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Rebellen wollen Aufmerksamkeit

Fachtagung in Bad Segeberg Rebellen wollen Aufmerksamkeit

Viele Jungen machen Mutproben mit, um in eine Gruppe aufgenommen zu werden – häufig verbunden mit dem massiven Genuss von Alkohol. Doch warum wollen Jungen sich auf diese Art beweisen? Tipps und neue Impulse erhielten Pädagogen auf der Fachtagung „Selbstbestimmt!?“ in Bad Segeberg.

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Professor Benedikt Sturzenhecker (rechts) aus Hamburg behandelte in seinem Workshop in Bad Segeberg die Ausdrucksformen von Jungen, sich der Gemeinschaft mitzuteilen.

Quelle: Patricia König

Kreis Segeberg. Wenn Jungen schon im Kindergarten die Gruppe beherrschen, den Unterricht in der Schule stören, mit dem Smartphone spielen, andere mobben oder schlagen, dann „ist das immer ein Angebot an die Gemeinschaft“. So formulierte es Professor Benedikt Sturzenhecker von der Universität Hamburg. Aufgabe der Pädagogen sei es, das wahre Thema herauszufinden und darauf angemessen zu reagieren.

 „Jedes Fehlverhalten macht aufmerksam auf den Rebell, der Regeln bricht oder auf den, der sonst nicht gesehen wird und eher unauffällig ist“, erklärte Sturzenhecker. Daraufhin könnten Pädagogen das Tun oder Unterlassen positiv umkehren und darin den wahren Hintergrund für das Handeln entdecken. Ein Beispiel: Wenn ein Jugendlicher sich mit Alkohol abfüllen lässt, stecke dahinter der Glaube, dass ein Erwachsener viel trinken könne – und er das nachahmen will. Es kann aber auch ein Wunsch nach Grenzerfahrung sein, um dem Bild zu entsprechen, das immer noch für die Männlichkeit stehe: Trinkfestigkeit als Ausdruck von körperlicher Stärke und Macht über sich selbst.

 „Jungen und Männer befinden sich genau wie Mädchen und Frauen in einem ständigen Widerspruch in der Gesellschaft. Denn die tradierten Bilder gelten noch, entsprechen aber nicht mehr der Realität“, erklärte Jens Lindemann, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit. „Jungen sollen stark sein und sich durchsetzen können, sie sollen aber auch kommunikativ, empathisch, kollegial und nicht zu auffällig sein.“ Verhaltensweisen wie ständiges Abtauchen in eine virtuelle Welt, in der die Jungen bestimmen, wo es lang geht, können bedeuten, dass sie in ihrem wahren Leben eben genau diese Selbstbestimmung und Mitwirkung vermissen.

 Die Landesarbeitsgemeinschaft Jungenarbeit Schleswig-Holstein hatte zu der Fachtagung in die Jugendakademie in Bad Segeberg eingeladen. Dafür interessierten sich rund 90 Mitarbeiter aus Kindergärten, Schulen, Jugendzentren und Heimen aus dem Kreis Segeberg, Lübeck und Flensburg.

 „Ich bin total begeistert von den Inhalten, die hier vermittelt werden“, erklärte Heinke Juds-Karow von der Offenen Jugendarbeit in Boostedt. Das seien wertvolle Impulse, die sie gut umsetzen könne in ihrer Arbeit mit den Jugendlichen.

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