18 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Vollsperrung war überflüssig

Geschäftsleute sauer Vollsperrung war überflüssig

Die Baustelle in der Eutiner Straße wächst sich zu einem Skandal aus: So wurde der Abschnitt zwischen Bismarckallee und Ortsausgang mehr als drei Tage lang für die Asphaltierung voll gesperrt – obwohl wegen Nässe gar nicht gearbeitet wurde. Den ansässigen Firmen laufen die Kunden weg.

Voriger Artikel
Kürzung „schwer nachvollziehbar“
Nächster Artikel
Tod im Bad: Ein Unglücksfall

Das Befahren der Eutiner Straße wird seit Wochen durch Bauarbeiten behindert. Darunter leiden die ortsansässigen Unternehmen ganz erheblich.

Quelle: Michael Stamp

Bad Segeberg. Von 20 Uhr am Freitag bis 5 Uhr am Montag sollte die Eutiner Straße komplett dichtgemacht werden, damit die in den vergangenen Wochen abgefräste und ausgebesserte Fahrbahn neu asphaltiert werden konnte. Einige Unternehmen machten daraufhin am Sonnabend gar nicht erst auf, andere arbeiteten mit einer Notbesetzung. Mit dem Auto konnten nämlich weder Kunden noch Belegschaft oder Lieferanten die Grundstücke erreichen.

 Doch dann kam der große Regen, der später am Tag auch der Karl-May-Premiere ein verfrühtes Ende bescheren sollte. Während dort immerhin die erste Hälfte der Aufführung gezeigt werden konnte, ging es an der Eutiner Straße gar nicht erst los. „Unter-Wasser-Beton gibt es, aber Unter-Wasser-Asphalt leider nicht“, sagt Robin-Arne Otten vom Städtischen Bauamt.

 Doch auch als klar war, dass eine Asphaltierung nicht in Frage kommt, blieb die Vollsperrung bestehen – und das nicht nur, wie angekündigt, bis Montag früh. „Das ging bis Dienstag morgen“, schildert Otten. „Wir mussten bei der Baufirma richtig massiv werden.“

 Den ganzen Montag über sei das zuständige Unternehmen nicht erreichbar gewesen, klagt Otten. „Die Firma hat sich schlafen gelegt – zumindest uns gegenüber. Normalerweise hätte man sofort, als klar war, dass nicht gearbeitet werden kann, die Sperrung aufgehoben werden müssen. Warum sollen wir den Autofahrern alles in den Weg stellen, wenn es keinen Sinn macht? Das war mega-ärgerlich.“ Mancher habe eigenhändig die Baken beiseite geräumt oder sei über den Bürgersteig gefahren.

 Bei den betroffenen Unternehmen ist die Stimmung am Tiefpunkt angekommen. „Das ist für uns ein Alptraum“, sagt Claudia Markowitz von der Mäx-Farbenzentrale. „Wir haben Umsatzeinbrüche von 40 Prozent, seit die Baustelle da ist.“ Am Sonnabend sei das Unternehmen gleich ganz geschlossen gewesen – wie auch Penny und KiK. Das Wirrwarr der Beschilderung sei ohnehin ein Problem. „Es ist für den Kunden nicht ersichtlich, ob er zu uns fahren kann.

 Gerade jetzt im Frühsommer seien die Einschränkungen sehr schmerzlich. „Wir haben jetzt ja Hochsaison, haben aber Umsätze wie im Winter“, erklärt Claudia Markowitz. „Das kann alles nicht sein.“ Nach der Schließung am Sonnabend war die Farbenzentrale am Montag wieder geöffnet – und die Kunden durften immer noch nicht mit dem Auto herankommen. Daher habe das Team ihnen die schweren Farbeimer und die sperrigen Tapetenrollen zu den außerhalb der Baustelle geparkten Autos getragen. „Das war ein Geschleppe vor dem Herrn.“

 Etliche Kunden seien zu den umliegenden Baumärkten abgewandert. Einer sagte Claudia Markowitz ins Gesicht: „Man muss euch schon sehr lieb haben, um noch zu kommen.“ Die Unternehmerin wirft der Stadtverwaltung vor, ihre Aufsichtspflicht verletzt und die Baustelle nicht genügend im Blick zu haben.

 Nachbar Reinhard Schweim hatte am Sonnabend als Notbesetzung allein in seinem Elektrofachgeschäft gestanden. „Ich hatte meinen Leuten frei gegeben.“ Auch er ist auf das Rathaus nicht gut zu sprechen. „Ich finde es eine Frechheit von der Stadt, dass sie die Sperrung noch nicht mal kontrolliert hat. Das ist ganz schlimm.“ Otten räumt ein, dass man sich bei der Beschilderung auf die beauftragte Baufirma verlassen habe.

 Glücklicherweise sind die Baken inzwischen abgebaut. Die Eutiner Straße ist benutzbar – auch wenn man an den Übergängen zur Baustelle ein wenig aufpassen muss. Sämtliche Geschäfte sind daher wieder genau so gut erreichbar wie vor der Baustellenzeit.

 Ende Juli wird sich daran aber noch einmal etwas ändern. Da ab sofort mehrere Großveranstaltungen auf dem Landesturnierplatz stattfinden, kann für die Asphaltierung erst am 30. und 31. Juli ein neuer Anlauf genommen werden. Otten hofft, dass dann das Wetter mitspielt und die Straße schnell wieder frei ist.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Aktuelle Nachrichten aus der Segeberger Zeitung
Mehr aus Nachrichten aus Segeberg 2/3