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Kaum Zeit zum Kuscheln

FÖJ im Wildpark Eekholt Kaum Zeit zum Kuscheln

Zum ersten Mal von Zuhause weg: Zwei junge Frauen absolvieren ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ), eine ihre Ausbildung im Wildpark Eekholt. Von ihrer Wohngemeinschaft in Großenaspe aus leben und arbeiten sie mit den Tieren – und entdecken ihre Selbständigkeit.

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FÖJlerin Charlotte Drimalla aus München kümmer sich täglich um die Tiere im Wildpark Eekholt.

Quelle: Jann Roolfs

Großenaspe.. „Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen. Das war gut, da konnte ich mich vorher nicht verrückt machen.“ Bei ihren ersten Terminen mit Publikum im Wildpark Eekholt war Charlotte Drimalla noch aufgeregt, jetzt bereitet es ihr keine Probleme mehr, Besuchern die Tiere zu erklären. Die 18-Jährige aus Hannover absolviert seit vergangenem August ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ). Inzwischen übernimmt sie öffentliche Fütterungen der Fischotter und der Marder, auf die Wölfe bereitet sie sich gerade vor.

 Schon vor ihrem Abitur beschloss Drimalla, nach der Schule eine Pause vom Lernen einzulegen. „Abschalten und Arbeitserfahrungen sammeln“ wollte sie, dabei draußen sein und mit Tieren arbeiten. Im Januar 2015 bewarb sie sich, im April hatte sie ihr Vorgespräch in Eekholt, im Sommer ging es los. Rund zwei Dutzend Bewerber meldeten sich im Wildpark auf die zwei Stellen, die in diesem Jahr besetzt werden.

 Victoria Stockinger kam über Umwege und mit viel Glück nach Eekholt: Die 21-Jährige machte 2013 in München Abitur. Dann legte sie ein Jahr Pause ein, in dieser Zeit absolvierte sie ein zweiwöchiges Praktikum im Münchner Zoo. Eine Lehrstelle als Tierpflegerin bekam sie nicht, also besann sie sich darauf, dass sie gern mit Kindern zu tun hat und studierte Gymnasiallehrerin für Englisch und Sport. Aber das Praktikum im dritten Semester brachte sie zur Umkehr: Die junge Frau schmiss vor Weihnachten ihr Studium und stolperte darüber, dass in Eekholt eine FÖJ-Stelle nachzubesetzen war. Binnen einer Woche hatte sie den Job, seit dem 4. Januar arbeitet sie im Wildpark: „Ich wollte in der freien Natur arbeiten.“ Victoria Stockinger orientiert sich noch: Eine Woche lang war sie bei den Säugetieren, eine Woche lang bei den Vögeln, jetzt in der Wildparkschule. Danach folgt ein Seminar, dann wird sie sich für einen Bereich entscheiden.

 Charlotte Drimalla hat ihre Wahl schon getroffen, sie versorgt die Säugetiere. Dabei bleibt zum Kuscheln nicht viel Zeit, hat sie gemerkt: Morgens ab 8 Uhr sind zwei Futterrunden zu absolvieren, nachmittags werden Sonderaufgaben erledigt: Gehege umgestalten, Misten, Füttern und natürlich die öffentliche Fütterungen.

 Unangenehm findet sie an ihrem Job das Schlachten. FÖJ-Absolventen ist es freigestellt; Drimalla hat sich überwunden und Ratten, Mäuse und Meerschweine als Futter für die Fleischfresser vorbereitet. Victoria Stockinger hatte in ihrem Zoo-Praktikum schon viele Vorurteile korrigiert und sagt: „Schlachten ist komisch, aber okay. Was muss, das muss.“

 Drimalla mag ihre freiwillige Arbeit. Wenn sie mit dem Fahrrad von der Wildpark-Wohnung in Großenaspe zum Park fährt und die Sonne aufgeht, findet sie es besonders schön. Aber beruflich will sie sich anders orientieren, sie will in den Maschinenbau. Stockinger sieht ihr FÖJ dagegen als Vorbereitung auf die angestrebte Ausbildung zur Tierpflegerin.

 Beide wohnen zusammen mit Almuth Langfeld, Auszubildende im ersten Jahr, in einer Wildpark-Wohngemeinschaft in Großenaspe und zum ersten Mal getrennt von den Eltern. An den Wochenenden organisieren sie WG-intern oder mit Arbeitskollegen Videoabende oder gehen ins Kino, Drimalla spielt mit einer Kollegin Fußball in Struvenhütten. Aber viel Programm muss es gar nicht sein: „Ich bin froh, wenn ich mal ausschlafen kann“, sagt die junge Frau.

 Was sie vermissen? „Dass das Essen fertig ist, wenn ich nach Hause komme“, fällt Charlotte Drimalla ein. „Dass die Wäsche gewaschen wird“, ergänzt Victoria Stockinger. Aber für beide ist es ein unumkehrbarer Schritt. Stockinger richtet sich darauf ein, für eine Ausbildungsstelle als Tierpflegerin irgendwo in Deutschland zu leben. Und Drimalla, die noch weinte, als ihr nach der Zusage aus Eekholt klar wurde, dass sie von ihrer Familie weggehen würde, hat inzwischen beschlossen, auf keinen Fall in Hannover zu studieren: „Ich habe den Schritt gemacht, jetzt wäre es schwierig, wieder zuhause einzuziehen.“

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