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Bewährungsstrafe für Böller-Wurf

Europa-Festival in Bad Segeberg Bewährungsstrafe für Böller-Wurf

Ein arbeitsloser Lagerist wurde vom Schöffengericht für mehrere Zwischenfälle während des European Peoples’ Festivals im Sommer 2014 in Bad Segeberg zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Während des Festumzuges hatte er zwei Knallkörper in die vorbeiziehende Menschenmenge geworfen.

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Die Böllerwürfe des Angeklagten aus seiner Wohnung im zweiten Stock auf den bunten Umzug des European Peoples’ Festivals (EPF) hätte in der Kurhausstraße auch zu einer Massenpanik führen können, urteilte die Richterin.

Quelle: Archiv

Bad Segeberg. „Was Alkohol so alles anrichten kann.“ Vorwurfsvoll blickte Amtsrichterin Sabine Roggendorf in ihrer mündlichen Urteilsbegründung auf ein Bündel von Straftaten des 44-jährigen Bad Segebergers zurück. Das Gericht belegte den offenkundig chronisch alkoholsüchtigen Empfänger von Hartz-IV-Bezügen mit einer Gesamtstrafe von zehn Monaten Gefängnis, auch weil er nach der Tat noch zwei Polizeibeamte an der Tür seiner damaligen Wohnung mit einem Bajonett bedroht hatte.

 Der Segeberger, der nach eigenem Bekunden seit zwei Tagen vor dem Prozess keinen Tropfen Alkohol angerührt hatte, konnte das Gebäude trotz seiner Verurteilung als freier Mann verlassen. Denn die Verbüßung seiner Strafe, gegen die er mit seinem Anwalt Oliver Jürgens noch an Ort und Stelle auf Rechtsmittel verzichtete, wurde für drei Jahre Bewährungszeit ausgesetzt. Allerdings muss sich der Verurteilte in dieser Zeit einem Bewährungshelfer unterstellen und etwaigen Wohnortwechsel unverzüglich bei Gericht anzeigen. Außerdem wurde ihm auferlegt, sich auf den selbst geäußerten Wunsch nun endlich um eine Alkoholsucht-Therapie zu bemühen. Dazu soll er Kontakt mit der Ambulanten und teilstationären Suchtberatungsstelle (ATS) in der Kreisstadt aufnehmen. Ferner hat er 40 Stunden gemeinnützige Arbeit in einer noch zu benennenden sozialen Einrichtung abzuleisten: „Auch um in seinen Tagesablauf wieder etwas Struktur hineinzubekommen“, wie die Richterin erläuterte.

 Nach den Einlassungen des Mannes zu den Vorfällen an jenem Sonntag im Juli gegen 14.45 Uhr und kurz danach, sowie als Ergebnis der glaubwürdigen Aussagen von sechs Zeugen, stand für das Schöffengericht fest, dass sich der Mann der versuchten Nötigung ebenso schuldig gemacht hatte wie der gefährlichen Körperverletzung. Zur Tatzeit hatte einen Alkoholpegel von 3,1 Promille im Blut. Der von ihm gezündete Knallkörper traf einen spanischen Festzug-Teilnehmer am Unterschenkel. Außerdem fand das Gericht die Schilderung bestätigt, dass er sich wegen Bedrohung von zwei ermittelnden Polizeibeamten mit einem Bajonett mit 26 Zentimeter langer Klinge an seiner Wohnungstür strafbar gemacht hatte.

 Wie auch Staatsanwältin Oeffner und Rechtsanwalt Oliver Jürgens, der – allerdings ohne konkreten Antrag für das Strafmaß – gleichfalls eine Bewährungsstrafe für angemessen hielt, ging das Gericht in seiner Entscheidung davon aus, dass der bisher nicht vorbestrafte Angeklagte zwar an dem besagten Nachmittag durch den Genuss beträchtlicher Mengen von Doppelkorn stark alkoholisiert war. Gleichwohl wurde es als erwiesen angesehen, dass er zu Tatzeit immer noch ausreichend steuerungsfähig war, was durch das bewusste Zünden von zwei D-Böllern eindeutig belegt sei. Die Richterin redete dem schließlich einsichtigen Täter mit jetzigem Wohnsitz in einer städtischen Gemeinschaftsunterkunft ins Gewissen, dass dies beileibe „keine Lappalie“ mehr war, sondern viel, viel schlimmer hätte ausgehen können, „bis hin zur Massenpanik mit möglicherweise Toten“. Der am helllichten Nachmittag schlafbedürftige Mann hatte sich durch die seinem Empfinden nach zu starke Geräuschkulisse des Festumzuges gestört gefühlt.

 Vom Gericht angelastet wurde dem 44-Jährigen, der nach neun Jahren Förderschulzeit binnen weiteren viereinhalb Jahren eine Lageristen-Lehre absolviert hatte, auch sein anschließendes Verhalten nach den Würfen: Zwei seinerzeit von Umzugsteilnehmern zu Hilfe hinzugerufenen Polizeibeamten in Dienstuniform öffnete er nämlich erst nach längerer Zeit auf mehrmaliges Klopfen und wiederholte Aufforderungen hin die Wohnungstür und ging sofort mit vorgehaltener Stichwaffe drohend auf die Beamten zu. Nur durch schnelles Einsetzen eines Reizmittel-Sprays durch einen Polizeiobermeister, während sein Kollege sich mit einer gezogenen Dienstpistole neben ihm bereithielt, konnte der Mann kampfunfähig gemacht werden. Er wurde auf dem Boden fixiert, mit Handschellen gefesselt und per Einsatzfahrzeug zur Polizeiwache gebracht..

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