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Sinfonie in 90 Minuten

Film über Segeberg Sinfonie in 90 Minuten

"Die Menschen schauen nicht mehr hoch“, sagt Johannes Hoffmann. „Sie gehen durch die Stadt und blicken nur auf ihr iPhone oder Handy – und das verändert schon eine ganze Gesellschaft.“ Über den Alltag in Bad Segeberg möchte er nun eine Art Dokumentarfilm drehen.

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Johannes Hoffmann plant einen 90-minütigen Film über die Stadt Bad Segeberg: "Sinfonie einer Kleinstadt", der ohne Sprache auskommen und Eindrücke nur durch Bilder und Musik vermitteln soll.

Quelle: Gunnar Müller

Bad Segeberg. „Einen Film, der wie die Handygucker ohne Worte, sondern nur mit Bildern auskommt, die kaleidoskopartig den Alltag der Menschen abbilden. Der Film wird verwoben mit Musik, die Kirchenmusiker Jan Simowitsch zu den Bildern komponiert. Daraus soll sich die „Sinfonie einer Kleinstadt“ zusammensetzen.

„Ich möchte keinen Werbefilm, der zeigt, wie es sein soll und Bad Segeberg gerne wäre, sondern zeigen, wie es wirklich ist“, erläutert der 51-jährige Filmautodidakt. Die Idee sei ihm gekommen, als er Menschen in ihrem scheinbar alltäglichen Trott beobachtete: Was sie tun, was sie staunen lässt, wie sie arbeiten, wo sie feiern und trauern. „Die Bilder fangen den Rhythmus der Stadt auf, wandern durch die Stadtteile und suchen Dinge, die so vertraut sind, dass sie kaum bemerkt werden.“ Wie kommen morgens die Zeitungen in die Briefkästen oder die Brötchen in die Bäckerläden? Was macht der Seniorenbeirat? Wo treffen sich die Jugendlichen?

Berühmtes Vorbild von 1927

Vier Akte solle der Film haben, kündigt Johannes Hoffmann an. Er will das Leben der Stadt ein Jahr lang begleiten und so jeder Jahreszeit Raum für Klang und Bilder lassen. Spätestens an diesem Punkt unterscheidet sich Hoffmanns Idee von seiner berühmten Vorlage: „Berlin – Die Sinfonie der Großstadt“ von Walther Ruttmann aus dem Jahr 1927.

Ruttmann porträtierte einen Tag im Leben der Berliner in den Goldenen Zwanzigern: Ein von einer Dampflokomotive gezogener Schnellzug rauscht durch das damalige Berlin. Schnitt. Ein Schwenk über die Dächer der Stadt, die Straßenzüge. Schnitt. Und immer wieder die Turmuhr, die den Takt des Films und zugleich des Lebens beschreibt. Schneller, immer schneller werden die Bilder und die Aktivitäten der Berliner gezeigt. Doch Ruttmanns filmisches Epos wurde oft auch als gutbürgerliche Nabelschau und Verdrängung der sozialen Härten kritisiert.

Johannes Hoffmann aber interessiert das komplette Bild des Alltags – und nicht nur die großen Events der Kalkbergstadt. Was hat die Stadt davon? „Alleine das Nachdenken darüber, was in den Film reingehört“, sagt der Filmemacher, „schafft ein anderes Bewusstsein.“ Und das schließe eben, anders als Ruttmanns Film, auch soziale Nöte der Bad Segeberger ein, etwa derjenigen, die zur Segeberger Tafel gehen müssen.

Finanzierung ist noch offen

90 Minuten soll das filmische Zeitdokument werden – sofern Hoffmann die rund zwei Jahre, die er in das Projekt stecken wird, finanzieren kann. „Schlimmstenfalls wird es ein zehnminütiger Eindruck“, sagt der 51-Jährige. „Aber es wäre schön, wenn die Finanzierung vorab feststeht – bestenfalls vielleicht mit Kooperationspartnern.“

Jüngst hat Hoffmann – „Ich kann das nicht ehrenamtlich machen“ – sein ambitioniertes Filmprojekt auch im städtischen Sozialausschuss vorgestellt. Dass die hoch verschuldete Kommune keinen finanziellen Beitrag zu dem Streifen leisten würde, war ihm allerdings von vornherein klar gewesen. „Mir geht es um moralische Unterstützung“, sagte Hoffmann bei der Versammlung im Bürgersaal des Rathauses. Eventuell könne ihm die Stadt aber, was den Umgang mit Behörden oder die Ansprache möglicher Sponsoren angehe, an der einen oder anderen Stelle beim „Türenöffnen“ behilflich sein.

Der Ausschuss reagierte sehr wohlwollend auf das Projekt des Filmemachers. Vorsitzender Jens Lichte hatte Hoffmann eingeladen, damit er sein Vorhaben in der Kommunalpolitik publik machen und um Unterstützung werben kann. Einen Beschluss des Gremiums zu dem Thema gab es – wenig überraschend – jedoch nicht.

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