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Dem Vergessen entreißen

Bad Bramstedt Dem Vergessen entreißen

In der Rolandstadt erinnert nicht viel an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte. Dass die Grausamkeit von Krieg und Gewaltherrschaft auch vor den Toren der Kleinstadt nicht halt machten, zeigt das Beispiel des Sowjetbürgers Hamid Chamido, der auf dem Todesmarsch von Hamburg-Fuhlsbüttel nach Kiel am 13. April 1945 ermordet wurde.

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„Auf der Flucht erschossen“ heißt es auf der Sterbeurkunde von Hamid Chamido, die im Stadtarchiv Bad Bramstedt liegt. Der KZ-Häftling aus Russland wurde nur 23 Jahre alt. Weiter ist über ihn nichts bekannt. Weder der Wohnort noch der Geburtsort konnten in der 1947 erstellten Sterbeurkunde vermerkt werden.

Quelle: hfr

Bad Bramstedt. Eher durch Zufall kam diese Tat an die Öffentlichkeit. Der Kulturausschuss verständigte sich am Donnerstagabend darauf, mit einer Gedenktafel die Erinnerung an die Bluttat wach zu halten.

 Von Chamido ist eigentlich nur das Geburtsdatum bekannt: 9. März 1922 und die Tatsache, dass er aus der Sowjetunion stammte. Der junge Mann war KZ-Insasse, vermutlich in Hamburg-Fuhlsbüttel. Als gegen Kriegsende von Süden her die Engländer näher rückten, wurden die Konzentrationslager geräumt, um die Verbrechen vor den Alliierten zu verschleiern. Die Insassen wurde auf die sogenannten Todesmärsche geschickt, die viele nicht überlebten. Die Häftlinge des KZ-Außenlagers Fuhlsbüttel wurden im April 1945 nach Kiel getrieben, wo die Überlebenden am 17. April im Arbeitserziehungslager Nordmark in Kiel-Hassee ankamen. Der Marsch führte über Kaltenkirchen und Bad Bramstedt. Schon am ersten Marschtag, der nach Kaltenkirchen führte, wurden drei Häftlinge von den SS-Bewachern erschossen - auf der Flucht, hieß es offiziell. Doch für das Todesurteil reichte es schon, vor Erschöpfung zusammenzubrechen.

 Am nächsten Tag ging es weiter nach Großenaspe-Dorotheental, wo - wie zuvor schon in Kaltenkirchen - in der Scheune eines Bauernhofes übernachtet wurde. Doch Hamid Chamido erreichte dieses Ziel nicht. Bei den Mergelkuhlen in Bad Bramstedt wurde er „auf der Flucht erschossen“. So steht es in der Sterbeurkunde, die zwei Jahre später im März 1947 das Standesamt Bad Bramstedt ausstellte. Die Mergelkuhlen sind heute die Fischteiche am Kreisverkehr zwischen Bad Bramstedt und Lentföhrden. Was dort damals genau passierte, ist nicht bekannt. Chamido wurde noch am selben Tag auf dem Friedhof in Bad Bramstedt beigesetzt.

 Doch in Vergessenheit geraten soll die Tat nicht. Im April dieses Jahres hatte der Verein Christliche Israelfreunde Norddeutschland zum „Marsch des Lebens“ aufgerufen, auf dem die Route von damals nachgegangen wurde. Die Wanderer machten auch in Bad Bramstedt Station. Hier wurden sie von Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach und Vertretern der Kirche empfangen. Dabei kam auch der Mord von damals zur Sprache. Kütbach sicherte zu, sich für eine Gedenktafel einzusetzen.

 So landete das Thema nun im Kulturausschuss. Allerdings soll nicht die Stadtverwaltung allein die Hinweistafel erarbeiten. „Wir sollten die weiterführenden Schulen und die KZ-Gedenkstätte Springhirsch mit einbinden“, schlug Kütbach vor, wofür er die Unterstützung aller Ausschussmitglieder bekam. Ina Koppelin (FDP) lobte den Bürgermeister für „den sehr guten Empfang“ der Marschierer im April. Er habe die richtigen Worte gefunden, „du hast etwas sehr gutes für Bad Bramstedt getan“, sagte Koppelin. In anderen Orten sei die Gruppe nicht von offiziellen Vertretern empfangen worden. Die Ausschussmitglieder applaudierten.

 Die Gedenktafel soll nun voraussichtlich auf dem Bleeck aufgestellt werden, an der Stelle, wo das alte Kopfsteinpflaster der Altona-Kiel-Chaussee von 1832 erhalten wird.

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