25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Keine schöne, aber gute Lösung

Fahrenkrug Keine schöne, aber gute Lösung

Das Hote-Restaurant Busch & Busch wird ab 1. März zur Flüchtlingsunterkunft. Dem Betreiberehepaar Tanja Bunk-Busch und Torsten Busch ist diese Entscheidung nicht leicht gefallen. Sie sahen angesichts der Entwicklung im Ort aber keine andere Alternative.

Voriger Artikel
Krimi um Möbelhaus-Chef
Nächster Artikel
Interesse an Einbruchsschutz

Die Zimmer im Busch & Busch werden noch mit Küchen ausgestattet und können dann schnell von Flüchtlingen bezogen werden. Auch im Hotelbetrieb waren hier Familien untergebracht.

Quelle: Patricia König

Fahrenkrug. „Hier stecken 20 Jahre Liebe und noch mehr Arbeit drin“, sagt Tanja Bunk-Busch mit wehmütigem Blick auf das Gebäude am Kirchwegskamp. Dort hat sie zusammen mit ihren Eltern, ihrem Mann und anfangs noch mit dessen Bruder und seiner Frau den Gaststätten- und Hotelbetrieb aufgebaut und geführt. Es waren gute und manchmal auch weniger gute Zeiten. In dieser Woche traf sich das Ehepaar Busch mit Rainer Andrasch und Jan-Henrik Fechner beim Amt Trave-Land, um über die Zukunft zu reden. „Wir sind uns zwar nicht über einen Kaufpreis einig geworden“, erklärt Torsten Busch. „Aber wir werden unseren Betrieb für fünf Jahre an das Amt verpachten.“ Ab dem 1. März werde erst umgebaut, und dann sollen dort 40 bis 60 Flüchtlinge einziehen. Dafür zahle das Amt eine Pacht, erklärt Busch, nicht etwa, wie viele glaubten, eine Pro-Kopf-Pauschale.

 „Gastronomie ist heutzutage schwer“, sagt Torsten Busch. Es seien vor allem die Personalkosten, die einen großen Batzen der Einnahmen verschlängen. Doch es sei zuletzt gut bei Busch & Busch gelaufen. „Wir hatten viele Stammgäste, die in der Karl-May-Saison zu uns kamen oder um hier Urlaub zu machen.“ Dazu kamen Tagesgäste und viele Familienfeiern, die die weitläufigen Räume innen und außen nutzten. Auf rund 1250 Quadratmetern waren in Fahrenkrug bislang eine Gaststätte, Festräume, ein Restaurant und ein Hoteltrakt mit 20 Zimmern untergebracht.

 „Erst im Dezember 2015 haben wir die Zimmer noch teilrenoviert und auf ein Preisniveau angeglichen“, berichtet der 48-Jährige. Da sei die Debatte über die Unterbringung von erst 800 und dann 2000 Flüchtlingen im nahegelegenen Bad Segeberger Levo-Park zwar schon ein Thema gewesen, aber richtig geglaubt hätten sie es erst, als die Container tatsächlich aufgestellt wurden. Dann habe es immer öfter Diskussionen darüber gegeben, wie man das gastronomisch abfangen könne. Der Ein- und Ausgang der Erstaufnahme liegt praktisch gegenüber. Und die Erfahrung aus anderen Standorten habe gezeigt, sagt der Gastronom, dass gerade dort ein ständiges Kommen und Gehen herrscht.

 Dann kam es Knall auf Fall. Erst hörten Tanja und Torsten Busch, dass im ehemaligen Altenheim Flüchtlinge einziehen werden. Dann kam die Nachricht, dass auch der Besitzer des ehemaligen Fahrradgeschäfts die Räume ans Amt Trave-Land verpachtet hatte. Torsten Buschs Schwester Alexandra Petrusch betreibt nebenan eine kleine Pension mit fünf Apartments. „Sie bekam Ende des Jahres die ersten Absagen von Stammkunden“, erzählt Torsten Busch. Die Gäste hätten im Internet gelesen, dass dort in unmittelbarer Nähe bald viele Flüchtlinge wohnen werden.

 Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht, erinnert sich Tanja Bunk-Busch. Dem Hotelier-Paar wurde klar, dass es mit massiven Einbußen rechnen muss. „Wer feiert hier seinen Geburtstag oder die Hochzeit oder setzt sich auf die Terrasse zum Entspannen, wenn gegenüber und um sie herum überall Menschen wohnen und natürlich auch herumlaufen, die gerade aus dem Krieg geflohen sind?“, fragt Torsten Busch. Ganz zu schweigen von den Problemen, die auftreten könnten. Ihnen sei klar geworden, dass sie es nicht schaffen, die Gastronomie so aufrecht zu erhalten, dass das Personal bezahlt werden kann und auch für die Familie genügend übrig bleibt. So fassten sie den Entschluss, ihren Betrieb auch zur Unterbringung von Flüchtlingen anzubieten. „Das ist zwar nicht die schönste, aber die beste Lösung“, glauben beide.

 Laut Vertrag sollen in dem Gebäude vor allem Asylbewerber mit guten Chancen auf ein Bleiberecht unterkommen. Und auch Anbauten oder Container soll es nicht geben, das sei ihnen wichtig gewesen. Die Verpachtung ab dem 1. März bedeutet natürlich, das sie dem Großteil des Personals von je nach Saison 11 bis 16 Vollzeitmitarbeitern gekündigt haben. Die beiden Auszubildenden können ihre Ausbildung zum Koch und zur Fachkraft im Gaststättengewerbe im Bad Segeberger Betrieb Busch Junior beenden. „Wir sind alle sehr traurig über diese Entwicklung“, sagte eine Mitarbeiterin von Busch & Busch, die ihren Namen nicht nennen möchte. Einerseits habe es Spaß gemacht, dort zu arbeiten. Zum anderen sei es nicht so einfach, wieder eine neue Anstellung in der Gastronomie zu finden.

 Tanja und Torsten Busch selbst müssen nun auch ihre Wohnung verlassen. Sie ziehen mit Sohn Lorenzo in die Wohnung über ihrem Restaurant und Bistro an der Oldesloer Straße im benachbarten Bad Segeberg. „Dort werden wir nun mehr Zeit für uns haben“, meint Tanja Bunk-Busch. Und man könne sich nun voll und ganz der dortigen Gastronomie widmen. Wie es in fünf Jahren weitergehen soll, das lassen die Buschs offen. „Vielleicht bauen wir dann wieder einen Betrieb in Fahrenkrug auf.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3