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Seit 100 Jahren eine Bank

Bad Segeberg Seit 100 Jahren eine Bank

Es ist in diesem Sommer genau 100 Jahre her, dass der damalige „Segeberger Vorschuss-Verein“ im Rahmen einer eher bescheidenen Feierstunde sein neues Bankgebäude einweihte. Heute residiert in dem prominent gelegenen Komplex die Hauptstelle der VR Bank Neumünster.

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Der vorgewölbte Mittelbau des barockgegliederten Baukörpers wird durch vier Backsteinsäulen fein gegliedert. 2015 ist das Gebäude der Volksbank 100 Jahre alt.

Bad Segeberg. Die Segeberger Zeitung erinnert nicht nur an die Entstehung dieses bemerkenswerten Bauwerks, sondern streift auch die Geschichte dieser Bank.

 Den Standort hatte der Vorstand seinerzeit mit Bedacht gewählt: Seitdem beherrscht dieser repräsentativ gestaltete Backsteinbau mit seinem nach vorn gewölbten Mittelteil nicht nur den Platz, der sich durch die vorbeiführenden Kirch- und Kurhausstraße gebildet hat, sondern schließt die an dieser Stelle einmündende Hamburger Straße förmlich ab.

 Als das Haus für seine Kunden geöffnet wurde, bestand besagter Vorschussverein – so hieß der Vorvorgänger der heutigen Bank – bereits fast 50 Jahre. Nun endlich war es ihm vergönnt, in der Stadt ein eigenes, zentral gelegenes Gebäude zu beziehen; und das auch noch in exponierter Lage.

 Mit dem Erlass des Genossenschaftsgesetzes in Preußen 1867 war in Segeberg auf Initiative der beiden örtlichen Lehrer Mückenheim und Hein am 10. November 1867 der „Vorschuss-Verein zu Segeberg e. G.“ gegründet worden. Dort konnten Handwerker und Kleingewerbetreibende einfache Kredite erhalten. Der Geschäftsbetrieb begann am 8. Februar 1868. Erster Direktor wurde Kaufmann J. W. C. Hechler, Lehrer Chr. Mückenheim übernahm das Amt des Kassierers, Kantor und Lehrer J. C. Hein führte die Bücher. Mehrere Jahre lang stellte Kassierer Mückenheim in seiner Wohnung in der Kirchstraße 42 (neben der Bäckerei Ohrt) zwei Zimmer als Geschäftsräume zur Verfügung. Kassenzeit war damals an jedem Sonnabend von 17 bis 19 Uhr.

 Ab 1. September 1886 vermietete Frisör Adolf Lange dem Verein dann Zimmer an der Kirchstraße 39. Die Geschäfte liefen so gut, dass im Jahr 1905 eine Hälfte des Langeschen Hauses durch Umbau für die Bank hergerichtet und auf zehn Jahre gemietet wurde. Bereits 1913 machten sich Vorstand und Aufsichtsrat jedoch Gedanken über ein eigenes Geschäftshaus. Ihnen lagen drei Angebote vor, doch die Herren entschieden sich dafür, die in Zwangsverwaltung befindliche Immobilie „Hotel zur Börse“ in der Kieler Straße 1 – heute Kurhausstraße – für 55000 Mark zu kaufen.

 Bei dem ausgeschriebenen Architektenwettbewerb wurden 17 Entwürfe eingereicht. Gewinner war der in Neumünster ansässige Architekt Hans Ross (1873-1922), dessen Entwurf auch realisiert wurde. Am 2. Juli 1914 erfolgte die Grundsteinlegung. Die Maurer- und Zimmerarbeiten erledigten die Gebrüder Julius und Friedrich Meyer aus Segeberg. Die Inneneinrichtung entwarf der in Segeberg gebürtige, in Berlin lebende Innenarchitekt Karl Dabelstein. Sein Bruder, der Segeberger Tischlermeister Paul Dabelstein, führte die Arbeiten aus. Die gesamten Baukosten beliefen sich auf 135000 Mark. Wegen der Kriegswirren verzögerte sich die Fertigstellung jedoch um einige Monate. Trotzdem konnte nach knapp einem Jahr, am 28. Juni 1915, die Einweihung gefeiert werden.

 Aus diesem Anlass versammelten sich der Bankvorstand, die Mitglieder des Aufsichtsrates und die Angestellten morgens um 8 Uhr im Sitzungssaal. In seiner Ansprache dankte Christian Wulff, Druckereibesitzer und Herausgeber des Segeberger Kreis- und Tagesblattes (heute Segeberger Zeitung) als Vorsitzender des Aufsichtsrates dem Architekten Hans Ross und den Segeberger Handwerkern für das „recht gelungene Heim“ der Genossenschaft, das sich würdig dem Auge darbiete.

 Vor 100 Jahren war die geräumige Vorhalle sogar noch mit Marmor ausgelegt, die Wände waren mit Eichenholz vertäfelt und eine breite Treppe aus Eiche führte zu den Geschäftsräumen: links durch eine Flügeltür, die nach Geschäftsschluss durch ein eisernes Scherengitter gesperrt wurde. Früher trennte eine lange Tonbank im Hauptgeschäftsraum die Kunden von den Arbeitsplätzen der Angestellten.

 1920 firmierte der Vorschuss-Verein in „Segeberger Bank eGmbH“ um. 1941 erfolgte wieder eine Namensänderung in „Segeberger Volksbank eGmbH“ – kurz „Volksbank“. Als die Volksbank später in unruhiges Fahrwasser geriet, fusionierte sie 1999 mit der Volks- und Raffeisenbank Neumünster und trägt seitdem den Namen „Hauptstelle der VR Bank Neumünster“.

 Modern ausgestattete Arbeitsplätze zu schaffen und trotzdem den Charme des Ursprünglichen zu bewahren, gelang der Bank bei der 2002 groß angelegten Renovierung. Das Innenleben der Räume wurde vollständig umgestaltet. Viel Glas und Licht kamen dazu; trotzdem blieben die Holzverkleidungen an den Wänden erhalten. So bietet heute die Bank ein modernes Erscheinungsbild mit dem Gefühl, in ehrwürdigen, geschichtsträchtigen Räumen zu sein.

 Das nunmehr 100 Jahre alte Gebäude ist ein bedeutender Repräsentant der norddeutschen Backstein-Baukunst vor Beginn des Ersten Weltkrieges und wurde deshalb auch in die Kunst-Topographie Schleswig-Holsteins aufgenommen.

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