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Rathaus vor dem Infarkt

Flüchtlinge in Henstedt-Ulzburg Rathaus vor dem Infarkt

Die Flüchtlingssituation in Henstedt-Ulzburg bringt die Beteiligten an die Grenzen der Belastbarkeit. Bürgermeister Stefan Bauer muss sich und seine Mitarbeiter beinahe wöchentlich auf neue Flüchtlingszahlen einstellen. Er fordert daher kurzfristige Unterstützung und langfristige Hilfe von Kreis, Land und Bund.

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Die ersten Flüchtlinge wohnen bereits im Henstedter Hof. Bis Ende des Jahres sollen in dem ehemaligen Hotel rund 50 Menschen untergebracht werden. Für die Verwaltung ist die Suche nach Wohnraum ein Kraftakt.

Quelle: Lutz Timm

Henstedt-Ulzburg. Bauer warnte: „Bei den überbordenden Zahlen ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kommunalverwaltungen dem Infarkt unterliegen und handlungsunfähig werden.“ Um das zu verhindern, helfen nur mehr finanzielle Hilfen und die Aufstockung der Mitarbeiterstellen.

 Feste oder gar langfristige Zahlen, wie viele Asylsuchende in Henstedt-Ulzburg unterbringen muss, sind für Verwaltung und Kommunalpolitik zurzeit kaum zu bekommen. Auch wann die Menschen ankommen, die häufig eine lange und entbehrungsreiche Flucht hinter sich haben, wird vom Kreis Segeberg seit Anfang September mitunter nur sehr kurzfristig mitgeteilt. „Ich gehe zurzeit von 10 Flüchtlingen pro Woche aus“, berichtete der parteilose Verwaltungschef Bauer. „Die Zahlen ändern sich mittlerweile nicht mehr monatlich, sondern fast wöchentlich.“ Rund 300 Asylbewerber sollen der Gemeinde im Jahr 2015 vom Kreis zugewiesen werden. Bislang sind etwa 125 aufgenommen worden, etwa 175 werden bis Jahresende noch folgen. Die Überstellung der Menschen in die Kommunen ist seit etwa drei Wochen an jedem Wochentag bis in Nachmittag hinein möglich.

 „Ich kann sagen, dass die Verwaltung auf den aktuellen Zustrom noch gut eingestellt ist. Aber es wird zu personellen Aufstockungen kommen müssen“, betonte Bauer. Besonders der Fachbereich Soziales, aber auch die für die Liegenschaften der Gemeinde zuständigen Mitarbeiter seien vollständig ausgelastet. „Die Unterbringung bindet uns derzeit ohne Ende. Anmietung oder Ankauf von Wohnraum, die Sanierung der Objekte und die Ausstattung – das ist zu einem Fulltime-Job für ein erkleckliches Maß an Mitarbeitern geworden.“ Zudem müsse auch die Integration vorangetrieben werden, erklärte Bauer gegenüber der SZ. „Wir haben 60 Aktive im Willkommensteam, die bei der Aufnahme der Flüchtlinge eng mit der Verwaltung zusammenarbeiten. Dazu kommen noch passive Mitglieder und eine gute Vernetzung mit der Fahrradwerkstatt, Kleiderkammer und Möbelkammer.“ Die Arbeit funktioniere derzeit gut. „Aber wir leben hier von dem aktuell funktionierenden Stand. Für die Zukunft möchte ich da ein Fragezeichen setzen“, sagte der Bürgermeister. „Wir werden weitere Mitarbeiter einstellen müssen, um die Willkommensbemühungen im Ort koordinieren zu können. Wir möchten als Gemeinde für eine menschenwürdige Unterbringung Sorge tragen.“

 Der überwiegende Teil der rund 200 Flüchtlinge, die zurzeit in Henstedt-Ulzburg leben, ist in Notunterkünften untergebracht. Dazu hat die Gemeinde Wohnungen und Reihenhäuser angemietet oder erworben sowie den Henstedter Hof gekauft. Bis Ende des Jahres sollen in dem ehemaligen Hotel- und Gaststättenbetrieb in der Maurepasstraße etwa 50 Menschen Platz finden. Zu Anfang Oktober wurden Räume für 24 Personen fertiggestellt, zum Novemberbeginn kommt noch einmal Wohnraum für 34 Menschen hinzu. „Bislang und in der kommenden Zeit können wir die Unterbringung so überbrücken, bislang noch mit drei bis vier Menschen pro Unterkunft,“ sagt der Bürgermeister, „aber in Zukunft werden wir bei der Anzahl der Menschen pro Unterkunft noch ein Stück zulegen müssen.“ Eine Containerunterbringung, wie sie mittlerweile in vielen Gemeinden zu sehen ist, sieht Bauer als letzten Ausweg. „Wir möchten verhindern, in die Situation zu kommen, Turnhallen und ähnliche Gebäude zu nutzen. Dann könnten wir keine verantwortungsvolle Flüchtlingsintegration mehr betreiben.“

 Der Verwaltungschef sieht vor allem langfristige Herausforderungen. „Es werden Probleme auf uns zukommen, die nicht kurzfristig zu lösen sind“, erwartet Bauer. Besonders die Schwierigkeiten in der Unterbringung und der Integration der Flüchtlinge in die Gesellschaft sieht er auf längere Sicht als Baustelle. So werde besonders der Wohnraummangel die Situation verschärfen, die Familienzusammenführungen und nicht vollzogene Abschiebungen verursachen. Daher sei eine konsequente Rückführung von abgelehnten Asylbewerbern nötig. „Sonst birgt es die Not, dass die Erstaufnahmeeinrichtungen voll sind und es keinen Platz mehr für andere Flüchtlinge gibt“, ist Bauer überzeugt. „Da ist die Landes- und Bundespolitik gefragt.“ Auch in Bereichen wie dem sozialen Wohnungsbau, der Schaffung zusätzlicher Mitarbeiterstellen sowie dem Zugang zum Arbeitsmarkt durch Hospitanzen und Praktika sieht er Verpflichtungen. „Wir sagen ja zu Unterbringung und Integration. Aber der Kreis, das Land und der Bund muss die menschlichen Belastungsgrenzen akzeptieren“, mahnte Bauer. „Außerdem ist es nicht die einzige Verantwortung, die wir in den kommenden Jahren haben. Wir müssen auch der übrigen Bevölkerung gegenüber gerecht sein und bleiben.“

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