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Geschichte in 160 Bildern

Fotoband über Bad Segeberg Geschichte in 160 Bildern

„Die Kreisstadt Bad Segeberg (...) gilt als eine der schönsten Kleinstädte unseres Landes.“ So beginnt die Einleitung zum Bildband „Bad Segeberg – Handel, Handwerk, Industrie in alten Fotografien“ von Hans-Peter Sparr und Hans-Werner Baurycza - eine 128 Seiten starke, heimliche Liebeserklärung an die Stadt.

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Anfang der 1920er Jahre bot das Kolonialwarengeschäft Heinrich Gröhn in der Kurhausstraße 46 ein reichhaltiges Angebot.

Quelle: Privat

Bad Segeberg. Zwischen 30 und 50 Seiten sind den drei großen Kapiteln Industrie, Handwerk und Handel gewidmet. Die ältesten Bilder stammen aus dem 19. Jahrhundert, die jüngsten aus den 1980er Jahren. Und immer wieder staunt der Leser, ob nun Jahrgang 1930, 1950, 1970 oder noch jünger, was es in der alten Stadt alles gab. Dass dort, wo heute „Kaufland“ steht, einst ein großes Fabrikgelände mit dem „langen Heinrich“ lag, einem Riesenschornstein, wissen vielleicht noch viele. Aber dass dort nicht nur Firmen ihren Sitz hatten wie eine Margarinefabrik, Kleinol (wo unter anderem Haarfärbemittel und Zahnpasta hergestellt wurden) oder die Nugget-Werke (die Schuhcreme und andere Pflegemittel produzierte), sondern einst auch eine Brauerei, wissen wohl zumindest manche Jüngeren nicht mehr. „Bürgerliches Brauhaus in Segeberg“, so wurde 1891 geworben, und bei der Eröffnung am 16. September 1891 „machten die Segeberger reichlich Gebrauch von einer kostenlosen Bierprobe“, wie die Autoren berichten. Die Qualität des Gerstensaftes sprach sich sogar in Hamburg herum, und bald reagierten die Hanseaten pikiert: Das Hamburger Bierkartell verhängte ein Lieferverbot für die Segeberger Köstlichkeit.

 Bad Segeberg ließe sich - angesichts der Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert - als Stadt der Handwerker bezeichnen: Diese Feststellung von Sparr und Baurycza wird von diversen Bildern gestützt. Manche Betriebe oder ihre Namen sind noch heute sichtbar, so zum Beispiel die Glaserei Steenbuck in der Lübecker Straße oder Betriebe wie Elektro Schweim, wenn auch an anderem Ort. Dass die Schlosserei Schweim in den 1950er Jahren blühte, ist auf einem Foto zu sehen – so stand 1952 vor dem Betrieb an der Oldesloer Straße ein neu gefertigter Sprungturm, der kurz darauf in die Badeanstalt am Großen Segeberger See transportiert wurde. 1956 löste sich Bruno Schweim aus dem väterlichen Geschäft und gründete das Elektrofachgeschäft „Licht und Kraft“, das Sohn Reinhard Schweim 1952 übernahm. Er hat seinen Betrieb heute in der Eutiner Straße.

 Eine Besonderheit bot vor rund 50 Jahren Mercedes Jansen, ansässig in der Kurhausstraße: ein großes Klappfenster, durch das die Fahrzeuge in den Ausstellungsraum gelangen konnten. Heute sind Autohäuser zu groß für den Innenstadtbereich.

 Wo früher der Handel blühte, stehen heute Geschäftsräume leer; und aus der Innenstadt hat sich manches verabschiedet, was es noch in den 1970er und 1980er Jahren gab. Geschäfte wie die Segeberger Eisenhandlung oder Läden, in denen Lebensmittel angeboten wurden – wie einst Thams & Garfs und Saggau in der Kirchstraße oder Alma Hofeldts Geschäft in der Kurhausstraße –, existieren nicht mehr. Tabak- und Zigarrenhäuser waren zahlreich vorhanden, so etwa Hermann Schöer neben Quick-Schuh oder Hans Lensch in der Kirchstraße. Heute gibt es fast nur noch große Ketten – oder aber die Geschäfte wurden selbst groß wie Möbel Kraft, einst als „Möbel-Tischlerei von Hinrich Kraft“ 1893 an der Hamburger Straße 66 als Tischlerbetrieb gegründet. Wunderbar, den ersten Auslieferungs-Lkw 1930 auf einem Foto zu sehen: ein winziger Hanomag mit Firmenlogo auf dem Dach.

 Das Buch bietet einen guten Überblick über die Entwicklung in gut 120 Jahren. Viele Fotografien wurden zur Freude der Autoren von Bürgern zur Verfügung gestellt – so viele, dass sie gar nicht alle verwenden konnten, so dass Sparr und Baurycza Hoffnung auf ein Fortsetzungswerk machen.

 Hans-Peter Sparr, 1946 geboren, arbeitete als freier Bildjournalist, Buchautor, Film- und Videoproduzent. Auch als Ausstellungsveranstalter hat er sich landesweit einen Namen gemacht. Hans-Werner Baurycza, Jahrgang 1950, ist Heimatkundler, Stadthistoriker und Inhaber des Kalkberg-Archivs. Auch er veranstaltet Ausstellungen zur Stadtgeschichte und zu den Karl-May-Spielen und ist Mitglied im Arbeitskreis Geschichte im Amt Trave-Land.

 Hans-Peter Sparr, Hans-Werner Baurycza: „Bad Segeberg - Handel, Handwerk, Industrie in alten Fotografien“, gebunden, 17 mal 24 Zentimeter, 128 Seiten, etwa 160 Abbildungen, ISBN 978-3-95400-654-0, 19,99 Euro.

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