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Votum für Gottesbezug

Bad Segeberg Votum für Gottesbezug

Muss in der Verfassung eines nicht-religiösen Staatswesens eine Verantwortung der Abgeordneten „vor Gott“ ausdrücklich formuliert sein? Darüber herrschten in der Familienbildungsstätte des evangelischen Kirchenkreises Plön-Segeberg in Bad Segeberg keine zwei Meinungen.

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Gehört der Gottesbezug in die Verfassung? Eine Diskussion in der Familienbildungsstätte in Bad Segeberg.

Quelle: Detlef Dreessen

Kreis Segeberg. Repräsentanten von evangelisch-lutherischer und katholischer Kirche sowie des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden und der islamischen Religionsgemeinschaft in Schleswig-Holstein (Schura) warben für eine Unterschriftensammlung, damit in der Schleswig-Holsteinischen Landesverfassung „Gott vorkommt.“

 Vor 20 Zuhörern moderierte der Eutiner Journalist Michael Kuhr das Frage-Antwort-Spiel mit Propst Dr. Daniel Havemann (evangelischer Kirchenkreis Plön-Segeberg), Pfarrer Dr. Bernd Wichert (katholischer Pastoralbezirk Ostholstein-Plön), Wolfgang Seibert (stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden) und Fatih Mutlu (Schura).

 Rund 30000 Schleswig-Holsteiner hätten im Rahmen einer Volksinitiative ihre Unterschrift dafür gegeben, dass der Landtag noch einmal über das Thema diskutiert, berichtete Kuhr. Das sei ein großer Erfolg. Die Religionsvertreter hätten unter ihren 1,2 Millionen Mitgliedern sowie Andersgläubigen und Konfessionslosen in den vergangenen Monaten 25000 Unterschriften gesammelt, dazu kämen noch einmal 5000, die die CDU beigesteuert habe, freuten sich die Teilnehmer der Runde.

 Die Trennung von Staat und Kirche sei wichtig, fanden die vier Religionsvertreter. Der Staat dürfe Bürgern nicht in ihre Religionsausübung hineinreden. In anderer Richtung sahen sie durchaus die Verpflichtung der Politiker, bei Entscheidungen „zu fragen, was Gott will.“ Dazu gehörten etwa die zehn Gebote, die unter anderem aufrufen, Gott zu ehren, keine anderen Götter zu haben, die Eltern zu ehren, den Feiertag zu heiligen, nicht zu töten, nicht Ehen zu brechen, nichts Unwahres über andere zu verbreiten und kein Eigentum anderer zu begehren.

 „Ohne die zehn Gebote hätten wir keine Rechtsordnung“, sagte Seibert und wurde von seinen kirchlichen und muslimischen Mitstreitern in dieser Ansicht bestätigt. „Ohne Kirche hätte es die Wiedervereinigung nicht gegeben“, zeigte sich Kuhr gar überzeugt.

 „Ich bin mir bewusst geworden, vor wem ich irgendwann stehe und mich verantworten muss“, sagte Seibert. Das müsse auch für Politiker gelten. Allerdings sei auch bei Entscheidungen aus religiöser Überzeugung nicht immer sicher, dass diese gut seien, gab er zu. „Mit Gott kann man auch begründen, weshalb man Geld anhäuft.“ Pfarrer Wichert berichtete, es gebe sogar Kirchengesetze, die er übertreten müsste, um Geschiedenen beim Abendmahl die Oblaten zu reichen.

 Es sei schon ein Erfolg, dass sich durch die Volksinitiative Menschen Gedanken über den Sinn einer Gottesformel in der Präambel machten, fanden die Vertreter der Religionsgemeinschaften. Für die nächsten Monate kündigten sie weitere Unterschriftensammlungen an. „Wir wollen Druck aufbauen, damit es im Parlament durchgeht“, sagte Fatih Mutlu.

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