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Tote Katze in Müll geworfen

Empörung in Bad Segeberg: Tote Katze in Müll geworfen

Kater George war ein vergnügtes und treues Tier – und als der zwei Jahre alte Stubentiger am Sonnabend nicht nach Hause kam, schwante seinen Besitzern Sabine Stolten und Benedikt Wiesner gleich Böses. Nach zwei Tagen die Gewissheit. Wiesner „George ist tot – und ein Polizist hat ihn in den Müll geworfen.“

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Sabine Stolten und Benedikt Wiesner vor dem Müllcontainer an der Theodor-Storm-Straße: Dort entdeckten sie unter einem alten Klodeckel ihren toten Kater George.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Am Sonnabend war George durch die Südstadt getigert. Doch dann blieb er mittags zur Fressenszeit aus. „Und er kam auch über Nacht nicht“, schildert Sabine Stolten. „Wir dachten, dass er irgendwo in einem Schuppen eingesperrt ist.“ Das Paar suchte im Südstadtpark und fragte in der Nachbarschaft an der Theodor-Storm-Straße nach – ohne Ergebnis. Als George auch am Sonntag nicht auftauchte, druckten seine Besitzer 80 Suchplakate und hängten sie in der Umgebung auf.

 Schon nach kurzer Zeit kam ein Anruf. „Es war eine Frau dran, deren Mutter bei uns in der Nähe wohnt“, erzählt Sabine Stolten. Die ältere Dame habe am Wochenende beobachtet, dass eine Katze tot neben einem Gebüsch am Fußweg lag. „Sie hat dann einen Polizisten gesehen, wie er das Tier in eine Mülltonne vor dem Wohnblock Nummer 52 getan hat.“

 Sabine Stolten ist seit Jahrzehnten Katzenhalterin und hat ihre Liebe zu den Vierbeinern auch zum Beruf gemacht, indem sie einen Kleintierservice mit Urlaubsbetreuung betreibt. Auch beim Tierschutz hat sie schon ehrenamtlich gearbeitet und einiges an Tierleid gesehen – aber nun ging sie doch mit einem sehr mulmigen Gefühl zu der besagten Mülltonne. „Gott sei dank war gerade eine Freundin zu Besuch.“ Gemeinsam öffneten die Frauen den Deckel, sahen Hausmüll, eine Toilettenbrille – „und unter dem Klodeckel lag George“.

 Vermutlich ist der Kater überfahren worden. An seinem Fell klebte ein wenig Blut. Das allein ist für die Besitzer schon tragisch genug, aber über den Umgang mit dem toten Tier sind Sabine Stolten und Benedikt Wiesner schier fassungslos. „Wir hätten ihn ja nie gefunden, wenn wir nicht den Anruf bekommen hätten“, sagt Sabine Stolten. Ihr Lebensgefährte ergänzt: „Am Donnerstag wird der Container geleert. George wäre weg gewesen. So herzlos kann doch kein Gesetzeshüter sein! Mit Lesegerät hätte man feststellen können, wohin dieses Lebewesen gehört.“ Der Kater hatte einen Chip unter dem Fell. „Einfach entsorgt wie Müll! Wir haben Rotz und Wasser geheult über diese Entwürdigung.“ Offenbar habe der Beamte keinen „Bock auf Bürokratie“ gehabt.

 Polizeisprecherin Silke Westphal konnte den Fall nicht im Detail nachvollziehen, da die Polizisten vom Wochenende gestern keinen Dienst hatten. Das mutmaßliche Verhalten des Kollegen sei aber „so nicht üblich“. Allerdings werde nur bei lebendigen Tieren nach einem Chip geschaut. „Bei einem toten Tier stellt sich ja die Frage, wer das bezahlt.“ In einer Mülltonne sollen die Vierbeiner aber nicht enden. „Normalerweise wird der Tierschutz gerufen, der sich dann darum kümmert.“

 Wenn ein Tier stirbt:

 Rein rechtlich hat der Polizist, der den toten Kater George im Restmüll versenkt hat, nichts falsch gemacht. Das erklärte gestern die Kreisverwaltung auf Nachfrage – wobei die Mitarbeiter deutlich machten, dass sie den Umgang mit dem Tier (vorsichtig ausgedrückt) nicht ideal fanden.

 Thomas Heinbokel von der Abfallbehörde betont, dass es nur dann Ärger gegeben hätte, wenn der Kadaver in einer Biotonne gelandet wäre. Dort darf man aus seuchenrechtlichen Gründen weder tote Fleischfresser noch deren Kot entsorgen. Also: Katzenstreu gehört nicht in die braune Tonne.

 Rein abfallrechtlich war der Restmüll die richtige Wahl, weil dieser Müll verbrannt wird – wie ein Tierkörper ohnehin, wenn er korrekt beseitigt wird. „Es war aber in diesem Fall etwas pietätlos“, sagt Heinbokel. Jeder Tierarzt hätte den Chip des getöteten Tieres auslesen und damit die Besitzer feststellen können.

 Auch das Kreisveterinäramt hat – von der juristischen Seite – nichts auszusetzen, wie Jutta Maiwald sagt. Der Umgang mit toten Tieren sei so aber nicht gewollt. Normalerweise hätte der Vierbeiner in einer Tierkörperbeseitigungsanstalt landen müssen – zum Beispiel durch einen Tierarzt. Auch ein Krematorium wäre denkbar gewesen. „Oder ein Tierfriedhof wie in Norderstedt“, sagt Jutta Maiwald. Auch eine Beerdigung im eigenen Garten sei erlaubt. Hierfür ist allerdings ein kurzer Anruf beim Kreisveterinäramt notwendig. Da das die meisten Tierbesitzer jedoch nicht wissen, komme solch ein Antrag nur selten vor. In der Regel stehe dem Wunsch der trauernden Frauchen und Herrchen aber nichts im Wege, und die Genehmigung werde ganz unkompliziert erteilt.

 Es gibt aber zwei Regeln, die eingehalten werden müssen: Das Tier muss mindestens 80 Zentimeter tief vergraben werden. Außerdem darf sich das entsprechende Grundstück nicht in einem Wasserschutzgebiet befinden.

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