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Kick für einen guten Zweck

Film-Dreh für Youtube Kick für einen guten Zweck

Der Bad Segeberger Amateurfilmer Philipp Schluck dreht derzeit ein Informationsvideo für das Zentrum für interdisziplinäre modulare Trainingsprogramme (ZIMT). Der Film soll Betroffenen Mut machen, den Kampf gegen Adipositas (Fettleibigkeit) aufzunehmen. Mitgespielt haben Segeberger Jugend-Fußballer.

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„Yeah, Toooor!“ Die Fußballmannschaft freut sich über den Erfolg. Philipp Schluck filmt die Jungs für ein Video, mit dem fettleibigen Kindern Mut gemacht werden soll, gegen ihr starkes Übergewicht anzukämpfen.

Quelle: Andrea Hartmann

Bad Segeberg. „Piss – Pott, Piss – Pott, Piss – Pott...“ Die Wörter im Wechsel murmelnd gehen zwei elfjährige Jungs im Fußballdress mit kleinen Schritten aufeinander zu. Wer am Ende seinen Fuß auf den des anderen setzt, hat Glück, denn er darf anfangen, seine Mannschaft für ein Spiel in der Sporthalle der Schule am Burgfeld zusammenzustellen. Das geht zackig, und schon steht der letzte Junge in der Reihe. „Och nö, nicht schon wieder der“, mault Karl. Lasse grinst: „Ist eben so, letztes Mal mussten wir den nehmen!“ Der, das ist ein imaginärer Junge. Adipös, also stark übergewichtig. In dieser Szene allerdings ist er fiktiv, denn Karl, Lasse und neun weitere Jungs spielen für ein Video. Gedreht wird es von dem Bad Segeberger Amateurfilmer Philipp Schluck. Der 23-jährige Student erstellt ein Informationsvideo für das Zentrum für interdisziplinäre modulare Trainingsprogramme (ZIMT) in der Kurhausstraße 84. Das Video soll Betroffenen Mut machen, den Kampf gegen Adipositas (Fettleibigkeit) aufzunehmen.

 Drei Szenen sind geplant für das einige Minuten dauernde Video, das in ein paar Wochen auf der Internetplattform Youtube erscheinen soll. „Immer mehr Kinder und Jugendliche sind stark übergewichtig und haben ernste gesundheitliche, aber auch soziale Probleme“, sagt Initiator Dr. Michael Emken, Allgemeinmediziner aus Bad Segeberg, an dessen Praxis ZIMT angeschlossen ist. Wer adipös ist, habe es in mehrfacher Hinsicht schwer. „Fettleibigkeit sieht man sofort, und sie ist mit Ängsten verbunden. Fast immer wird man dafür gehänselt und gemobbt“, ergänzt ZIMT-Geschäftsführer Jochen Draeger.

 Der Film soll den Kindern und ihren Eltern zeigen, wie sie gegensteuern können. Das Programm dauert ein Jahr. „Es ist keine Diät“, betont Dr. Emken, denn die hätte keine langfristige Wirkung. Es geht in den Kursen, einmal wöchentlich in Bad Segeberg und in Wahlstedt mit je zwölf Kindern und Jugendlichen, um viel mehr: Ernährungstherapeuten zeigen, wie man seine Ernährungsfehler erkennt und umstellt, Sporttrainer bieten Sport, aber mit im Boot sind auch Ärzte und Psychologen. Für die Kurse mit Theorie und Praxis geht ZIMT, landesweit an 15 Standorten, Kooperationen mit Sportvereinen ein – in Bad Segeberg der MTV – und arbeitet auch mit dem Universitätsklinikum in Lübeck zusammen. Der Kontakt entsteht in der Regel über behandelnde Kinderärzte, die Kosten für das Programm tragen meist die Krankenkassen.

 „Dennoch wissen immer noch nicht genug Betroffene, dass es uns gibt“, sagt Dr. Emken. So entstand die Idee, das Video mit Kindern zu drehen. Weil er den Trainer der Fußball-D-IV-Jugend bei Eintracht Segeberg, Lars Westensee, kennt, fragte er ihn, ob er mit seinen Jungs das Projekt unterstützt.

 Westensee und seine Kicker waren begeistert. Ebenso wie Amateurfilmer Schluck, der an einem Sonntagnachmittag mit den Elf- und Zwölfjährigen arbeitete: „Die machen wirklich gut mit“, lobte Schluck, der in gut zwei Stunden Arbeit, mit viel Spaß und verständlichen Anleitungen sein Filmmaterial erstellte. Neben der Sportszene gibt es noch eine beim Einkaufen im Supermarkt und eine mit Freunden, die dem nicht sichtbaren adipösen Kind zu einer Diät aus einem Modeheft raten. Das Kind befindet sich stets hinter der Kamera. Jede Szene hat eine positive Wendung. So rennen neben Karl und Lasse noch Benny, Max, Lennard, Marvin, Bjarne, Karim, Luca, Liam und Jan-Willem durch die Halle und spielen Fußball. Plötzlich fällt ein Tor, alle jubeln – und sind überrascht: Den Treffer erzielte das adipöse Kind. Der Bann ist gebrochen, und alle stellen fest: Es kommt gar nicht darauf an, wie einer aussieht, sondern wie er ist.

 „Der Dreh war cool“, urteilten die Jungs. Das Spiel fiel ihnen auch deshalb leicht, weil sie etwas haben, was Außenseitern oft fehlt: den Zusammenhalt einer Mannschaft. Das beeindruckte auch Dr. Emken, der sich auf das Video freut: „Wir haben lange überlegt, wie man das Thema besser vermitteln und den Kranken helfen kann.“

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