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Salzsäureunfall in Bad Segeberg

Bahnhofstraße gesperrt Salzsäureunfall in Bad Segeberg

Ein Gefahrgut-Transporter hat am Mittwochvormittag hochkonzentrierte Salzsäure verloren. Die Bahnhofstraße in Bad Segeberg musste daraufhin für den Verkehr gesperrt werden.

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In Bad Segeberg hat sich ein Gefahrgut-Unfall ereignet.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Der Fahrer schob die Plane seines Lastwagens zur Seite und stutzte. Hier stimmte etwas nicht. Ganz und gar nicht. Ein scharfer, stechender Geruch schlug ihm entgegen. Eine gelbliche, dampfende Flüssigkeit breitete sich auf der Ladefläche aus. Kanister, die aufrecht hätten stehen müssen, waren umgestürzt. Etwas tropfte aus dem Inneren. Der Mann machte einen Satz rückwärts. Seine Geistesgegenwart rettete ihm Augenlicht und Atemwege. Ein spektakulärer Unfall mit Salzsäure bescherte der Freiwilligen Feuerwehr gestern einen sechsstündigen Einsatz in der Bahnhofstraße.

Der Wagen eines Hamburger Spedition war gegen 9 Uhr vor dem Ladengeschäft der Firma Gummi-Hamann vorgefahren. Deren Slogan ist es, „alles“ im Sortiment zu haben – auch die ätzende Säure. „Die braucht man zum Beispiel auf Baustellen zum Absäuern der Wände, wenn dort ein Kalkschleier drauf ist“, schildert Unternehmer Rolf Hamann. „Wir verkaufen seit Jahrzehnten Salzsäure.“ Bis gestern habe es noch nie Probleme mit dem gefährlichen Stoff gegeben.

Hamann stand neben dem Fahrer, von dessen Hamburger Spedition er seit langem beliefert wird. „Da kam eine Säurewolke aus dem Lkw.“ Auf dem Fahrzeug befanden sich unter anderem 24 Behälter mit je 20 Litern hochprozentiger Salzsäure. Drei davon waren verrutscht, umgekippt und teilweise ausgelaufen.

Der Mann wusste, was nun zu tun war: Er wählte den Notruf und nannte am Telefon auch gleich die UN-Nummer 1789, die international zur Identifizierung von Gefahrgut dient. Somit konnte die Leitstelle Holstein den Feuerwehrleuten sofort mitteilen, auf was sie sich einzustellen haben. Neben der Bad Segeberger Wehr wurde der ABC-Zug des Kreises zur Unterstützung nachalarmiert. Die Anwohner wurden über Rundfunk aufgefordert, ihre Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Das Gelände um die Unfallstelle wurde weiträumig abgesperrt. Über Stunden war der Haupteingang der Firma Kaufland nicht mehr benutzbar. Die Kunden mussten über eine Wendeltreppe an der Seite des Gebäudes aufs Parkdeck steigen und durften von dort aus zum Einkaufen. Die Postbank-Filiale wurde geschlossen, auch das benachbarte Goldschmiede-Geschäft und Gummi-Hamann waren abgeschnitten.

Die Oldesloer Straße, die Straße Am Kleinen See und die Bahnhofstraße wurden vollständig dicht gemacht. Hintergrund: Bei solch einem Chemie-Unfall muss die Absperrung in mindestens 50 Metern Entfernung liegen.

„Nach den ersten Absperrmaßnahmen wurde ein Trupp in Chemikalienschutzanzügen zur Erkundung eingesetzt, der mit Hilfe von Wassernebel und Testpapier erste Erkenntnisse lieferte“, schildert Wehrführer Mark Zielinski. „Es wurde am Fahrzeug und auf der Ladefläche ein hoher Säurewert gemessen.“ Nachdem weitere Feuerwehr-Trupps die umgestürzten Kanister aufgerichtet hatten, wurde mit dem Umlagern in Transportbehälter begonnen. Diese hatte der Wege-Zweckverband als Entsorger angeliefert. Parallel verdünnten die Feuerwehrleute die Säure mit Wasser und streuten Säurebinder aus.

„Die Stadt Bad Segeberg unterstützte die Einsatzleitung mit Abwasserplänen, auf denen mehrere Messpunkte festgelegt wurden“, erklärt der Wehrführer. Schließlich war die Säure vom Lkw gelaufen und durch den stetigen Nieselregen schnell in die Gullis gespült worden. Zielinski. „Noch am Graben im Winklersgang wurden zeitweise erhöhte Werte gemessen, die sich jedoch mit der eingeleiteten Verdünnung schnell wieder in den neutralen Bereich normalisierten. Die Schadenstelle konnte somit auf den unmittelbaren Bereich um das Fahrzeug begrenzt werden.“ Verletzt wurde durch die Säure niemand.

Allerdings mussten der Lkw, die Straße und Teile der Kanalisation mit Hilfe von Spezialgeräten des ABC-Zuges gereinigt werden. Erst als die Mess-Ergebnisse in Ordnung waren und eine Gefährdung ausgeschlossen werden konnte, war der Einsatz gegen 15 Uhr beendet.

Feuerwehr und Polizei hatten es an der Absperrung im Laufe der Stunden mit etlichen uneinsichtigen Zeitgenossen zu tun. Einige wollten zu Kaufland, andere zum Friseur, wieder andere zu ihren Autos auf dem Parkplatz Gieschenhagen oder zum Zug. Die Einsatzkräfte mussten sich teilweise derbe Pöbeleien und Vorwürfe anhören. Vereinzelte Passanten schlüpften trotz eindeutigen Verbots sogar unter der Absperrung durch und liefen mitten durch die Gefahrenzone. Dort wurden sie von der Polizei eingesammelt und müssen laut Zielinski nun mit einer Anzeige rechnen.

Es waren über 60 Feuerwehrleute in 15 Fahrzeugen, sieben Polizeibeamte in vier Streifenwagen, der Rettungsdienst und Mitarbeiter des Ordnungsamtes im Einsatz. Auf die Spedition dürfte somit eine saftige Rechnung zukommen.

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