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Auch sie würden streiken

Bad Bramstedt Auch sie würden streiken

Seit drei Wochen streiken die Erzieherinnen der kommunalen Kitas. Sie fordern mehr Geld - als Anerkennung ihrer Arbeit. Bad Bramstedter Eltern hingegen können aufatmen, denn alle acht Kitas der Stadt sind in Trägerschaft von Sozialverbänden und Kirche. Da wird nicht gestreikt.

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Moralische Unterstützung für die streikenden Kolleginnen gibt es auch von der Kita Löwenzahn: (von rechts) Leiterin Gabi Fischer, Sali Ljubow, Svea Winkler und Samuel Lüdtke.

Quelle: Sylvana Lublow

Bad Bramstedt. Doch wenn sie könnten, würden auch viele der Bad Bramstedter Erzieherinnen die Arbeit niederlegen und auf die Straße gehen. „Ich finde es gut, was die Kollegen tun. Schade, dass wir nicht streiken können“, sagt zum Beispiel Gabi Fischer, Leiterin der DRK-Kita Löwenzahn, „deren Forderungen sind auch unsere.“ Die betroffenen Eltern tun ihr zwar leid, doch: „Durch den Streik wird bewusst gemacht, wie wichtig Kitas sind.“ Es gehe den Erzieherinnen in erster Linie um die Wertschätzung ihres Berufes. Denn seit etwa 20 Jahren hat sich das Berufsbild des Erziehers stark verändert. „Die Anforderungen sind viel höher“, sagt Fischer. „Kitas sind Erziehungs- und Bildungseinrichtungen. Aber leider gibt es in den Köpfen der Menschen immer noch das Bild von der spielenden und Kaffee trinkenden Betreuungskraft.“ Was die Bildung der Kinder betrifft, seien Kitas - neben den Eltern - das erste Glied in der Kette.

 Was jedoch noch viel wichtiger wäre, als mehr Geld zu bekommen, sei die Erhöhung des Personalspiegels. „Was von uns alles gefordert wird, können wir mit so wenig Personal kaum packen“, sagt Fischer. In der Kita Löwenzahn sind 1,5 Mitarbeiter für 22 Kinder im Elementarbereich verantwortlich. „Das ist zu wenig.“

 Auch Erzieher John Künkes sieht vieles im Argen: „Wir müssen in unserem Beruf viel aushalten und bekommen wenig Geld, so ist es in allen sozialen Berufen. Wir brauchen auf jeden Fall mehr Personal.“ Erzieher müssen sechs Bildungsbereiche abdecken, neben allem anderen. Das beginnt bei der musischen Erziehung, geht weiter über Bewegung, Sprache, Naturwissenschaften bis hin zu Kultur und Philosophie/ Religion.

 Auch Renate Buck, Leiterin der AWO-Kita Rappelkiste, solidarisiert sich mit den streikenden Kolleginnen: „Es ist wichtig, dass unser Beruf aufgewertet wird. Die Bildung der Kinder beginnt nicht erst mit der ersten Klasse.“ Die Anforderungen an die Erzieherinnen werden immer höher. „Es ist kein Wunder, dass viele Kollegen oft krank sind“, sagt Buck. „Die Bezahlung könnte besser sein. Der Unterschied zu den Gehältern von Lehrern ist riesig. Da muss es eine Erhöhung geben.“

 Tatsächlich verdienen tariflich gebundene Erzieherinnen im Durchschnitt 2560 Euro brutto (Quelle: www.lohnspiegel.de), ein 30-jähriger Grund- und Hauptschullehrer bekommt 3200 Euro. Die streikenden Erzieherinnen fordern eine höhere Lohn-Eingruppierung, was etwa 10 Prozent mehr Einkommen bedeuten würde. Vier der acht Kitas in Bad Bramstedt sind in Trägerschaft der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Die Erzieherinnen werden nach dem Kirchlichen Tarifvertrag bezahlt und erhalten ein Einstiegsgehalt von 2537 Euro und maximal 3037 Euro.

 Falls sich die Arbeitgeber auf eine höhere Lohngruppe einlassen, hätte das auch Auswirkungen auf die nicht-kommunalen Kitas. „Wir passen uns dem Tarif an, schließlich müssen wir wettbewerbsfähig bleiben“, sagt Andrea Zielinski, Geschäftsführerin der DRK-Kitas im Kreis Segeberg und somit auch verantwortlich für die Bad Bramstedter Kita Löwenzahn. Sie sieht die Forderungen der Streikenden zwar als gerechtfertigt an, doch betrachtet sie auch die andere Seite: die der Eltern und Kinder. „Es ist schwierig, da den richtigen Weg für alle Beteiligten zu finden.“ Erzieher John Künkes würde sich ebenfalls wünschen, dass der Streit um mehr Geld und Anerkennung nicht auf den Rücken der Eltern ausgetragen würde. „Hier ist die Politik gefordert!“

 Ähnlich sieht das auch Bad Bramstedts Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach. Er empfindet das Lohngefälle zwischen Erziehern und Lehrern als ungerecht. „Das Berufsbild des Erziehers ist viel qualifizierter geworden. Die Schulen üben Druck auf die Kitas aus, die Kinder müssen fit für die Schule gemacht werden.“ Doch sei die Diskussion um mehr Anerkennung für den Beruf nicht allein Tarifsache, meint Kütbach. „Es ist die Aufgabe des Staates zu gucken, wie er die Kommunen besser ausstattet.“ Wenn die Gehälter der Erzieherinnen erhöht werden, schlage sich das auch auf den Haushalt nieder. Denn die Träger rechnen am Ende mit der Stadt ab.

 Dass die höheren Kosten sich auf die Elternbeiträge niederschlagen, wollen zumindest die Erzieher nicht. „Der Bund ist gefordert, nicht die Eltern“, findet Rüdiger Dittmann, Leiter der Arche-Kita. Eltern sollten maximal 40 Prozent der Kosten tragen.

 In Bad Bramstedt ist eine Erhöhung der Elternbeiträge derzeit im Gespräch. „Bei uns zahlen die Eltern weniger als in den umliegenden Kommunen“, sagt Bürgermeister Kütbach. Doch bis auf 40 Prozent heraufgehen wolle niemand: „Eine Anpassung ist nötig, aber maßvoll.“

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