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Schluss nach 141 Jahren

Utspann in Wakendorf I Schluss nach 141 Jahren

„Gastwirtin zu sein, war immer mein Traum.“ Sieglinde Blunck (64) hatte ihn seit Anfang 1994 ausgelebt. Über 20 Jahre lang führte sie den Gasthof nahe des Bahnhofs, die letzten Jahre mit ihrem Mann Uwe Blunck (67). Ende Mai ist aber Schluss. „Es reicht jetzt“, sagt sie.

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Sieglinde und Uwe Blunck schließen ihren Gasthof Uspann in Wakendorf I.

Quelle: Gerrit Sponholz

Wakendorf I. Sieglinde Blunck hat die Jahre über auf Vieles verzichtet, mitunter 16-Stunden-Tage gehabt. Außerdem habe sich der Betrieb immer weniger gelohnt.

 Damit endet eine 141 Jahre lange Gasthof-Historie. Das Paar dankt allen Gästen für die Treue zu der Gastwirtschaft, zu dessen Gebäude auch ein großer Saal und zwei Kegelbahnen gehören. Sieglinde Blunck betont, sie sei immer sehr gerne Gastgeberin gewesen.

 Viele Clubs wie der örtliche Sportverein und der Tischtennisverein Altengörs trafen sich im Gasthof. Doch manche Vereine sind mittlerweile aufgelöst, oder haben eigene Quartiere. Am anderen Ortsende steht das gemeindliche Dorfgemeinschaftshaus. Ewig treu geblieben ist die Gemeindevertretung aus dem Nachbardorf Bahrenhof dem Utspann. Sie tagt bis heute dort.

 Auch viele Stammgäste zieht es weiter ins Utspann. So gab es bis vor kurzem sogar noch zwei Sparclubs, mit insgesamt rund hundert Mitgliedern. Feste werden immer noch viele gefeiert, etwa Hochzeiten und Konfirmationen. Auch Spargelessen und Grünkohlabende zählen weiter zum festen Programm. Zu den Klassikern im Speiseangebot gehören die hausgemachten Fleischklößchen. Uwe Blunck formt die vielen Bällchen aus Hackfleisch selbst. „Nebenbei schaue ich Fernsehen.“

 Der Betrieb kann nur noch deshalb laufen, weil auch die Kinder und andere Mitglieder der Familie mit anpacken. Doch ein Branchentrend ist auch in Wakendorf I zu spüren. Laufkundschaft unter der Woche ist selten geworden, auch wenn der Gasthof bis weit in den benachbarten Kreis Stormarn bekannt ist. Geöffnet haben die Bluncks zwar täglich ab 17 Uhr, außer mittwochs.

 Doch Gäste kommen vor allem am Wochenende, zu festen Veranstaltungen. Mit der Zeit sei es immer weiter abgeebbt, erzählt das Paar. Es gebe einen Generationswechsel. „Die Älteren können irgendwann nicht mehr kommen“, sagt Sieglinde Blunck, „und die Jüngeren bleiben abends lieber zu Hause.“ Viel verändert hat sich im Gasthof nicht, der mit vielen persönlichen Stücken eingerichtet ist. So zieren rund hundert alte Kaffeekannen reihum die Fensterbänke. Sieglinde Blunck hat sie mit der Zeit gesammelt, auf Flohmärkten gekauft, oder von Gästen geschenkt bekommen, die von Bluncks Hobby wussten. Im Flur stehen ein kleiner Bücherflohmarkt, eine historische Singer-Nähmaschine und uralte Kasse aus einem Autohaus.

 Einige Veranstaltungen sind bis zum endgültigen Schluss noch geplant. Auch eine Abschiedsparty. Einen Nachfolger wird es nicht geben. „Es bleibt definitv keine Gastwirtschaft“, sagt Sieglinde Blunck, die immer nur Mieterin war. Die bisherige Besitzerin habe das Gebäude kürzlich an einen Mann aus Glinde verkauft. Der wolle es zu Wohnungen umbauen.

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