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Verbitterung nach Unfalltod

Groß Niendorf Verbitterung nach Unfalltod

Ein Kind zu verlieren, ist für Eltern die denkbar schrecklichste Vorstellung. Die Angehörigen bleiben fassungslos zurück. Wenn sich wie im Fall der Familie Rajek aus Groß Niendorf die Staatsanwaltschaft einschaltet, kann es noch schmerzlicher werden.

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Auf der Kreisstraße von Sülfeld in Richtung Groß Niendorf, auf einer Anhöhe im Bereich Neverstaven, wurde Michelle von einem Auto erfasst und getötet.

Quelle: Patricia König

Groß Niendorf. Nicole und Olaf Rajek aus Groß Niendorf verloren vor knapp drei Monaten ihre Tochter Michelle durch einen Unfall, die beiden anderen Töchter ihre Schwester. Das 16-jährige Mädchen war am 24. März wie so oft mit seinen Inlinern auf der Kreisstraße von Sülfeld in Richtung Groß Niendorf gefahren. Auf einer Anhöhe im Bereich Neverstaven wurde sie von einem Auto erfasst und getötet.

 „Mehr wussten wir lange Zeit nicht“, sagt Vater Olaf Rajek. Denn die Staatsanwaltschaft hatte ohne Wissen der Eltern ein Ermittlungsverfahren eröffnet. Sie gab - so erzählen die Mutter und der Vater - keine Auskünfte an die Familie. So wusste die Familie wochenlang nicht genau, wie und woran Michelle gestorben war. „Das war sehr schwer für uns“, sagen Olaf und Nicole Rajek. Wie sollten sie damit umgehen, wie trauern, wenn so viele Fragen offen sind?

 Das Unglück ereignete sich um 18.15 Uhr. Noch am gleichen Abend kam das Kriseninterventionsteam des Arbeiter-Samariter-Bundes Bad Segeberg und betreute die Familie. „Das war sehr gut, und dafür sind wir auch dankbar“, erklärt Olaf Rajek. „Danach meldete sich außer der Seelsorger der Polizei niemand mehr bei uns.“

 Die Familie versuchte, Näheres herauszufinden, und wandte sich an die Polizei. Da sich der Unfallort an der Grenze der Kreise Segeberg und Stormarn befand, war zunächst unklar, welche Polizeidienststelle zuständig war: Bad Oldesloe oder Bad Segeberg? Zwischenzeitlich war die „Akte Michelle“ sogar in der Wache Itzstedt gelandet.

 Immer noch wussten die Eltern nicht genau, was mit ihrem Kind passiert war. Gerüchte darüber, dass Michelle dunkel angezogen war und beim Inlinerfahren gestrauchelt sei, erfuhren die Rajeks aus einer Zeitung. „Wer hatte das behauptet?“, fragt sich der Vater. Es habe nicht gestimmt. „Unsere Tochter trug helle Kleidung und eine Jacke mit Reflektoren.“

 Selbst der mittlerweile eingeschaltete Anwalt konnte zunächst nicht viel ausrichten. Er erfuhr aber, dass die Polizeidirektion Bad Segeberg zuständig war und der Fall nun bei der Staatsanwaltschaft in Kiel lag. Sie verweigerte mit Hinweis auf das laufende Ermittlungsverfahren jedoch jegliche Auskünfte.

 Dann mussten die Eltern den nächsten Schock verdauen. Als die Familie den Bestatter aufsuchte und sich von Tochter und Schwester verabschieden wollte, hörten sie von ihm, dass das nicht möglich sei. Der Leichnam werde in einer Stunde zur Obduktion abgeholt. „Davon wussten wir ebenfalls nichts“, sagt Olaf Rajek.

 Der Anwalt beantragte Akteneinsicht für die Rajeks bei der Staatsanwaltschaft. Vergeblich. „Obwohl wir ein Anrecht darauf hatten, wie unser Rechtsbeistand versicherte“, berichtet Olaf Rajek. Nach monatelangem Bemühen hatten sie erst Mitte Mai Erfolg. Beim Lesen der Akte erfuhren sie, dass ihre Tochter an einem Genickbruch gestorben war, und dass der Fahrer ein junger Sanitäter ist. Und sie entdecken, dass der Unfallfahrer schon einen Monat vor ihnen Einsicht in die Akte hatte. „Das war ein erneuter Schlag ins Gesicht und ist uns bis heute völlig unverständlich“, sagt Olaf Rajek, bis heute fassungslos darüber.

 Aus Zorn und Empörung über ihre Erlebnisse schrieben Nicole und Olaf Rajek einen Brief, den sie an Medien, Staatsanwaltschaft, Polizei, Innenministerium, Bundeskanzleramt, Parteien, ASB und viele andere Organisationen schickten. Nur das Bundeskanzleramt antwortete, drückte sein Bedauern aus und verwies auf das Innenministerium als zuständige Behörde.

 „Eine kompetente Notfallversorgung über einen gewissen Zeitraum hätte uns nach dem schrecklichen Geschehen sehr geholfen“, ist sich Nicole Rajek sicher. Außerdem habe das Gerangel mit den Behörden bei aller Trauer zusätzlich Kraft und Nerven gekostet.

 Nun hat sich Besuch angekündigt. Zwei Mitarbeiter des Innenministeriums werden nach Groß Niendorf kommen. „Wir sind gespannt, was die Herren uns erzählen werden“, sagen Nicole und Olaf Rajek. „Uns hilft es jetzt nicht mehr. Aber vielleicht haben wir etwas für alle anderen Angehörigen von künftigen Unfallopfern bewirkt.“

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