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Tuberkulose nimmt zu

Forschungszentrum Borstel Tuberkulose nimmt zu

Tuberkulose greift um sich. In Deutschland stieg die Zahl der Patienten 2015 um 30 Prozent auf fast 6000. Darunter waren sechzehn Menschen im Kreis Segeberg, neun mehr als 2014 (plus 128 Prozent). Die Erkrankung kann tödlich enden. Vermutlich hängt die Steigerung mit dem Zuzug der Asylbewerber zusammen.

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Röntgenuntersuchung der Lunge in einem Tuberkulosezentrum: Flüchtlinge müssen bei ihrer Aufnahme in Unterkünfte in Deutschland auf Tuberkulose untersucht werden, so schreibt es das Infektionsschutzgesetz vor.

Quelle: dpa

Kreis Segeberg. „Eine sehr seltene Erkrankung in Deutschland ist nur ein bisschen weniger selten geworden, aber keine häufige Erkrankung“, beruhigt Prof. Dr. Christoph Lange, Leiter der Forschungsgruppe der Klinischen Infektiologie am Forschungszentrum Borstel, einem der weltweit führenden Institute. Die Heilungschancen seien groß, die Ansteckungsgefahr gering.

 Die erhöhten Zahlen können auf mehrere Faktoren zurückzuführen sein, sagt Lange. Unter anderem weil die Borsteler Klinik im Forschungszentrum mehr Patienten aufnahm. Und weil es mehr Asylbewerber gibt und sie kurz nach dem Eintreffen geröntgt werden – und damit Erkrankungsfälle entdeckt werden.

 Nach Schätzungen von Experten ist ein Drittel aller Menschen mit dem Bakterium infiziert, erklärt Prof. Lange. Bei den meisten bricht keine Erkrankung aus. In manchen Regionen Afrikas und Asiens ist Tuberkulose (TB) nach seinen Worten weiter verbreitet als in Deutschland, in anderen Ländern ist die Lage ähnlich wie in Europa. In Syrien beispielsweise, woher viele Flüchtlinge stammen, liege die Quote so niedrig wie in Polen oder Portugal. In Deutschland wird eine Impfung gegen TB, die im Erkrankungsfall die Symptome lindert, seit Ende des 20. Jahrhunderts nicht mehr empfohlen. Für problematischer hält Lange Regionen in Osteuropa. Dort seien TB-erkrankte Menschen oft gegen Antibiotika-Medikamente resistent.

 Generell, so Lange, sei die Perspektive für eine Gesundung sehr gut. Im Schnitt und weltweit betrachtet würden 90 Prozent der TB-Patienten geheilt, in Deutschland noch weit mehr. TB-Todesfälle sind nach seinen Angaben auch darauf zurück zu führen, dass die Patienten sehr alt sind, erst in spätem Stadium behandelt werden oder andere Begleiterkrankungen haben. In Borstel könnten selbst viele solcher Patienten noch gerettet werden, sagt Lange. „Es gibt exzellente Medikamente.“

 Den letzten TB-Todesfall im Kreis Segeberg gab es 2004, sagt Kreissprecher Gernot Schramm. Erkranken Menschen an TB, ermittelt das Gesundheitsamt deren enge Kontaktpersonen, untersucht und berät sie. Erkrankte dürfen keine Gemeinschaftseinrichtungen mehr aufsuchen.

 Anfällig sind alte Menschen, die ein schwaches Immunsystem haben oder bestimmte Medikamente nehmen, die gegen Schuppenflechte, Rheuma oder chronische Darmentzündung wirken, erklärt Prof. Lange. Übertragen werden die Bakterien per Tröpfchen, etwa wenn jemand in engen Räumen stark angehustet wird. Meist fange das körpereigene Immunsystem die Bakterien aber schon frühzeitig ab.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
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