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Übergriff im Hallenbad

Festnahme in Bad Segeberg Übergriff im Hallenbad

Ein sexueller Übergriff im städtischen Hallenbad sorgt in Bad Segeberg für Unruhe – vor allem unter Eltern. Und er wirft nicht nur bei den zuständigen Behörden die Frage auf, ob vor allem junge, männliche Flüchtlinge und Asylbewerber Probleme damit haben, mit dem freizügigeren Lebensstil westlicher Länder umzugehen.

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Eine elfjährige Schülerin ist am Wochenende im tiefen Schwimmerbecken des Bad Segeberger Hallenbades von einem jungen Mann und einem Jugendlichen sexuell belästigt worden. Der ältere der beiden Täter konnte von der Polizei vorübergehend festgenommen werden, nach dem jüngeren wird noch gesucht.

Quelle: Archiv

Bad Segeberg. Die Tat, um die es geht, hat sich nach Angaben von Polizeihauptkommissarin Silke Westphal am Sonnabendnachmittag gegen 15.15 Uhr im sogenannten tiefen Becken ereignet.

 „Eine elfjährige Schülerin, die dort gerade schwamm, wurde von zwei Unbekannten unsittlich angefasst“, schilderte die Sprecherin der Direktion Segeberg gestern. Dem Mädchen sei kurz nacheinander von einem jungen Mann und einem Jugendlichen an den Po gefasst worden.

 Das Mädchen wandte sich daraufhin sofort an die Bademeisterin, die entschlossen reagierte. „Gemeinsam konnten sie den jungen Mann unter den Badegästen ausfindig machen und der ebenfalls bereits verständigten Polizei übergeben.“ Bei der Feststellung der Personalien stellte sich dann heraus, dass es sich bei dem Grabscher um einen 22-jährigen Afghanen handelt, der zurzeit in einer Unterkunft in Bad Segeberg wohnt. „Er musste die Schwimmhalle sofort verlassen und wird sich jetzt in einem Strafverfahren für seine Tat zu verantworten haben.“

 Nach einer ersten Befragung auf der Polizeiwache durfte der junge Mann wieder gehen. Die Kieler Staatsanwaltschaft verzichtete darauf, beim zuständigen Gericht den wohl ohnehin aussichtslosen Antrag auf Erlass eines Untersuchungshaftbefehls zu stellen. Rein strafrechtlich geht es bei dem Übergriff auf die Elfjährige laut Sprecherin Westphal nämlich lediglich um den Tatbestand der „Beleidigung“. Weil sie sich allerdings „auf sexueller Basis“ ereignet hat, ermittelt nun nicht die uniformierte Schutz-, sondern die Kriminalpolizei. Um eine sexuelle Nötigung würde es sich demnach erst handeln, wenn ein Täter mit der Hand unter die Bekleidung geht – also unter den Badeanzug oder den Bikini.

 Die Kripo Bad Segeberg sucht nun nach dem zweiten Täter und bittet unter der Rufnummer 04551/8840 um Hinweise möglicher Zeugen, vor allem unter den Badegästen. Nach Angaben der Schülerin ist er schlank, etwa 15 bis 18 Jahre alt und 1,60 bis 1,70 Meter groß. Der Jugendliche hat dunkle, kurze Haare und einen leichten Oberlippenbart. „Er hat ein südeuropäisches Erscheinungsbild und trug eine dunkle Badehose“, berichtete Silke Westphal.

 Bürgermeister Dieter Schönfeld stellte auf Nachfrage der Segeberger Zeitung gestern klar, dass es bei der Stadt Bad Segeberg keinerlei Nachgiebigkeit mit Tätern gibt, die sexuelle Übergriffe im städtischen Hallenbad begehen. „Wer sich unsittlich verhält, bekommt Hausverbot“, betonte der Verwaltungschef. „Ob man jetzt für Migranten und Flüchtlinge gesonderte Regelungen trifft, muss man mit dem Kollegium im Bad besprechen.“ Ein generelles Verbot für die Personengruppe könne er sich nicht vorstellen, „denn das wäre diskriminierend“. Die Stadt Bornheim bei Bonn hat ein solches Verbot für Männer mit Migrationshintergrund, das nach mehreren sexuellen Übergriffen erlassen worden war, auch nach öffentlichem Druck wieder aufgehoben. Unter anderem die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen hatte das Vorgehen als „juristisch nicht haltbar“ kritisiert.

 Bad Segebergs Bürgermeister erwägt allerdings, für Flüchtlinge im Zweifel spezielle Badezeiten einzuführen. „Da können dann die Frauen und Mädchen selber entscheiden, ob sie zu diesen Zeiten auch hingehen wollen.“ Solch eine Veränderung solle es aber nur dann geben, „wenn es absolut notwendig ist“. Sprich: wenn sich derartige Vorfälle im Bad Segeberger Hallenbad, das nach Auflösung der früheren Mittelzentrumsholding (MZH) mit Wahlstedt wieder allein von der Stadt geführt wird, wiederholen sollten. Schönfeld: „Ich will aber vorher mit unserer Badleitung sprechen.“

 Auch in Wahlstedt, wo es laut Stadtwerke-Geschäftsführer Luzian Roth noch keine besonderen Vorkommnisse dieser Art gegeben hat, sind die Vorfälle in anderen deutschen Schwimmbädern „natürlich ebenfalls ein Thema“. Es werde daher in Kürze ein Abstimmungsgespräch mit Bürgermeister Matthias Bonse geben, sagte Roth gestern der SZ. Gemeinsam mit der Verwaltung und der Politik solle ein Maßnahmenkatalog erstellt werden. „Sollte es dann Probleme geben, können wir im Hallenbad abgestimmt reagieren.“

 Auswirkungen wird der Vorfall in Bad Segeberg jedoch mit Sicherheit auf das Verhalten vieler Badegäste haben. Die Mutter einer Zwölfjährigen aus einem Dorf im Umland der Kreisstadt, die auch das Bad an der Theodor-Storm-Straße mit ihren Freundinnen gern besucht, kündigte an, das Mädchen erst einmal nicht mehr allein und unbeaufsichtigt dort Schwimmen gehen zu lassen. Sie werde ihr Kind begleiten und in der Nähe bleiben.

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