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Einwohner für Windpark gewinnen

Föhrden-Barl Einwohner für Windpark gewinnen

Noch ist zwar offen, ob überhaupt ein Windpark auf Föhrden-Barler Gebiet genehmigt wird, aber die Wiemersdorfer Windparkbetreiber Dr. Hans-Günther Lüth und Hans-Hermann Schümann wollen für gute Stimmung im Dorf sorgen. Den nächsten Anwohnern wollen sie sogar einen Teil ihrer Stromrechnung bezahlen.

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Diese Windkraftanlage in Wiemersdorf ist nur halb so hoch wie die in Föhrden-Barl geplanten.

Quelle: Einar Behn

Föhrden-Barl. Vor einigen Wochen hatte die Landesregierung neue Pläne veröffentlicht, wo in Schleswig-Holstein Windparks möglich sein können. Gegenüber den vorherigen Plänen waren etliche Flächen herausgefallen. So soll es beispielsweise auf Bad Bramstedter Gebiet überhaupt keine Windparks mehr geben. Auch in Föhrden-Barl, wo die Windkraft seit Jahren das Dorf spaltet, wurden die Flächen deutlich zusammengestrichen. Eine Fläche jedoch, die wohl auch große Chancen hat, die weiteren Prüfungen zu bestehen, ist in der neuen Landkarte erneut eingetragen. Sie liegt hauptsächlich auf Föhrden-Barler Gebiet an den Gemeindegrenzen zu Weddelbrook und Hingstheide. Lüth hat bereits genaue Vorstellungen entwickelt, wo die von ihm und Schümann geplanten sechs Windkraftanlagen aufgestellt werden sollen.

 „Das ergibt sich aus diversen Kriterien, wie Abstandflächen zu Wohnhäusern, Wildwechseln und einer vorhandenen Gasleitung“, erklärte Lüth. Er hatte gemeinsam mit Schümann und dem Spargelhof-Betreiber Karl Schäfer schon 2001 den Bürgerwindpark Wiemersdorf gegründet, an dem die Einwohner Anteile erwerben konnten und eine jährliche Rendite bekommen. In Wiemersdorf laufen mittlerweile 16 Windkraftanlagen. Acht weitere sollen noch hinzukommen, sieben davon auf Großenasper Gebiet.

 Doch in Föhrden-Barl bläst Lüth und Schümann der Wind ins Gesicht, zumindest von Teilen der Einwohnerschaft. Bereits in zwei Bürgerentscheiden hatten sich die Gegner durchgesetzt und Windenergienutzung in ihrem Dorf verhindert. Die Entscheide haben aber keine Gültigkeit mehr, seitdem das Oberverwaltungsgericht die alten Regionalpläne einkassiert hatte. Und nach derzeitiger Rechtslage darf es auch keine Bürgerentscheide mehr gegen die Windenergie geben.

 Das allerdings will die Landesregierung ändern, auch wenn es noch keine konkreten Pläne gibt, wie die Vorgaben des Gesetzes umschifft werden können. Und heute will die Gemeindevertretung von Föhrden-Barl gemeinsam mit den Einwohnern eine Stellungnahme formulieren, wie sich die Gemeinde zu den Windkraftplänen verhält. Für die Wiemersdorfer Lüth und Schümann eine heikle Angelegenheit: Im Gemeinderat haben die Befürworter zwar eine Einstimmen-Mehrheit, aber von ihnen sind die meisten als Landbesitzer oder Angehörige von Landbesitzern befangen, sodass die Gegner sich möglicherweise durchsetzen werden.

 Schümann, selbst Landwirt und Gemeindevertreter in Wiemersdorf, ließ das nicht ruhen. Er fuhr herum und besuchte alle Häuser in Föhrden-Barl, Hingstheide und Weddelbrook, die innerhalb eines 800-Meter-Radius um den Windpark liegen. Insgesamt sind das 17 Einwohner, zum Teil Hausbesitzer, zum anderen Teil auch Mieter. Ihnen versprach Schümann, jährlich 2000 Kilowattstunden Strom zu bezahlen, wenn sie sich per Unterschrift zu Windkraftbefürwortern erklären. Bei einem Vier-Personen-Haushalt dürfte sich damit die Stromrechnung halbieren. „Ich habe 13 Leute angetroffen und alle haben unterschrieben“, sagte Schümann. Für ihn ist damit das Argument entkräftet, dass die Rotoren den Anwohnern nicht zuzumuten seien. Insgesamt 20 Landbesitzer haben Lüth und Schümann auch schon von ihrer Idee überzeugen können. „Sie sind mit einer moderaten Pacht zufrieden“, so Lüth.

 Wie in Wiemersdorf soll auch in Föhrden-Barl ein Bürgerwindpark entstehen. Die Einwohner können sich einkaufen und sind dadurch auch am Gewinn beteiligt. Für die Wiemersdorfer Anteilseigner hat sich dieses Modell als lukrativ erwiesen. Auch in Großenaspe, wo es anfangs ebenfalls Widerstand gab, kippte die Stimmung, als das Beteiligungsmodell ins Spiel kam.

 Die Größe der geplanten Rotoren in Föhrden-Barl ist allerdings gewaltig. 180 bis 200 Meter sollen sie in den Himmel ragen. Zum Vergleich: Der Hamburger Fernsehturm ist 280 Meter hoch. Lüth versichert allerdings, dass die großen Anlagen langsamer und leiser laufen. Und sie liefern die dreifache Strommenge der ältesten Wiemersdorfer Anlagen von 2001, die eine Gesamthöhe von 100 Metern haben.

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