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Johanniter kümmern sich jetzt

Flüchtlingsunterkünfte Johanniter kümmern sich jetzt

Die Gemeinschaftsunterkünfte des Kreises Segeberg für Asylbewerber in Warder und in Schackendorf werden ab November von der Johanniter-Unfallhilfe aus Lübeck betrieben. Dafür entschied sich der Kreistag. Drei Bewerber hatten sich gemeldet. Das Deutsche Rote Kreuz hatte sich nicht mehr beteiligt.

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Mit einem Fest in der Unterkunft Schackendorf wurden die DRK-Betreuer Mariam Thahmass (links), Kai Klose und Petra Todt von den Asylbewerbern verabschiedet.

Quelle: Gerrit Sponholz

Kreis Segeberg. Es hatte bislang die Flüchtlinge betreut. Der Vertrag endet am 31. Oktober. Die Handvoll DRK-Mitarbeiter werde nun bei der Betreuung in den Landesunterkünften für Asylbewerber eingesetzt, etwa im Levo-Park in Bad Segeberg, hieß es vom DRK.

 Warum das DRK die Kreisunterkünfte nicht mehr betreiben möchte, hatte der Kreisverband mit einer „unternehmerischen Entscheidung“ begründet. Der Auftrag passe nicht in die Struktur des Roten Kreuzes.

 Beide Gemeinschaftsunterkünfte des Kreises sind nicht voll belegt. Zuletzt hatte es rund um die Gemeinschaftsunterkunft Schackendorf Schlagzeilen gegeben. Ein Berater der Behörde soll Flüchtlinge genötigt haben. Und das DRK hatte einer Dolmetscherin sowie der früheren Heimleitung gekündigt.

 Auf die Vorgeschichte ging der Kreistag aber nicht mehr ein. Er billigte noch ein umfangreiches Integrationskonzept, damit Flüchtlinge gezielt Unterstützung erhalten, um sich einleben zu können. So gibt es Hilfen bei Spracherwerb, Kinderbetreuung, Gesundheitsdienst, Wohnungssuche, Jobvermittlung, Ausbildungsmöglichkeiten und Behördenangelegenheiten. „Das Land hat bei seinem Konzept von uns abgeschrieben“, sagte Landrat Jan Peter Schröder, seine Verwaltung lobend. Ohnehin könnten der Kreis Segeberg und seine Menschen auf sich „stolz sein“. Die ehrenamtlichen Helfer etwa „haben uns aus der Patsche geholfen“, als vor einem Jahr der große Flüchtlingszustrom eingesetzt habe. Auch die Ämter und Kommunen sowie die politischen Gremien hätten mit schnellen Beschlüssen das Ihre geleistet.

 Festhalten will der Kreis weiterhin an beiden Häusern, war im Vorfeld der Kreistagssitzung zu vernehmen, obwohl die Häuser in Warder und Schackendorf längst nicht voll besetzt sind. Deshalb entstehen nicht gedeckte Vorhaltekosten. Geld von Land und Bund erhält der Kreis nur pro untergebrachtem Flüchtling.

 Kreispräsident Winfried Zylka (CDU) hatte vor der Sitzung berichtet, dass über mögliche Kostenerstattungen Gespräche der Kreise mit dem Land laufen.

 Die Asylbewerber zumindest scheinen sich in den beiden Kreisunterkünften wohlzufühlen. Dem scheidenden DRK-Team dankten sie mit einer Feier. Es revanchierte sich mit Geschenken für die Kinder.

 Die muslimische Ahmadiyya-Gemeinde hatte das Essen gekocht. Außerdem wurde Kuchen gespendet. Wie auch in den vergangenen Jahren packten ehrenamtliche Helfer vom Bad Segeberger Verein „alleineinboot“ an. Es gab viele herzliche Umarmungen, als die DRK-Mitarbeiter Petra Todt, Mariam Thahmass, Kai Klose und die Leiterin der beiden Einrichtungen, Susanne Neitemeier, adieu sagten.

 130 Flüchtlinge hatten die DRK-Helfer in dieser Zeit begleitet. Es waren viele Familien darunter, auch alleinreisende Frauen. Das Spektrum war groß, sagt Neitemeier. „Es gibt nicht den einen Flüchtling“, sondern viele verschiedene Menschen. „Das reicht vom Analphabeten bis zum hochrangigen Ex-Politiker“, der aus seinem Land fliehen musste. Viele der Flüchtlinge, vor allem die Kinder, kommen schnell mit der deutschen Sprache zurecht. Die DRK-Mitarbeiter haben sich als Begleiter, Zuhörer und Erklärer verstanden. „Wir schildern, wie Deutschland tickt“, bringt es Neitemeier auf den Punkt. Unterschiede zwischen den Kulturen waren für die Helfer zu spüren, wenn es um die Fragen wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit ging. Umgekehrt waren für viele Flüchtlinge die vielen Hilfsstrukturen ein ungewohntes, erfreuliches Erlebnis. Neitemeier dankte den vielen ehrenamtlichen Helfern, von denen es im Kreis Segeberg besonders viele und engagierte gebe.

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