18 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Ein Fest für den Anbau

Türkisch-islamischer Kulturverein Kaltenkirchen Ein Fest für den Anbau

Eine Kirmes kennt jeder, eine Kermes hingegen nicht. Um daran etwas zu ändern, hatte der türkisch-islamische Kulturverein Kaltenkirchen im Vorfeld seiner Feier viel Werbung gemacht und die breite Öffentlichkeit zum Kommen eingeladen. Mit großem Erfolg.

Voriger Artikel
Ein Sandstrand für Bramstedt
Nächster Artikel
380kV-Leitung elektrisiert die Politik

Neben Leckereien wurden auch Stoffe auf dem Fest des türkisch-islamischen Kulturvereins in Kaltenkirchen gezeigt.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Das dreitägige Fest auf dem Moschee-Gelände am Funkenberg wurde von weit über 1000 Gästen besucht. Die Deutsch-Türken blieben zwar klar in der Mehrheit, aber wie vom Verein erhofft, kamen auch viele Deutsche ohne Migrationshintergrund, um sich das Kulturzentrum mit seiner Moschee anzusehen.

 Eine türkische Kermes ist ein Wohltätigkeitsfest, in der Regel zum Erhalt eines Vereins. Die islamische Gemeinde in Kaltenkirchen lädt alljährlich dazu ein. Dieses Mal – bei der fünften Auflage – dauerte das Fest drei Tage. Der Zweck ist noch immer derselbe wie im ersten Jahr: Die Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins möchten ihre Moschee durch einen Anbau erweitern. Der Erlös aus den Festen soll zur Finanzierung beitragen. Zu den Freitagsgebeten kommen mittlerweile an die 200 Gläubige in den Funkenberg, doch derart viele Personen finden in dem ehemaligen Einfamilienhaus keinen Platz. Einige müssen daher bereits vor dem Gebäude unter einem Zeltdach beten. Im Sommer ist es in der Regel problemlos möglich, dort Teppiche auszurollen. Im Winter geht das jedoch nicht. Ein Anbau wird dringend benötigt. „Jetzt müssen wir also Geld sparen“, sagte Gemeindevorsteher Sami Tas.

 Die Gemeinde zählt rund 270 Mitglieder, darunter 65 Kinder. An der Vorbereitung der Kermes hatten sich ganze Familien beteiligt. Die Frauen waren für die Zubereitung der Süßspeisen zuständig gewesen. Während des Festes bereiteten sie zudem im Akkord Teigwaren wie beispielsweise türkische Pizza zu. Die Männer wechselten sich derweil am Grill ab. Die kulinarischen Leckerbissen waren es dann auch, die die meisten Gäste anlockten. „Wir haben in der Zeitung von dem Fest gelesen und sind extra deshalb aus Ellerau hergefahren“, sagte Gesine Lange, die mit Mann und Tochter gekommen war. Die türkische Küche lohnte die Anfahrt. Alle drei wurden am Büffet fündig. „Einige Sachen kennen wir schon und wissen, dass sie gut sind. Andere sahen einfach lecker aus. Die probieren wir jetzt zum ersten Mal“, sagte Gesine Lange.

 Gefeiert wurde in Zelten vor der Moschee. Wer wollte, durfte sich aber auch durch das Gebetshaus führen lassen. Es ist täglich geöffnet. Unter der Woche kommen pro Tag rund 30 Gläubige. Bei den Freitagsgebeten, die den Muslimen am wichtigsten sind, sind es um ein Vielfaches mehr. „Kaltenkirchen wächst, und daher wird auch unsere Gemeinde größer“, berichtete Sami Tas.

 Der Mitgliederzuwachs hängt zurzeit auch maßgeblich mit dem Zuzug neuer Flüchtlinge zusammen, denn diese kommen zu einem Großteil aus muslimischen Ländern. „Die Integration funktioniert gut, denn wir beten auf Arabisch“, erklärte Sami Tas. Die Auslegung erfolge dann allerdings auf Türkisch oder – wenn es gewünscht werde – auf Deutsch. Da werde die Verständigung mit Flüchtlingen aus arabischen Staaten schon schwieriger. „Sprachprobleme gibt es auch bei Unterhaltungen, aber im Notfall kann unser Imam übersetzen.“ Für viele Asylbewerber sei er eine der ersten und wichtigsten Anlaufstellen nach der Ankunft in Kaltenkirchen. Auch die Gemeinde helfe viel dabei, den Flüchtlingen die Eingewöhnung im neuen Land zu erleichtern.

 Bei der Kermes wurden alle Speisen sowie Kleidung und Deko-Artikel zu kleinen Preisen verkauft. Daher wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis die Gemeinde ihren Anbau bezahlen kann. Für die Organisatoren des Festes waren die Finanzen trotz allem aber nicht das entscheidende Kriterium. Sie wollten vielmehr Gastfreundschaft zeigen und auch nicht-muslimischen Mitbürgern die Möglichkeit geben, einen Eindruck vom türkisch-islamischen Kulturverein zu gewinnen. „Wir freuen uns daher ganz besonders, dass dieses Mal viel mehr Deutsche mitgefeiert haben als in den vergangenen Jahren“, sagte Talip Icöz, der Imam der Gemeinde. Und Sami Tas ergänzte: „Viele Nicht-Muslime bringen den Islam leider in erster Linie mit Terror in Verbindung. Daher möchten wir nun zeigen, dass wir Gewalt ablehnen und auch für Gäste offen sind. Die Botschaft der Kermes ist, dass wir unser Essen mit allen teilen, egal mit wem.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
THW-Liveticker!

Alle THW-Spiele live
online verfolgen. Mit
dem THW-Liveticker

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige