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Medizin in einem reichen Land

„Praxis ohne Grenzen“ in Bad Segeberg Medizin in einem reichen Land

Einen zum Teil überraschenden Einblick in den Alltag der von ihm gegründeten „Praxis ohne Grenzen“ gibt der Allgemeinmediziner Dr. Uwe Denker nun in einem Buch. Es sind längst nicht nur die Empfänger von Sozialleistungen, die der Bad Segeberger Mediziner und sein Team dort kostenlos behandeln.

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Über die von ihm gegründete "Praxis ohne Grenzen" hat Dr. Uwe Denker ein Buch geschrieben.

Bad Segeberg. In „Praxis ohne Grenzen – Medizin in einem reichen Land“, das im Verlag Edition Wartenau in Hamburg erschienen ist, schildert der inzwischen vielfach geehrte und ausgezeichnete Arzt, wie seine Initiative in Schleswig-Holstein inzwischen zum mehrfach nachgeahmten Erfolgsmodell geworden und warum das Konzept für ganz Deutschland sinnvoll ist. „Bei uns ist die Welt noch in Ordnung“, sei ihm aus Bayern geantwortet worden, als er auch dort seine Hilfe anbot, eine solche Bedürftigenpraxis auf die Beine zu stellen. Doch der 77-Jährige ist sich sicher: Bei geschätzt etwa 800000 Menschen in Deutschland ganz ohne oder ohne ausreichenden Krankenversicherungsschutz gebe es überall Bedarf. „Auch im Süden werden mittellose Patienten schon mal kostenlos von meinen Kollegen behandelt.“ Und wirklich schwierig werde es, wenn die Behandlung richtig teuer wird: bei chronischen Erkrankungen oder gar einem Krankenhausaufenthalt.

 Zwischen den menschlichen Schicksalen, die er schildert, kämpft der Bad Segeberger immer wieder mit der ebenso verbreiteten wie falschen Auffassung, in einem derart von sozialer Absicherung geprägten Gemeinwesen wie Deutschland dürfte es doch eigentlich niemanden ohne Krankenversicherung geben. „Zu uns kommt der Mittelstand: Scheinselbstständige, die ihre Beiträge nicht mehr bezahlen können, weil sie ihren einzigen Auftraggeber verlieren, oder Unternehmer, denen ein Auftrag platzt, sie aber schon in Material investiert haben.“ Maurermeister und Marktbeschicker, Versicherungsvertreter und Zimmerleute hätten er und seine Kollegen bereits behandelt.

 Der Allgemeinmediziner, der früher eine eigene Praxis in der Kreisstadt betrieben hat, liefert in seinem Buch etliche Fallbeispiele. „Arm und krank bedeutet in Deutschland statistisch gesehen 14 Jahre weniger Leben“, sagt er im Gespräch mit der Segeberger Zeitung. Deshalb hat er zehn Forderungen der Praxis ohne Grenzen erarbeitet, die sich im Klappentext des Buches finden. Die wichtigsten sind eine „Grundversicherung für alle mit einkommensabhängigen Beiträgen und der Möglichkeit der privaten Zusatzversicherung“, die Senkung der Mehrwertsteuer auf Medikamente, die in Deutschland 19 Prozent beträgt, und ein Krankenhauszugang zum Notfalltarif für nicht versicherte Kranke.

 Seit vor fünf Jahren in Bad Segeberg die Praxis ohne Grenzen - die erste ihrer Art - eröffnet wurde, haben Dr. Denker und sein Team etwa 400 Patienten behandelt. Telefonberatungen hinzugezählt, kämen schätzungsweise 800 bis 1000 Beratungen hinzu, erzählt er. Da es in Schleswig-Holstein mittlerweile neun solche Praxen gibt, konzentriere es sich aber nicht mehr nur auf Segeberg. Fünf bis zehn Patienten kommen im Schnitt zu den Sprechstunden, jeweils mittwochs von 15 bis 17 Uhr am Kirchplatz 2.

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