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Klinikruine verschwindet

Kaltenkirchen Klinikruine verschwindet

Das ehemalige Krankenhaus an der Alvesloher Straße wird ab Montag abgerissen. Auf dem weitläufigen Gelände soll eine Neubausiedlung der Deutschen Reihenhaus AG entstehen. Das deutschlandweit tätige Unternehmen hat das rund 49000 Quadratmeter große Areal voriges Jahr dem Paracelsus-Konzern abgekauft.

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Vandalismus, Brandstiftung und Diebstahl: Im ehemaligen Krankenhaus sieht es in den meisten Gängen und Räumen übel aus.

Quelle: Michael Zwicker

Kaltenkirchen. In dem seit Jahren nahezu komplett leer stehenden Gebäudekomplex mit den ehemaligen Klinikstationen, Verwaltungstrakt, Heizwerk und Schwesternwohnheim haben Unbekannte bereits unerwünschte Vorarbeiten für das Abbruchunternehmen erledigt. „Die Altmetall-Mafia war am Werk. Alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde geklaut“, schildert Ingenieur Thomas Kölsch, der für die sogenannte Baufeldvorbereitung zuständig ist und die abbruchreifen Gebäude ausgiebig inspiziert hat. Eingeworfene Scheiben, herausgebrochene Türen und Graffiti-Schmierereien überraschten ihn dabei nicht. „Das ist alles noch im Rahmen des üblichen Vandalismus, wenn Gebäude längere Zeit leer stehen“, sagt Kölsch.

 Erstaunt war der Fachmann dagegen vom Ausmaß der Diebstähle. „Das waren kein Anfänger. Die Aktionen waren generalstabsmäßig geplant. Hunderte Heizkörper wurden abmontiert und mit Sackkarren abtransportiert. Die Spuren sind eindeutig.“ Auch unzählige Wasserhähne wurden abgeschraubt. Besonders auf Kupferkabel hatten es die Einbrecher abgesehen. In allen Abteilungen wurden Verkleidungen von Decken und Wänden gerissen, um an die darunter befindlichen Leitungen zu gelangen. Dabei sind die Dieben mit Brachialgewalt vorgegangen, der Strom war schon vor Jahren abgestellt worden. Die tonnenschwere Beute muss mit Lastwagen weggeschafft worden sein. Pro Kilo Kupferkabel wird zurzeit gut 1 Euro bezahlt.

 Selbst vor gefährlichen Kletterübungen schreckten Diebe nicht zurück. Vom fast 20 Meter hohen Schornstein des stillgelegten Heizwerks wurden Teile der Hubschrauberwarnleuchte geklaut.

 Kriminelle Energie hatten hatten auch jene Eindringlinge, die voriges Jahr im Keller der ehemaligen Klinik Feuer gelegt hatten. Die Flammen richteten erheblichen Schaden an. Die verkohlten Reste müssen als Sondermüll entsorgt werden, was die Abrisskosten erhöhen wird.

 Gute Nachrichten lieferten dagegen ein Gutachter, der an und in den Gebäuden kaum Schadstoffbelastungen festgestellt hat. „Ganz wenig Asbest und etwas Glaswolle müssen aufwendig entsorgt werden“, erklärte Ingenieur Kölsch, „sonst haben wir Glück mit den Gebäuden.“

 Die Klinik war Anfang der 1970er Jahre errichtet worden. Damals galten Waschbetonfassaden als schick. Als Fugenmasse wurde jedoch oft ein Material verwendet, dass Polychlorierte Biphenyle (PCB) enthält. Die chemische Verbindung ist giftig. PCB wurde vor vielen Jahren unter anderem in Fugen am Kaltenkirchener Gymnasium und in der Sporthalle am Lakweg festgestellt. Die Sanierung kostete erheblich Summen.

 Der Klinik-Beton in Wänden, Fassaden und im Parkplatzpflaster ist dagegen schadstofffrei. „Deshalb kommt ein Großteil davon hier auf dem Gelände in einen Brechanlage und wird als Bauschutt beim Straßenbau wiederverwendet“, erläuterte Ingenieur Kölsch. Rund 15000 Tonnen der ehemaligen Klinik sollen so wieder verwendet werden. So werden Hunderte Lkw-Touren eingespart, was weniger Lärm und weniger Abgase bedeutet. Ende des Jahres sollen alle drei Ruinen auf dem Gelände abgerissen sein.

 Eigentlich hätte die ehemalige Klinik schon lange verschwunden sein sollen. Doch der für den Sommer geplante Abriss verzögerte sich, nachdem in Lüftungsschlitzen in der Fassade einige Breitflügelfledermäuse entdeckt worden waren. Inzwischen haben die streng geschützten Säuger das Gemäuer aber wieder verlassen. Damit die Tiere später auf dem Gelände wieder ein Sommerquartier finden können, wird die Deutsche Reihenhaus AG in einigen der Neubauten extra dafür entwickelte Fledermauskästen integrieren.

 Das Kölner Unternehmen hat vielerorts in Deutschland unter anderem auf ehemaligen Industrieflächen und zuvor militärisch genutzten Arealen Reihenhaussiedlungen errichtet. Es beabsichtigt, auf seinem Grundstück zwischen Alvesloher Straße und Brookweg in drei Bauabschnitten 166 Häuser, eine Tiefgarage mit rund 140 Stellplätzen und eine Technikzentrale mit einem Blockheizkraftwerk zu bauen. Zahlreiche der jetzigen Bäume sollen stehen bleiben, einige andere werden gefällt, etliche neue sollen gepflanzt werden. Rund 30 Millionen Euro werden insgesamt investiert. Die ersten Häuser in Höhe der Bushaltestelle an der Alvesloher Straße sollen Ende 2016 bezugsfertig sein.

 Ein rund 3900 Quadratmeter großes Eckgrundstück am Brookweg hat die Reihenhaus AG inzwischen an die Stadt verkauft. Dort soll eine Kindertagesstätte mit zwei Kindergarten- und vier Krippengruppen entstehen. Bauherr und Betreiber stehen noch nicht fest. Die Stadt wird dazu ein Interessenbekundungsverfahren starten.

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Michael Zwicker

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