22 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Es geht um Untreue und Betrug

Fall George Es geht um Untreue und Betrug

Im Fall des ehemaligen Möbel-Kraft-Chefs Dr. Gunnar George unternahmen Kieler Staatsanwälte und Wirtschaftskriminalisten am Freitag 19 großangelegte Hausdurchsuchungen in Berlin, Hamburg und im Kreis Segeberg und beschlagnahmten Beweismaterial.

Voriger Artikel
Traditionsgasthof vor dem Verkauf
Nächster Artikel
An allen Ständen reger Betrieb

Gegen Ex-Möbel-Kraft-Chef Dr. Gunnar George wird wegen Untreue und Betrugs ermittelt. Gestern fanden 19 Hausdurchsuchungen in Hamburg, Berlin und im Kreis Segeberg statt.

Quelle: Frank Peter

Bad Segeberg / Kiel. Laut Oberstaatsanwalt Axel Bieler werden George, der vor gut einem Jahr fristlos als Vorstandsvorsitzender des Möbelkonzerns entlassen worden war, Untreue und Betrug zur Last gelegt. Sein ehemaliger Arbeitgeber Kurt Krieger hat den Berliner angezeigt und der Staatsanwaltschaft umfangreiches Beweismaterial zur Auswertung überlassen.

 Erstmals nannte Bieler im Gespräch mit der Segeberger Zeitung gestern Details zu den Vorwürfen, die gegen George erhoben werden. „Es gibt fünf Komplexe, die wir untersuchen.“ Dazu zähle der Verkauf von Georges Dienstwagen, an dem sich der Manager bereichert haben soll. Es handelte sich um einen 5er-BMW. Ebenso soll Gunnar George finanzielle Vorteile aus dem großangelegten Weihnachtsbaumverkauf auf dem Kraft-Gelände gezogen haben, aus Fahrzeuggeschäften, der Spesenabrechnung und den Planungen für einen bis heute nicht realisierten kleinen Vergnügungspark mit Riesenrad auf dem Parkplatz des Möbelhauses. Bieler: „Der Tatzeitraum reicht von 2012 bis 2015.“

 Außer gegen George werde gegen sieben weitere ehemalige Kraft-Mitarbeiter und Angestellte von Geschäftspartnern ermittelt, erklärt der Oberstaatsanwalt. Bei einigen handele es sich „nur“ um Betrug, bei anderen auch um Untreue. Bieler: „Es geht immer um die Abrechnung.“

 Um die bisher gewonnenen Erkenntnisse mit weiterem Beweismaterial zu untermauern, fand die gestrige Razzia statt. „Wir haben 19 Durchsuchungsbeschlüsse beantragt und auch erhalten“, schildert Bieler. Zu den sichergestellten Materialien zählen EDV-Geräte, Unterlagen in Papierform, Notizbücher und Geschäftsunterlagen aller Art bis hin zum E-Mail-Verkehr. „Alles, was man im Büro so braucht“, sagt der Oberstaatsanwalt. „Jetzt wird das große Auswerten beginnen. Das wird etwas länger dauern.“ Er ist aber optimistisch, dass innerhalb dieses Jahres entschieden werden kann, ob Anklage erhoben wird – und gegen wen. Bieler betonte, dass sich die Vorwürfe ausschließlich gegen frühere Kraft-Angestellte richten und von der heutigen Belegschaft niemand betroffen ist.

 George ist mittlerweile in Österreich als Geschäftsführer des Möbelkonzerns Kika-Leiner tätig. Bei dem Mann, der dort jetzt für den technischen Einkauf zuständig ist, handelt es um denjenigen, der bei Möbel Kraft die gleiche Position innehatte und zusammen mit George gefeuert worden ist.

 Offen ist laut Oberstaatsanwalt Bieler noch immer, ob am Ende der Ermittlungen auch tatsächlich Anklage erhoben wird. Eine Einstellung des Verfahrens ist zumindest theoretisch noch immer möglich – wenn auch nach 13-monatigen Ermittlungen und der gestrigen Aktion nicht sonderlich wahrscheinlich. Persönlich befragt wurde der ehemalige Möbel-Kraft-Chef nach Informationen der Segeberger Zeitung noch nicht.

 Gunnar George hatte das damals in Bedrängnis geratene Möbelhaus in Bad Segeberg seit Januar 2004 geleitet und galt firmenintern als Ziehsohn von Inhaber Krieger. Der Unternehmer reagierte verärgert und verbittert, als er die Vorgänge kommentierte, die zu Georges Entlassung geführt hatten.

 Möbel Kraft wird mittlerweile von Vorstandsmitglied Günter Loose geführt. Der Bad Segeberger hatte ohnehin schon viele von Georges Aufgaben im Tagesgeschäft übernommen. Der dreiköpfige Vorstand, zu dem auch Reinhard Kraft aus der namensgebenden Unternehmerfamilie gehört, wurde durch Expansionsexpertin Edda Metz komplettiert. Sie kümmert sich vor allem um die geplante Neuansiedlung in Kiel.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3