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Tönnies will investieren

Schlachtbetrieb Thomsen in Bad Bramstedt Tönnies will investieren

Das Bad Bramstedter Traditionsunternehmen Rüdiger Thomsen ist größtenteils an den Fleischkonzern Tönnies verkauft worden. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Bündnis 90/Grüne) begrüßte die Investitionspläne des neuen Eigentümers, der bis zu 8 Millionen Euro als Beitrag zum Tierschutz ausgeben will.

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Fleischkonzernchef Clemens Tönnies stellte gestern im Kellinghusener Bürgerhaus seine Pläne vor.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Sowohl der Schlachthof in Kellinghusen als auch der Zerlegebetrieb im Bad Bramstedter Achtern Dieck gehören nun dem Fleischkonzern, nicht jedoch die anderen Unternehmensteile in Bad Bramstedt. Konzernchef Clemens Tönnies war am Mittwoch ins Kellinghusener Bürgerhaus gekommen, um Vertreter der Region, Gewerkschaft und Landwirtschaft seine Pläne vorzustellen. In einem anschließenden kurzen Pressegespräch versicherte er, alle 85 Arbeitsplätze in Kellinghusen und Bad Bramstedt zu erhalten. Die Betriebe in Kellinghusen und Bad Bramstedt sollen in nächster Zeit mit einer Investitionssumme von „fünf bis acht Millionen Euro“ modernisiert werden. Der Löwenteil davon wird voraussichtlich auf den Schlachthof in Kellinghusen entfallen. Hier soll beispielsweise die Betäubungsfalle modernisiert werden. Was in Bad Bramstedt vorgesehen ist, konnte Tönnies noch nicht sagen. „Unser Ziel ist es, 500000 Schweine jährlich zu schlachten“, erklärte der Konzernlenker. Im letzten Jahr waren es 282000. Die Zahl der Rinderschlachtungen soll von 28000 auf 78000 ansteigen.

 Minister Habeck (Grüne) begrüßte die Pläne. „In Schleswig-Holstein gibt es 1,5 Millionen Schweine, man sieht sie nur nie.“ Die Schlachtkapazitäten hinkten deutlich hinterher. Die geplante Ausweitung durch Tönnies sei deshalb auch im Sinne des Tierschutzes. „Weite Transportwege können so vermieden werden“, sagte der Minister. „Wer grillt, muss diese Entscheidung begrüßen.“

 Unklar blieb am Mittwoch die Rolle des bisherigen Eigentümers Rüdiger Thomsen. Der öffentlichkeitsscheue Unternehmer verschwand schnell durch die Hintertür. Mit 73 will er sich offensichtlich langsam aus dem Berufsleben zurückziehen. Die Wurst- und Konservenfabrik Stich & Co. im Bad Bramstedter Schlüskamp wird er aber zunächst behalten, ebenso den Fleischereiladen am Kirchenbleeck. Wie aus dem Unternehmen Tönnies verlautete, will Thomsen auch im Kellinghusener Schlachthof und im Bramstedter Zerlegebetrieb noch weiter an „entscheidender Stelle“ mitwirken.

 Die Aufteilung von Schlachtung und Zerlegung auf zwei Städte erklärt sich aus der Geschichte des 1889 als Landschlachterei in Bad Bramstedt gegründeten Unternehmens. Rüdiger Thomsen, der den Betrieb 1964 von seinem Großvater übernommen hatte, betrieb bis Ende der 1980er Jahre seinen Schlachthof rückwärtig des Bad Bramstedter Kirchenbleecks, wo sich heute noch das Fleischereigeschäft befindet.

 Dort ging es äußerst beengt zu. Die Viehtransportfahrer konnten nur mit großen Mühen rückwärts die Hofeinfahrt hineinfahren. Eine Wendemöglichkeit gab es auf dem Betriebsgelände nicht. In den 1980er Jahren begann die Stadtsanierung, der Betrieb wurde als „störend“ eingestuft. Damals existierte noch das Amtsgericht in direkter Nachbarschaft zum Schlachthof. Quiekende Schweine und Schlachthofgestank gehörten zum Alltag der Juristen, aber auch der Grundschule Maienbeeck. Nach zähen Verhandlungen und Ausgleichszahlungen aus Städtebauförderungsmitteln gelang es schließlich, den Betrieb stillzulegen. Begünstigt wurde die Entwicklung, weil das Unternehmen Ehlers und Kröger in Kellinghusen pleite ging. Rüdiger Thomsen kaufte 1989 dessen Schlachthof in der nur 15 Kilometer entfernt gelegenen Störstadt und verlegte die Schlachtung dort hin.

 Später kaufte Rüdiger Thomsen auch noch die Bad Bramstedter Wurst- und Konservenfabrik Stich & Co. im Schlüskamp. In Wankendorf, in Bützow bei Rostock und Schackensleben in Sachsen-Anhalt betreibt das Unternehmen zudem Kühlhäuser. Auch diese Standorte sind von der Übernahme durch Tönnies nicht betroffen.

 Mit dem Kauf in Bad Bramstedt zieht die Tönnies Lebensmittel GmbH & Co KG vor die Haustür ihres schärfsten Konkurrenten Vion. Das holländische Unternehmen betreibt im Bad Bramstedter Gewerbegebiet den größten Rinderschlachthof der Region. Tönnies gehört mit rund 8000 Mitarbeitern, davon ein großer Teil Leiharbeiter, und einem Jahresumsatz von 5,6 Milliarden Euro (2013) zu den Topunternehmen der Fleischbranche in Deutschland. Zum Vergleich: Vion beschäftigte 2013 rund 6700 Mitarbeiter und machte einen Jahresumsatz von 7 Milliarden Euro.

 Über seine unternehmerische Tätigkeit hinaus ist Clemens Tönnies zudem bekannt in seiner Funkton als Aufsichtsratsvorsitzender des Fußball-Bundesligisten Schalke 04.

 Wie Vion hatte auch Tönnies in der Vergangenheit nicht nur für positive Schlagzeilen gesorgt, vor allem im Zusammenhang mit Lohndumping und Ausbeutung von rumänischen Werksarbeitern. Zuletzt hatte der WDR Tönnies solche Praktiken im Werk Rheda-Wiedenbrück vorgeworfen. Tönnies hat derartige Anschuldigungen mehrfach zurückgewiesen.

 Habeck sagte dazu, ihm sei bekannt, dass auch Tönnies, wie in der gesamten Branche üblich, im großen Maße ausländische Werkarbeiter beschäftigt. Von den Investitionsplänen erwarte er aber auch die Schaffung von festen Arbeitsplätzen innerhalb des Unternehmens. Außerdem zahle Tönnies den gesetzlichen Mindestlohn auch an die Leiharbeiter.

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