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Erdkabel statt hoher Masten

Stromtrasse durch Kreis Segeberg Erdkabel statt hoher Masten

Erstmals hatten sich Bürger an der Planung für ein Großprojekt beteiligen dürfen: dem Bau einer neuen Stromleitung quer durch Holstein. 650 Segeberger und Stormarner gaben Anregungen zu möglichen Trassen. Am Mittwoch, 22. April, verkünden Land und Netzbetreiber Tennet, in welchem Korridor die Leitung nun gebaut wird – es zeichnet sich ein Favorit ab.

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Schon jetzt führen Freileitungen auch durch Siedlungs- und Gewerbegebiete. Bis zu 60 Meter hoch werden die Masten der neuen 380-kV-Leitung quer durch den Kreis Segeberg sein.

Quelle: Julian Stratenschulte, dpa

Kreis Segeberg. Nach Informationen dieser Zeitung wird die Trasse entlang der bestehenden 220-kV-West-Ost-Stromtrasse im Kreis Segeberg führen. Außerdem soll ein Teil nicht als Freileitung, sondern möglicherweise als Erdkabel verlegt werden. Das Geheimnis – auch zum Standort für ein neues, großes Umspannwerk – will Energiewendeminister Robert Habeck (Grüne) während der Ergebniskonferenz „Dialogverfahren Ostküstenleitung“ am Mittwoch, 22. April, ab 18 Uhr in der Festhalle Bad Oldesloe lüften. Experten stellen dann auch die Ergebnisse der Bürgerdialoge vor und stehen den Einwohnern Rede und Antwort.

 Möglicherweise wird ein Teil der Stromleitung nicht an bis zu 60 Meter hohen und bis zu 30 Meter breiten Masten („Typ Donau“) hängen, sondern als Erdkabel verlegt. Das erfuhr die diese Zeitung aus Kreisen Projektbeteiligter. Den Wunsch, ein Erdkabel einer Freileitung vorzuziehen, hatten viele Bürger geäußert.

 Für 380-kV-Höchstspannungsleitungen sind Erdkabel noch eine neue Technologie. Bislang will der Bund sie in vier Pilotversuchen andernorts testen. Das Land führt aber auf höchster politischer Ebene Gespräche, möglicherweise auch Teile der Ostküstenleitung als Testgebiet aufzunehmen. Entschieden soll aber noch nichts sein. In Frage kämen etwa dicht besiedelte Gebiete. Allerdings benötigen Erdkabel eine breite Trasse und führen zu umfangreichen Bauarbeiten.

 John-Karl Herrmann, Referent für Bürgerkommunikation bei Tennet, bestätigt, dass es Überlegungen gibt, Erdkabel zu nutzen. Allerdings sei dies nicht Sache von Tennet. Vielmehr führe das Land Gespräche mit dem Bund. „Der Ball liegt im Feld der Politik.“

 Bei der Wahl der Trasse sind Planer und Politik offenbar schon weiter. Bürgerideen und vertiefte Planungen haben zwar zu neuen Erkenntnissen geführt, aber nur in Details. Den bisherigen Favoriten ins Wanken gebracht hätten sie nicht. Gemeint ist die Trasse einer bestehenden 220-kV-Leitung quer durch den Kreis Segeberg. Sie führt vorbei an Kisdorf, Oering, Groß Niendorf sowie Wakendorf I und würde nach dem Bau der neuen 380-kV-Höchstspannungsleitung abgerissen. „Spätestens eineinhalb Jahre danach“, hatte Tennet-Projektleiter Carsten Schmidt schon während eines Bürgerdialogs im Januar in Bad Segeberg versprochen. Diese Informationsveranstaltung war eine von neun. Gemeinsam mit dem Energiewendeministerium des Landes hatte Tennet dazu eingeladen. Der Grund: Die Bürgerdialoge ersetzen ein offizielles Raumordnungsverfahren, das Tennet zu viel Zeit gekostet hätte. Denn der in großen Mengen produzierte Windstrom von der Ostküste soll möglichst rasch über die neue 380-kV-Leitung abtransportiert werden können.

 Ein Nebeneffekt der Bürgerdialoge: Frühzeitig wird mögliche Kritik berücksichtigt und damit das Risiko späterer Klagen wie bei der umstrittenen A20-Bauplanung reduziert.

 1000 Bürger hatten die neun Veranstaltungen besucht, sagt Ministeriumsmitarbeiterin Babette Sönnichsen. 650 Anregungen seien zusätzlich eingegangen. So hätten die Bürger etwa breitere Korridore gewünscht oder auf Populationen von Großvögeln hingewiesen.

 Nach der nun anstehenden Entscheidung über den Korridor will Tennet mit der Feinplanung beginnen. In sie sollen erneut Gemeinden und Bürger eingebunden werden.

 Den offiziellen Bauantrag stellen will die Firma im Herbst 2016. Im dann folgenden Planfeststellungsverfahren dürfen Bürger sich äußern, dann auch offiziell und rechtswirksam. 2018 soll die neue Ostküstenleitung stehen. Bereits 2017 wird die neue Nord-Süd-380-kV-Leitung entlang der A7 fertig. Diesen Bau hat das Land gerade erst genehmigt. Am Schnittpunkt der beiden Trassen soll das neue große Umspannwerk stehen.

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Ein Artikel von
Gerrit Sponholz
Segeberger Zeitung

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