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Verbindung soll besser werden

Flüchtlinge in Schackendorf Verbindung soll besser werden

Das Zusammenleben von Einheimischen und Bewohnern der Asylbewerber-Unterkunft Waidmannsheil läuft seit vielen Jahren vollkommen geräuschlos. Doch was den direkten persönlichen Kontakt untereinander angeht, sind andere Orte aktiver. Das soll sich jetzt ändern. Hausleiterin Ileana Buhociu hat die Bitte an die Gemeinde herangetragen, sich stärker zu engagieren.

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Hausleiterin Ileana Buhociu vom DRK ist an die Gemeinde Schackendorf mit der Bitte herangetreten, sich bei der Integration der Asylbewerber stärker zu engagieren.

Quelle: Archiv

Schackendorf. Ob man es nun als „Helferkreis“ bezeichnet oder eher als „Begrüßungskomitee“ wie nun in Schackendorf: Während der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung im Rasthaus A21 verständigten sich die Kommunalpolitiker darauf, im Ort nach Leuten suchen zu wollen, die bei der Integration helfen. „Das kann auf ganz unterschiedliche Weise geschehen“, wie Gabriele Klapproth (CDU) erläuterte, die sich vor Ort selbst ein Bild von der Situation gemacht hat und am Donnerstagabend von dem Wunsch des Deutschen Roten Kreuzes nach etwas mehr Engagement der Bevölkerung berichtete.

 Das DRK betreibt die Unterkunft des Kreises Segeberg, in der sich aktuell 75 Personen aus sieben Familien aufhalten. „Die Bewohner sind fröhlich, freundlich und sehr offen“, schilderte die Christdemokratin. Es bestehe aber beispielsweise die Sorge, dass der inzwischen gut angelaufene Deutsch-Unterricht eingestellt werden muss, wenn die derzeitigen ehrenamtlichen Helfer aus der Gemeinde Warder wieder gehen. „Deren Helferkreis besteht aus rund 60 Leuten, von denen einige bei uns in Schackendorf erste Erfahrungen für die eigene Einrichtung sammeln.“ Doch künftig würden die sich natürlich vor allem um „ihre“ Flüchtlinge kümmern.

 Man müsse „kein Lehrer sein“, so Gabriele Klapproth, um sich im Waidmannsheil zu engagieren. Die Neuankömmlinge seien schon dankbar, wenn jemand mit ihnen in der neuen, so unbekannten Sprache rede, ergänzte Burkhard Tolkmitt (CDU). Auch handwerklich in der Fahrrad-Werkstatt zu unterstützen oder einfach mal mit den Kindern der Asylbewerber zu spielen, seien willkommene Gesten. Vielleicht gebe es im Dorf ja Menschen, die immer schon gerne etwas gemacht, aber nur darauf gewartet hätten, dass sie jemand direkt fragt. Der Vorsitzende des SV Schackendorf etwa sei auch schon dort gewesen und habe die Angebote des Vereins vorgestellt.

 Regelmäßige Gäste im Waidmannsheil, wenn auch nicht immer ganz freiwillig, sind die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Schackendorf. Mehrfach seit dem Neubezug der Gebäude nach deren aufwändiger Sanierung durch den Kreis Segeberg habe die neue, aus Sicherheitsgründen deutlich sensiblere Brandmeldeanlage ausgelöst, berichtete Ortswehrführer Holger Teegen. „Ob nun ein arabisches Pfannengericht die Ursache war oder die Tatsache, dass viele Menschen kurz nacheinander endlich mal wieder eine ausgiebige Dusche mit der entsprechenden Menge Wasserdampf nehmen konnten: Wir wurden zuletzt sieben Mal alarmiert.“ Dabei lobt Teegen ausdrücklich die gute Organisation der Einrichtungsleitung um Ileana Buhociu vom DRK und die Disziplin der Bewohner. „Wenn wir eintreffen, stehen sie exakt an den vorgesehenen Sammelpunkten und rühren sich nicht von der Stelle.“ Er selbst habe die Asylbewerber immer als freundlich und höflich erlebt.

 Hier könne man ansetzen, meint auch Gabriele Klapproth. „Schließlich fangen wir ja quasi bei null an.“ Da von Anfang an der Kreis Segeberg und nicht die Gemeinde die Verantwortung für die etwas außerhalb des Dorfes gelegene Einrichtung trug, sei nie eine echte Verbindung entstanden. Lediglich im Kindergarten seien immer mal wieder Jungen und Mädchen aus dem Waidmannsheil betreut worden. „Wir haben jetzt noch einmal erklärt, dass in der Gruppe noch Plätze frei sind“, betonte Bürgermeister Alexander Scheffler (WGS). Demnächst sollen zwei Kinder im Vorschulalter im gemeindeeigenen Kindergarten betreut werden.

 Scheffler sieht beim ehrenamtlichen Engagement im Asylbewerberheim auch einen praktischen Nutzen: „Dort können wir das üben, was wir später im Ort machen.“ Denn das Amt Trave-Land hat auch in Schackendorf zwei Wohnungen angemietet, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Trotz langfristiger Mietverträge stehen sie aber bislang leer. Da jedoch niemand wirklich sagen kann, ob die Zuwanderung auch längerfristig auf dem niedrigen Niveau bleiben wird, will die Verwaltung vorbereitet sein – und auch die Schackendorfer, die ihre neuen Mitbürger dann womöglich schon mit einem eigenen „Begrüßungskomitee“ erwarten.

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