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Kaum Interesse am Ehrenamt

Einwohnerversammlung Kaum Interesse am Ehrenamt

Erst Mitte Oktober hatte es in Kaltenkirchen eine Einwohnerversammlung zur Flüchtlingskrise gegeben. Es kamen derart viele Bürger, dass zusätzliche Stühle herangeschafft werden mussten. Zur jüngsten Versammlung zum Thema Ehrenamt kamen gerade einmal zwei Dutzend Besucher.

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Nur wenige Kaltenkirchener fanden Interesse an der jüngsten Einwohnerversammlung zum Thema Ehrenamt im Rathaus.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Der Abend im Ratssaal wurde von Bürgervorsteher Rüdiger Gohde moderiert. Er wies darauf hin, dass sich aktuell etwa jeder dritte Bundesbürger ehrenamtlich engagiert – also über 20 Millionen Menschen. Auch in Kaltenkirchen sei die Hilfsbereitschaft groß, und das werde auch gewürdigt. „Beim Neujahrsempfang im Rathaus zum Beispiel wird jedes Jahr ein Ehrenamtler geehrt, der sich in besonderem Maße für die Gemeinschaft einsetzt“, so Gohde.

 In welcher Weise sich Kaltenkirchener für das Gemeinwohl engagieren, erklärte Bürgermeister Hanno Krause. Er wies unter anderem auf die Arbeit des Seniorenbeirates und der Jugendstadtvertretung hin sowie auf die von Feuerwehr, Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft, Deutschem Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk. Besonders erfreulichen Zuwachs erleben zurzeit die Flüchtlingslotsen, deren Zahl inzwischen auf 85 angewachsen ist. Etwas weniger bekannt, aber ebenso wichtig, sind die Einsätze des Naturschutzbeauftragten, des Behindertenbeauftragten, des Wild- und Jagdschadenschätzers, des Forstsachverständigen oder auch des Schiedsmanns.

 Als Vertreter der Jugendstadtvertretung (JSV) war deren Sprecher Jorge Franck eingeladen worden. Er gehört dem Gremium seit vier Jahren an. Das aktuelle Projekt der Gruppe ist die Verschönerung der Unterführung am Marschweg. Die Arbeiten daran werden sich wegen der zuletzt sehr ungünstigen Witterung allerdings bis ins nächste Jahr hinziehen.

 Jorge Franck ging auch auf das Problem ein, mit dem die Jugendstadtvertretung zu kämpfen hat: mit einem akuten Teilnehmerschwund. „Das Interesse daran, sich bei uns aktiv einzubringen, ist leider gering“, sagte er. Es seien zwar immer wieder Jugendliche bereit, sich wählen zu lassen, doch hinterher werde häufig realisiert, wie viel Arbeit mit dem Amt verbunden sei. „Zurzeit sind wir nur noch ein harter Kern von vier Leuten, der wirklich mitmacht“, so Jorge Franck. Vor diesem Hintergrund sei es nicht mehr möglich, viel zu bewegen. Trotz dieser ernüchternden Bilanz ermutigte Rüdiger Gohde die Jugendlichen zur Teilhabe. „Alle Stadtvertreter sind der Jugendstadtvertretung gegenüber sehr wohlgesonnen.“

 Die Arbeit der Kaltenkirchener Tafel stellte Bernd Wulff vor. Das Team unterstützt seit rund zwanzig Jahren Bedürftige mit Lebensmittelspenden. Aktuell sind die bundesweit 903 Tafeln besonders wichtig, weil sie sich auch für die vielen Flüchtlinge einsetzen, die nach Deutschland kommen. Mehr und mehr werden die Teams jedoch an ihre Grenzen geführt. „Der Altersdurchschnitt im Kaltenkirchener Team liegt bei über 60 Jahren, und wir werden nicht jünger“, sagte Bernd Wulff. Ein weiteres Problem bestehe darin, dass die Menge der gespendeten Waren konstant bleibe, während es immer mehr Bedürftige in der Warteschlange gebe. „Wir sind daher auf weitere Unterstützung angewiesen.“

 Ebenfalls um Bürger mit kleinem Geldbeutel kümmert sich das Sozialkaufhaus „Ran & gut“ am Ortsausgang in Richtung Kisdorf. Die Einrichtung, deren Träger das Rauhe Haus ist, wurde ebenfalls in der Sitzung vorgestellt. Beschäftigt sind dort Menschen mit Behinderungen, die von Sozialpädagogen begleitet werden. Hinzu kommt aber auch noch ein Stamm von 25 bis 30 Ehrenamtlern, die beim Verkauf gebrauchter Waren in der Möbelhalle sowie in der Kleiderdiele helfen. Seit einigen Monaten unterhält „Ran & gut“ zusätzlich ein Kinderkaufhaus an der Hamburger Straße.

 Ursprünglich war vorgesehen gewesen, Vereinen und Verbänden in der Einwohnerversammlung eine Plattform zu geben, um weitere Ehrenamtler für ihre Arbeit zu gewinnen. Dafür hätte es allerdings eines größeren Publikums gebraucht, weshalb dieser Unterpunkt der Tagesordnung am Ende entfiel.

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