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Brisantes Thema, gemischte Gefühle

Fahrenkrug Brisantes Thema, gemischte Gefühle

Fahrenkrug wird 2016 bis zu 125 Asylbewerber bekommen. Das sorgt nicht nur für freudige Erwartung, sondern auch für gemischte Gefühle. Denn die zukünftigen Mitbürger sollen in gleich drei neuen Unterkünften untergebracht werden.

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Wo sich im Kirchwegskamp einst ein Fahrradgeschäft befand, sollen mindestens 30 Flüchtlinge untergebracht werden. Das Holzhaus wird vorher aber noch dafür umgebaut.

Quelle: Andreas Wicht

Fahrenkrug. Flüchtlinge aufnehmen werden das ehemalige Altenheim am Schackendorfer Weg, das Holzhaus am Kirchwegskamp, in dem früher ein Fahrradgeschäft beheimatet war, und das Hotel-Restaurant Busch & Busch, ebenfalls am Kirchwegskamp, das Ende Februar endgültig schließen wird.

 Wer sich dieser Tage ein Bild von der Stimmungslage in Fahrenkrug machen will, stößt bei vielen Einwohnern auf eine ungewohnte Zurückhaltung – zumindest wenn es um das Thema Flüchtlinge und die Frage geht, ob das Dorf und die Integrationskraft seiner Bevölkerung am Ende womöglich doch überfordert werden könnten. Vor allem diejenigen, die die aktuelle Entwicklung eher skeptisch beurteilen, möchten sich öffentlich auf gar keinen Fall mit Namen zitieren lassen. Die Sorge ist immer dieselbe: Die Betreffenden befürchten, „dann sofort in die rechte Ecke gestellt zu werden“.

 Auch Bürgermeister Rolf-Peter Mohr von der Wählergemeinschaft Fahrenkrug (WGF) wägt seine Worte auf Nachfrage der Segeberger Zeitung sehr genau ab: „Die gebündelte Unterbringung im Bereich Kirchwegskamp ist nicht ganz glücklich. Besser wäre es gewesen, die Menschen in einzelne Wohnungen zu verteilen.“ Dass es nun anders kommt, „können wir jedoch leider nicht ändern und müssen das Beste daraus machen“. Das Thema sei „auch bei uns brisant und wird heiß diskutiert“, räumte der Bürgermeister ein.

 Die dem Amt Trave-Land zugewiesenen Asylbewerber (2016 sollen es knapp 340 sein) sollen eigentlich entsprechend der Einwohnerzahl auf die 27 amtsangehörigen Gemeinden aufgeteilt werden. So hatte es ein Vertreter der Amtsverwaltung vor einiger Zeit bei einer Einwohnerversammlung erklärt. Durch stetig steigende Zahlen werde der Druck jedoch immer größer, die erforderliche Anzahl freier Unterkünfte zu finden. Weil man in Fahrenkrug gleich mehrfach fündig geworden ist, muss das Dorf nun einen besonders großen Anteil schultern.

 Während das ehemalige Fahrradgeschäft KAP demnächst umgebaut und wohl erst in der zweiten Jahreshälfte von 30 bis 40 Menschen bezogen werden soll, werden die ersten 20 bis 30 Neuankömmlinge nach einer Übereinkunft zwischen der Gemeinde und dem Vermieter Hans-Dieter Merker im ehemaligen Altersheim unterkommen. Einige Flüchtlinge haben bereits eine Bleibe im Obdachlosenheim nahe der Sporthalle gefunden.

 Gestern haben sich nun auch die Inhaber von Busch & Busch mit dem Amt Trave-Land über die Modalitäten einer Nutzung als Flüchtlingsheim geeinigt. Nachdem Gespräche über einen möglichen Kauf der gesamten Immobilie nach Angaben des Ehepaars Busch ergebnislos geblieben waren, ist nun ein Pachtvertrag geschlossen worden. Das Amt mietet den Komplex mit Restaurant, Hotel und Privatwohnung zunächst einmal auf fünf Jahre.

 Bürgermeister Mohr blickt trotz dieser Entwicklung mit ihren noch schwer abschätzbaren Konsequenzen nicht ohne Zuversicht in die Zukunft: „Das örtliche Team zur Unterstützung und Hilfe für die Flüchtlinge ist hoch motiviert und wächst weiter.“ Er persönlich, das stellte Mohr klar, „möchte niemandem, der Hilfe benötigt, diese versagen“.

 Dem Fahrenkruger Flüchtlingskreis um Gemeindevertreterin Karin Peters (WGF) gehören inzwischen an die 20 Helferinnen und Helfer an. Und deren Angebote würden schon jetzt gut angenommen, sagt Mohr. So würden sich etwa Mädchen und Jungen mit Migrationshintergrund beim Kinderturnen des TuS Fahrenkrug beteiligen. Im Unterstützerkreis seien aber durchaus noch weitere Ehrenamtler willkommen.

 Über ausreichend Freiwillige verfügt aktuell eine Institution, auf die in den kommenden Wochen und Monaten ebenfalls neue, bisweilen noch größere Herausforderungen zukommen dürften als bisher: die Freiwillige Feuerwehr in Fahrenkrug. „Wir sind mit 45 Aktiven personell sehr gut aufgestellt“, sagte Wehrführer Stefan Schröder gestern der SZ. Auch mit der Ausrüstung seien er und seine Kameraden zufrieden. Sorgen indes bereitet Schröder, und damit ist er unter den Wehrführern der Region nicht allein, die schleppende Informationspolitik von Landesregierung und zuständigen Behörden: „Uns hat bisher niemand gesagt, was hier zu welchem Zeitpunkt wirklich passieren soll.“ Er wisse bisher auch nur das, was der Presse zu entnehmen war. „Und daraus kann ich schwerlich ein Konzept für die Zukunft erstellen.“ Dazu benötige er nun einmal belastbare Fakten. Die Fahrenkruger Wehr werde aber selbstverständlich „zu jeder Tages- oder Nachtzeit zu jedem Menschen in Not“ eilen, betonte Schröder.

 Noch vollkommen unklar sei darüber hinaus, so Schröder, wie die Fahrenkruger Wehr in einen Alarmplan für die neue Erstaufnahmeeinrichtung des Landes mit bis zu 2000 Menschen im Bad Segeberger Levo-Park, der ehemaligen Lettow-Vorbeck-Kaserne, eingebunden sein wird. Das Containerdorf liegt schräg gegenüber dem Kirchwegskamp auf der anderen Seite der Kreisstraße. „Ein kleiner Teil des Geländes gehört zur Gemarkung Fahrenkrug“, erklärte Wehrführer Schröder. Auch wenn die Zusammenarbeit der benachbarten Wehren inzwischen sehr gut funktioniere, so müsse doch auch hier die Planung rechtzeitig beginnen.

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