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Einer aus der Karl-May-Familie

Bad Segeberg Einer aus der Karl-May-Familie

Fast hätte Dirc Simpson das erste Rollenangebot der Karl-May-Spiele gar nicht angenommen – der Berliner Schauspieler konnte sich vor elf Jahren nicht vorstellen, hier im Freilichttheater am richtigen Platz zu sein. In diesem Jahr ist er zur Freude seiner Fans schon zum sechsten Mal am Kalkberg dabei.

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Dirc Simpson hat in seiner Rolle als Sam Hawkens in der neuen Inszenierung viele komische Szenen zusammen mit Patrick L. Schmitz als „Heinz-Egon Winzigmann“.

Quelle: Gisela Krohn

Bad Segeberg. Überraschenderweise ist es diesmal eine komischen Rolle für Dirc Simpson. „Ich habe damals eher klassische Stücke am Theater gespielt“, schildert der 48-Jährige. Aber Reiner Schöne, der in Bad Segeberg 2002 als „Old Firehand“ in einer Gaststar-Rolle dabei war, schwärmte ihm gegenüber so von seinem Engagement, dass Simpson doch zusagte. Gleich in seiner ersten Rolle 2004 in „Unter Geiern“ als kriegerischer Häuptling „Schwerer Mokassin“ überzeugte er als Indianer – und kehrte 2007 in „Winnetou I“ als fieser Bandit „Rattler“ zurück. Richtig gemein sein durfte der sportliche Schauspieler auch 2009 als Gangster „Knox“ in „Der Schatz im Silbersee“ an der Seite von Martin Semmelrogge. Nachdem er voriges Jahr wieder einmal die Indianerperücke aufgesetzt hatte (als Häuptlingssohn Schiba-bigk, das „Eiserne Herz“), wunderte sich Simpson dann zunächst erstmal darüber, als das Rollenangebot als Sam Hawkens aus Bad Segeberg kam. „Ich war schon irritiert“, erzählt er.

 Zunächst fehlte ihm die Action, die sonst zu seinen Rollen gehört. Nachdem Bühnenautor Michael Stamp ihm dann einen Kampf ins Drehbuch geschrieben hatte, gefiel ihm die Sache schon besser. „Das ist der agilste Sam Hawkens in der Geschichte der Karl-May-Spiele“, findet er. Besonders „überkauzig“ wollte er den Freund von Old Firehand nicht spielen. Aber es sei schön, wenn man die Lacher auf seiner Seite hat. Und auch wenn einige Fans schon befürchtet hatten, Dirc Simpson hätte ein paar Kilo zugelegt: „Der Bauch ist nicht echt!“ Neben der zweiteiligen Perücke mit dem typischen Sam-Hawkens-Hut gehört auch die künstliche kleine Wampe zur Gestalt des kauzigen Westmannes. Die mache bei Hitze manchmal schon Mühe, erklärt Simpson. „Aber an kalten Abenden ist sie dann wie eine eingebaute Heizung.“

 Mit Fahrradfahren, Segeln, Reiten und ein bisschen Boxtraining halte er sich fit, aber auch das Engagement am Kalkberg sei Fitnesstraining pur, erzählt dfer Schauspieler. Nur, dass man eben schon Kondition mitbringen muss: „Sonst hat man hier keinen Spaß.“ Gelernt hatte Dirc Simpson zunächst einen Beruf, der so gar nichts mit Action zu tun hatte: In seiner Heimatstadt Berlin absolvierte er eine Ausbildung zum Damenschneider. Nachdem er bei der Volkshochschule einen Schauspielkursus mitgemacht hatte, wusste er, dass es mit der Schneiderei wohl nicht weiter gehen würde.

 Auch wenn er seine Kostüme theoretisch selbst schneidern könnte, hätte er dazu heute keine Zeit und auch keine Lust mehr. In Bad Segeberg hat er für die Zeit seines Engagements ein kleines Reihenhaus gemietet, so dass seine Frau und die beiden Kinder ihn besuchen können. „Dass ich von Mai bis Anfang September so oft nicht zuhause bin, ist inzwischen nicht mehr so schlimm, die Kinder sind ja schon fast erwachsen.“ Seine Tochter hat gerade Abitur gemacht, der Sohn ist in der 10. Klasse.

 Für Dirc Simpson selbst sind auch die Karl-May-Spiele zu einer Art Familie geworden. Auch wenn er sich zwischen der Nachmittags- und Abendvorstellung gern in sein Reihenhäuschen zurückzieht, sich etwas zu essen kocht und noch ein wenig ausruht, genießt er das Zusammensein mit dem Team. „Man gewöhnt sich so aneinander“, sagt er. „Wenn man Sonntagabend hier rausgeht und nach Hause fährt, entsteht schon so eine Art Einsamkeit“. Zum Glück fahre er ja mit Jan Sosniok, dem Winnetou-Darsteller, im Auto zurück nach Berlin, das mache es leichter. „Wir sind ja Herdentiere“, schmunzelt er. Dabei kann man in seinem Gesicht schon den Schalk sehen, der auch zu Sam Hawkens gehört. Und das ganz ohne Perücke und Plastik-Bauch.

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