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Anzeige gegen Kita-Leiterin

Nach Missbrauchsfall Anzeige gegen Kita-Leiterin

Der Missbrauchsfall in der städtischen Kindertagesstätte Christiansfelde hat ein weiteres juristisches Nachspiel. Wie der Rechtsanwalt Dr. Jonas Hennig am Dienstag sagte, haben Eltern Anzeige gegen die Kita-Leiterin wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet. Weitere Eltern erwägen diesen Schritt offenbar noch.

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Die Missbrauchs-Affäre in der Kita Christiansfelde hat zu einer Anzeige von Eltern gegen die Leiterin geführt.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Vor einem Monat war ein 20-jähriger Mann vom Bad Segeberger Jugendschöffengericht verurteilt worden. Er hatte gestanden, in der Kita Christiansfelde mehrere Mädchen sexuell missbraucht zu haben.

 Das Verhalten des jungen Mitarbeiters, der seinen Bundesfreiwilligendienst („Bufdi“) in der kommunalen Einrichtung absolvierte, hatte vor den Taten schon Aufmerksamkeit bei der Belegschaft erregt. So wurde er für sein distanzloses Verhalten gegenüber den Kindern kritisiert. Die Kleinen hatten den jungen Mann sehr ins Herz geschlossen und ihm den Spitznamen „Kuschelbär“ verpasst.

 Im September 2013 musste er eine Art Selbstverpflichtung unterschreiben. Darin war es ihm per Dienstanweisung verboten, Kinder zu küssen, auf seinen Schoß zu setzen oder durch die Gegend zu tragen. Außerdem musste er weinende Kinder fortan zu einer Erzieherin bringen und durfte sie nicht mehr selbst trösten. Alle vom Gericht geahndeten Fälle, in denen er den Kindern unter anderem im Bällebad in den Schritt fasste, lagen nach diesem Zeitpunkt.

 So kam schon im Gerichtssaal die Frage auf, ob die Kita-Belegschaft eine rechtliche oder zumindest moralische Mitschuld trägt. Der Angeklagte hatte nämlich zu Protokoll gegeben, dass er weiterhin ohne erwachsene Kollegen mit den Kindern allein bleiben durfte.

 „Ein Elternpaar hat Strafanzeige bei der Polizei gestellt“, erklärte Rechtsanwalt Hennig der SZ. Er hatte als Nebenkläger an dem Prozess teilgenommen und die Interessen von Opfern vertreten. Bei den Eltern, die sich zur Anzeige entschlossen haben, handele es sich aber nicht um seine Mandanten. Sie überlegen derzeit noch, ob sie solch einen Schritt gehen wollen.

 Da es in Deutschland nicht möglich ist, eine Institution zu verklagen, sei die Anzeige gegen die Leiterin der Kita ergangen, erläutert Hennig. „Sie war ja in Kenntnis dieser Neigung. Statt sofort zu kündigen, hat sie ihn in der Nähe der Kinder belassen.“

 Bürgermeister Dieter Schönfeld reagierte auf die Information über die Anzeige mit großer Betroffenheit, stellte sich aber zugleich vor die Leiterin der Kindertagesstätte. „Nach unseren bisherigen Erkenntnissen hat sie sich keine Straftat zuschulden kommen lassen – so unglaublich und unerträglich dieser Fall auch ist.“

 Die Stadt werde der Frau Rechtsschutz gewähren, kündigt der Rathaus-Chef an. „Wer aufgrund seiner dienstlichen Tätigkeit angegriffen wird, erhält Rechtsschutz.“ Es müsse nun geklärt werden, ob es Versäumnisse in der Kita gegeben habe – und wenn ja, wer diese zu verantworten hatte. Die Aussage zu Lasten der Leiterin sei ja ausgerechnet vom Angeklagten gekommen. Schönfeld: „Ob der Täter der geeignete Kronzeuge der Anklage ist, ist eine zweite Frage. Er wollte vor Gericht seine Position verbessern.“ Bürgermeister Schönfeld warb um Verständnis dafür, dass der junge Mann nicht aufgrund eines äußerst vagen Verdachts gefeuert worden ist. „Wenn Sie einen jungen Menschen bei der ersten Verfehlung vor die Tür setzen, dann weht der Wind von der anderen Seite.“

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