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Häufigste Frage: Wie lange noch?

Kaltenkirchen Häufigste Frage: Wie lange noch?

Ende Februar gab es bereits ein Gespräch zwischen der Stadtverwaltung und einigen in der ehemaligen Tennishalle einquartierten Flüchtlingen. Nun wurde die Unterhaltung in großer Runde fortgesetzt, um allen Bewohnern der Halle die Möglichkeit zu geben, ihre Sichtweise darzustellen. Die Verständigung war nicht einfach.

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Die fehlende Privatsphäre stellt für die in der ehemaligen Tennishalle an der Schirnauallee einquartierten Flüchtlinge ein großes Problem dar. Die Nachbarn hören jedes Gespräch mit, außerdem stört die Deckenbeleuchtung. Alle Bewohner hoffen daher auf einen baldigen Umzug.

Quelle: Isabelle Pantel

Kaltenkirchen. Bürgermeister Hanno Krause kam daher mit weiteren Vertretern der Stadt an die Schirnauallee. Thema war wieder die Unterbringung in der Halle, die in der derzeitigen Form für die Betroffenen ein großes Problem darstellt. Der Bürgermeister bat die Flüchtlinge noch um etwas Geduld. Schon im April werde sich die Lage deutlich verbessern.

 Bei den Gesprächen zwischen Verwaltung und Asylbewerbern wird immer wieder deutlich, wie schwierig die Kommunikation ist. Die Unterhaltung im Februar musste mithilfe einer Dolmetscherin geführt werden. Anschließend gaben die bei dem Treffen im Rathaus anwesenden Flüchtlinge den anderen Bewohnern der Tennishalle wider, was sie verstanden hatten. Dieses Mal ging es wieder um mehrere Ecken: Der Bürgermeister sprach auf Deutsch, seine Worte wurden ins Englische übersetzt, anschließend auf Arabisch und noch später auf Farsi. Eine Übersetzung für die Eritreer, von denen einige weder Englisch noch Arabisch verstehen, gab es nicht. Das erschwerte die Unterhaltung. Feinheiten, Termine und mögliche Hindernisse bei der Umsetzung, die die Verwaltung gerne kommunizieren wollte, ließen sich nur schwer vermitteln. Obwohl sich in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe von Fragen und Schwierigkeiten angehäuft hatte, wurde das Gespräch ruhig und geordnet geführt. Beide Seiten hatten die Möglichkeit, ihre Perspektive zu erklären – ein wichtiger Schritt zu gegenseitigem Verständnis.

 Bei dem Gespräch stellte sich heraus, dass die Asylbewerber kaum über ihre Situation informiert sind und auch nur wenig darüber wissen, wie es für sie weitergehen soll. Ebenso unbekannt waren den Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Eritrea die Strukturen in Verwaltung und Stadtvertretung, wo wichtige Entscheidungen über ihre Zukunft getroffen werden. Das alles führt bei den Betroffenen zu großer Unsicherheit.

 „Wie lange noch?“ Das war die Frage, die die Bewohner der Tennishalle am meisten bewegte. Alle wollten wissen, wann sie aus der mit Bauzäunen und Planen provisorisch eingerichteten Gemeinschaftsunterkunft in Container, Schlichtwohnungen am Kamper Stieg oder reguläre Apartments in Kaltenkirchen umziehen können. Bürgermeister Krause erklärte, die Stadt arbeite daran, die Notunterkunft in der Tennishalle aufzulösen. Das gehe aber nicht über Nacht. „Wir gehen fest davon aus, dass im April die neuen Wohncontainer bezugsfähig sind und im Mai der Neubau am Kamper Stieg“, sagte er. Dann werde sich die Wohnsituation entspannen.

 Vor allem die Afghanen fühlen sich in Bezug auf die Sprachkurse benachteiligt. Weil ihre Chancen auf Asyl vergleichsweise gering sind, werden sie bei der Zulassung zu vielen regulären Deutschkursen nachrangig behandelt. Ihnen konnte Sozialarbeiter Thies Behn mitteilen, dass an zusätzlichen Sprachangeboten gearbeitet werde. Außerdem gebe es inzwischen diverse ehrenamtliche Sprachkurse, in die jeder kommen dürfe – ganz unabhängig von Herkunft und Aufenthaltsstatus. Eine Gesamtübersicht mit sämtlichen Deutschangeboten soll nun in den Flüchtlingsunterkünften verteilt werden.

 Fehlende Internetzugänge sind für die Asylbewerber ebenfalls ein Problem. Sie können nur an wenigen Hotspots in der Stadt freies Internet nutzen: an den Bahnhöfen, vor der Backeria und beim Rathaus. Es ist allerdings schon vorgekommen, dass Flüchtlinge am Bahnhof des Platzes verwiesen wurden, weil dem Sicherheitspersonal unklar war, warum sie sich dort aufhielten. Die Flüchtlinge wiederum konnten mangels Deutschkenntnisse nicht erklären, dass sie lediglich über das Internet mit ihren Familien kommunizieren wollten. Um derartigen Frust und Ärger in Zukunft zu vermeiden, soll die Polizei über die Situation informiert werden, damit keine weiteren Platzverweise ausgesprochen werden.

 Die Unterhaltung mit dem Bürgermeister verdeutlichte, wie sehr die Flüchtlinge auf die Unterstützung der Einheimischen angewiesen sind. Die Asylbewerber werden täglich mit Alltagshürden konfrontiert, die für sie allein unüberwindbar sind – mit Hilfe ehrenamtlicher Lotsen hingegen wäre vieles lösbar.

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