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Auf Flüchtlinge zugehen

Nützen Auf Flüchtlinge zugehen

In vielen Städten und Gemeinden gibt es bereits ehrenamtliche Helferkreise, die sich um die Betreuung von Flüchtlingen kümmern. Nun zieht Nützen nach.

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Der Einladung zum ersten Informationsgespräch für angehende Flüchtlingshelfer folgten an die 20 Nützener Bürger. Zu den Hauptinitiatoren des Unterstützerkreises zählte Olaf Ammermann (rechts), der bei der Versammlung die Ziele der Gruppe vorstellte. Auch zwei Flüchtlinge (daneben) stellten sich vor. Sie wünschten sich vor allem Kontakt zu Einheimischen und Hilfe beim Deutsch lernen.

Nützen. Am Donnerstagabend kam erstmals ein Helferkreis zusammen, der zur Integration der Asylbewerber beitragen möchte. Weitere Interessenten werden noch gesucht. Jeder darf selbst entscheiden, auf welche Art und Weise er sich einbringen kann oder möchte.

 Die Initiative zur Gründung des Helferkreises ergriffen die beiden Nützener Martin Nachbar und Olaf Ammermann. Beide haben zuvor unabhängig voneinander den Schritt gewagt, Flüchtlinge einfach anzusprechen und ihnen Hilfe anzubieten. „Über den Sportverein konnte ich Kontakt zu Syrern aus Schmalfeld knüpfen und sie zum Sport einladen“, berichtete Olaf Ammermann. Zu seinem großen Erstaunen seien tatsächlich alle gekommen – ohne Ausnahme – und hätten begeistert mitgemacht. „Dabei fiel mir dann aber auf, dass sie barfuß waren, weil sie keine Sportschuhe hatten“, sagte Ammermann. So habe sich nach und nach sein Bewusstsein dafür geschärft, an welcher Stelle Hilfe vonnöten sei. Schließlich bot Olaf Ammermann auch den Flüchtlingen in Nützen seine Unterstützung an.

 Das Amt Kaltenkirchen-Land, zu dem Nützen gehört, wird in diesem Jahr voraussichtlich 70 neue Asylbewerber aufnehmen. Gut 30 sind bereits angekommen; die meisten wurden in einer Gemeinschaftsunterkunft in Hartenholm untergebracht. In Nützen mit seinen rund 1200 Einwohnern leben aktuell fünf Asylbewerber in Schlichtwohnungen. Wie viele es noch werden, ist bislang offen.

 Einige der in Nützen untergebrachten Flüchtlinge wohnen schon seit über zwei Jahren im Dorf. Trotzdem hatten sie bislang nahezu keinen Kontakt zu Einheimischen: weil sie sich nicht trauen, auf Alteingesessene zuzugehen, weil sie kaum Deutsch sprechen oder weil sie nicht wissen, wie sie sich in der neuen Kultur zurechtfinden sollen. „Bei meinem ersten Besuch in der Asylbewerber-Unterkunft sagte mir einer der Flüchtlinge, er sei schon zwei Jahre hier, aber ich sei der erste Nützener, den er kennen lerne“, berichtete Olaf Ammermann, der bei seiner ehrenamtlichen Arbeit eng mit Martin Nachbar kooperiert.

 Weil die beiden Helfer nicht alle Aufgaben allein bewältigen können, möchten sie jetzt weitere Ehrenamtler für ihre Idee gewinnen. Der Einladung zu einem ersten Informationsabend im Feuerwehrhaus folgten gut 20 Bürger. Auch zwei Flüchtlinge waren dabei, stellten sich vor und baten um Unterstützung. Ihre größten Anliegen: Sie wünschen sich den Kontakt zu Einheimischen und wollen möglichst schnell Deutsch lernen, um sich besser verständigen zu können. Beide nehmen zwar bereits an professionellen Sprachkursen teil, ihnen fehlt aber die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse im alltäglichen Gespräch auch anzuwenden.

 Vor der Zusammenkunft hatten Olaf Ammermann und Martin Nachbar eine Liste für potenzielle Ehrenamtler erstellt. Darauf standen Vorschläge, wie sich jeder einbringen könnte. Gesucht wurde nicht nur nach ehrenamtlichen Deutschlehrern, sondern auch nach Lesepaten, Sachspendern und Mitgliedern im Willkommensteam. Es soll neue Flüchtlinge in Empfang nehmen und ihnen die ersten Tage und Wochen in Nützen erleichtern. Im Idealfall soll den Asylbewerbern danach ein persönlicher Pate zugewiesen werden, der den Kontakt zu ihnen hält und an den sie sich bei Problemen oder Fragen wenden können.

 Darüber hinaus werden auch Freiwillige gesucht, die bei Bedarf Fahrdienste übernehmen, bei handwerklichen Arbeiten helfen, Fahrradreparaturen erklären, die Flüchtlinge mit zum Sport nehmen oder sich einfach mit ihnen bei Kaffee und Kuchen zum Erzählen treffen.

 Die Ehrenamtler können selbst entscheiden, in welchem Umfang sie sich einbringen wollen. „Niemand verpflichtet sich zu etwas, und man kann sich jederzeit aus der Arbeit zurückziehen, wenn sie einem zu viel wird“, sagte Olaf Ammermann, der sich über die große Resonanz der Nützener freute. Mehrere Bürger boten spontan ihre Unterstützung an und setzten auf der Liste ihr Häkchen hinter die ersten Aufgaben. Auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde, die über Pastor Dr. Tilman Fuß vertreten war, will sich engagieren. Dennoch werden noch viele weitere Helfer benötigt.

 In Nützen leben zurzeit Flüchtlinge aus Iran, Irak, Syrien und Afghanistan. Es handelt sich um alleinstehende Männer zwischen 18 und etwa 35 Jahren.

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