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„Das mit der Sprache wird schon noch“

Feuerwehren „Das mit der Sprache wird schon noch“

Wer hätte gedacht, dass gerade einer der traditionsreichsten Bereiche der dörflichen Vereinslandschaft die Integration von Flüchtingen besonders gut und schnell umsetzt? Vor wenigen Tagen hat die Jugendfeuerwehr in Bühnsdorf vier afghanische Flüchtlinge als Anwärter in ihre Reihen aufgenommen. Am Sonnabend wird in Klein Rönnau ein Armenier als Anwärter aufgenommen.

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Die afghanischen Jugendlichen Sajad Husseini (von links), Jewid Hashimy, Milat Maulazad und Mansoor Afzally wurden als Anwärter in die Jugendfeuerwehr Bühnsdorf aufgenommen. Das Probejahr haben Charleen Zemke (links) und Laura Suhr schon hinter sich. Die beiden Mädchen sind bereits richtige Mitglieder der Jugendwehr.

Quelle: Patricia König

Kreis Segeberg. In Bühnsdorf kam die Initiative für die Aufnahme der vier Jugendlichen aus Afghanistan aus den Reihen der Mädchen und Jungen. „Als ihr mit diesem Vorschlag an uns herangetreten seid, da hatte ich erst Bedenken“, räumte der stellvertretende Jugendwart Claus Möckelmann ein. „Doch ihr habt mich eines Besseren belehrt“, ergänzte er auf der Jahreshauptversammlung. So wurden am Dienstagabend nicht nur Lena Suhr (11) aus Neuengörs und Charleen Zemke (13) aus Reinfeld neu in die Jugendfeuerwehr aufgenommen. Ab sofort sind auch Milat Maulazad (16), Mansoor Afzally (16), Sajad Husseini (14) und Jewid Hashimy (15) aus Afghanistan als Anwärter dabei. Sie werden nun ein Jahr lang an den Dienst- und Übungsabenden teilnehmen, die Anwärterausbildung absolvieren, zum Kreiszeltlager mitfahren und nach Möglichkeit im nächsten Jahr dann vollends in die Jugendwehr aufgenommen. Für ihre Vorstellung auf Deutsch während der Versammlung hatten die vier jugendlichen Flüchtlinge mit den anderen Mädchen und Jungen fleißig geübt. „Das mit der Sprache wird schon noch“, sagte auch Jugendwart Alexander Bertram zuversichtlich. Schließlich sind die Vier erst seit Oktober beziehungsweise November des vergangenen Jahres in Deutschland. Sajad ist sogar erst seit Januar hier. Alle vier Jungen haben eine dramatische Flucht hinter sich.

 Zwei von ihnen verloren ihre Eltern, die beiden anderen flohen allein aus ihrer Heimat vor den Taliban. Jetzt wohnen Mansoor und Milat bei der Familie von Tim Hamann in Bühnsdorf. Jewid lebt bei der Neuengörser Pastorin Gabriele Dreßler und Sajad bei einer Familie in Dreggers. Alle gehen zur Schule und waren ganz begeistert, als Tim Hamann beim Jugendwart Alexander Bertram nachfragte, ob die Afghanen mal mit zum Übungsabend kommen können. „Ich habe sofort ja gesagt“, erklärte Bertram.

 Karo Ghzaryour hat den feierlichen Akt der Aufnahme noch vor sich. Der 39-jährige Armenier soll am Sonnabend auf der Jahreshauptversammlung als Anwärter zur Feuerwehr Klein Rönnau stoßen. Karo Ghzaryour lebt seit zehn Monaten mit seiner Frau Kristina und der zweijährigen Tochter Maria im Dorf. „Die ganze Famile hat von Anfang an am dörflichen Leben teilgenommen“, erzählt Wehrführer Volker Urbschat. Beide lernen in den Sprachkursen, die in Klein Rönnau angeboten werden, Deutsch. Bei Festen wie dem Kindervogelschießen waren sie auch schon dabei. Da der gelernte Maler und Stuckateur neben seiner Landessprache auch Russsisch und Ukrainisch spricht, kam er schnell in Kontakt mit Gemeindearbeiter Vladimir Gorbunev. „Die beiden können sich auf Russisch unterhalten“, erzählt Urbschat. Bei Nacharbeiten am Feuerwehrgerätehaus kam man dann in Kontakt. Der Armenier zeigte Interesse an der Feuerwehr und im Oktober nahm er zum ersten Mal an einem Dienstabend teil. „Ich freue mich auf die Feuerwehr“, sagt er noch etwas unsicher.

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