur kurz zwischengelagert. Sie werden in eine Inventarliste eingetragen und die Sicherheitskarten werden eingesetzt. Sie ähneln den SIM-Karten bei Handys. Dann gehen die Produkte flugs weiter an die Wehren, Rettungsdienste und Katastrophenschützer.

 Die Funkgeräte besitzen eine Tastatur, keinen berührungsempfindlichen Touchscreen wie Smartphones. Er wäre beim Einsatz nicht zu bedienen, sagt Struck, denn Feuerwehrleute tragen Handschuhe.

 Funklöcher soll es keine mehr geben. Wertvolle Vorarbeit hat die Polizei geleistet. Sie praktiziert Digitalfunk seit zwei Jahren. Weiße Flecken im Netz wurden getilgt. Etwa 160 große Basisstationen wurden landesweit errichtet. Wie die Masten, Sender und Empfänger aussehen und wo sie stehen, darf Struck nicht sagen. Das Netz soll vor Saboteuren geschützt werden. Nur so viel ist zu erfahren: Allein in Bad Segeberg gibt es demnach zwei Stationen.

 Im Zuge der Hardware-Umstellung werden die Funkrufnamen geändert. Allerdings nur in Details. An den neuen Bezeichnungen etwa für Funkgeräte in Einsatzwagen lässt sich nun noch besser ablesen, wie beispielsweise ein Löschfahrzeug ausgestattet ist: mit welchem Tank und welcher Technikausrüstung.

 Nicht jeder Feuerwehrmann erhält ein Handfunkgerät. Sie bleiben auf Führungskräfte und Truppführer beschränkt. Die Schulungen beginnen in diesem Monat. Im August 2016 sollen alle Geräte ausgeliefert sein.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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