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Neuer Bleeck: Hat es sich gelohnt?

Bad Bramstedt Neuer Bleeck: Hat es sich gelohnt?

Die Umbauarbeiten auf dem Bleeck stehen vor dem Abschluss. Wird die Innenstadt nun attraktiver oder haben sich die Gesamtausgaben von rund 1,6 Millionen Euro nicht gelohnt? Die Anlieger sind geteilter Meinung über den neuen Platz.

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In der Hamburger Straße liefen gestern die Asphaltierungsarbeiten.

Quelle: Einar Behn

Bad Bramstedt. Vor allem die Anwohner auf der Ostseite ärgern sich über die hohen Ausbaubeiträge, die sie bezahlen müssen.

Am Sonnabend, 31. Oktober, soll der Bleeck feierlich eröffnet werden. Dann sind auch die Restarbeiten abgeschlossen, die zurzeit laufen. Der Straßenabschnitt der Hamburger Straße zwischen der Einmündung Lohstücker Weg und dem Bleeck wurde gestern neu asphaltiert. Er hat nun auch einen gepflasterten Bürgersteig. Wie schon beim anderthalbjährigen Verkehrsversuch wird es keine Zufahrtsmöglichkeit vom Süden durch die Hamburger Straße zum Bleeck geben.

 Mitarbeiter des städtischen Bauhofes pflanzten gestern drei Säulenweißbuchen in die Beete auf der Veranstaltungsfläche. Dort kommt auch noch das Fontänenfeld hin. Die Fördergelder sind dafür bisher aber nicht freigegeben worden, sodass es wohl erst im Frühjahr angelegt werden kann. Sitzbänke fehlen noch und einige Installationsarbeiten sind noch erforderlich. „Bis zum Monatsende sind wir damit aber durch“, ist sich Bauamtsleiter Udo Reinbacher sicher. Ein knappes halbes Jahr haben die Bauarbeiten dann gedauert.

 Schon jetzt ist erkennbar, wie das Zentrum der Stadt aussehen wird – und das trifft auf unterschiedliche Meinungen. Detlef Becker betreibt das Optik-Geschäft Brillen-Bube auf der Westseite des Marktplatzes. „Ich habe mir drei Abende um die Ohren geschlagen und am Ende hat die Stadt doch gemacht, was sie will.“ Becker meint damit die Workshops, die ganz am Anfang der Umbauten standen. Die Bürger sollten daran mitwirken, machten auch diverse Vorschläge. Doch verwirklicht wurde dann das, was in unzähligen Sitzungen vom Stadtplanungsbüro AC Planer Itzehoe, Bauamt und Stadtverordneten erarbeitet wurde. Das graue Betonpflaster findet der Optiker trist, da hätte auch der Asphalt liegen bleiben können. Und die neuen Lampen sind nach seinem Geschmack einfach nur hässlich. „Die alten passten doch viel besser zu dem Platz.“. Dass die Hamburger Straße in nördlicher Richtung ab der Esso-Tankstelle gesperrt wird, gefällt ihm ebenfalls nicht. „Wir schaffen damit einen riesigen Kreisverkehr rund um das Dänische Bettenlager und die Raiffeisenbank.“

 Der Geschäftsinhaber ist aber froh, dass die Bauarbeiten nun bald abgeschlossen sind. „Ich hatte Umsatzeinbußen von 30 bis 35 Prozent“, sagt Becker, und das über ein Dreivierteljahr. „Die Leute haben mein Geschäft einfach nicht mehr gefunden.“ Einen dauerhaften Umsatzrückgang durch die Umgestaltung erwartet er aber nicht. „Das Geschäft hat hier am Bleeck Zukunft“, sagt er. Die Stadt müsse den Platz nun aber auch pflegen und sauber halten, was in der Vergangenheit nicht immer der Fall gewesen sei. Und wünschenswert findet Becker, dass der Weihnachtsmarkt auf dem Bleeck veranstaltet wird und nicht auf dem Kirchenbleeck. „Er gehört einfach hierher, dafür ist es doch der Marktplatz.“

 Nur wenige Schritte sind es von Brillen-Bube zur Esso-Tankstelle, die Peter Schlömer seit fünf Jahren betreibt. Auch er ist froh, dass nun bald Normalität wieder einkehrt. „Mir fehlen durch die Baustelle rund 4000 Euro Umsatz am Tag“, sagt der Pächter. Rund 200 Kunden seien pro Tag weniger gekommen. Doch auch Schlömer glaubt an eine gute Zukunft. Er plant gerade den Bau einer neuen Waschanlage für 82000 Euro. Dennoch hätte er es lieber gesehen, wenn in der Hamburger Straße wenigstens eine schmale Durchfahrt zum Bleeck bleiben würde. Grund: Die Autofahrer nutzen seine Tankstelle, um über die Altonaer Straße auf den Bleeck zu gelangen. „Ich habe schon einen Zebrastreifen vor dem Verkaufsraum aufgemalt, weil es richtig gefährlich ist.“

 Hans-Jürgen Tackmann als Inhaber der gleichnamigen Bäckereikette hofft, dass mit dem Abzug der Bauarbeiter sein „Coffee House“ am Bleeck bald wieder zu alten Umsatzzahlen zurückkehrt. „Wir hatten die Sommermonate über wirklich eine schwierige Zeit.“ Dreiviertel seiner Kunden kämen mit dem Auto und seien weggeblieben, als der Platz gesperrt war. „Wir hatten hier Totentanz.“ Den neu gestalteten Marktplatz findet er aber „schon schön“. Einziger Wermutstropfen: Der Boostedter Großbäcker musste 6500 Euro Ausbaubeiträge an die Stadt bezahlen.

 Diese Beiträge mussten nur die Anlieger auf der Ostseite aufbringen, obwohl sich dort gar nichts verändert hat. Grund ist ein Gerichtsurteil zu den in den 1990er Jahren erhobenen Ausbaubeiträgen für die damalige Bleeck-Umgestaltung. Sie konnte wegen der noch fehlenden Umgehungsstraße nicht abgeschlossen werden. Das Gericht entschied, dass nur die Westseite komplett und endgültig abgerechnet werden durfte. Allerdings wurden auch damals schon die Ostanlieger zur Kasse gebeten, so dass sie nun zweimal für den Bleeck bezahlen mussten.

 Richtig verärgert ist deshalb Holger Ebeling, Inhaber des Hotels „Zum Bramstedter Wappen“. Rund 10000 Euro musste er überweisen. „Für mich hat sich aber nichts geändert, ich habe keine Vorteile von der Umgestaltung.“ Die Stadt hätte den Asphalt doch belassen können, meint er. Der sei ja 2013 erst teilweise erneuert worden. Damals hatte noch der Bund die Kosten für diese ehemalige Bundesstraße getragen. Für seinen Hotelbetrieb erwartet er keine Nachteile. Seinen Restaurantbetrieb hat Ebeling allerdings aufgegeben. Die Gaststätte ist renovierungsbedürftig, doch wegen der Zahlung an die Stadt fehlte das Geld dafür.

 Seinem Nachbarn Reimer Fülscher, Betreiber eines Eisenwarengeschäfts, gefällt der neue Bleeck hingegen „richtig gut“. Nun bleibe nur zu hoffen, dass er auch belebt wird. 8000 Euro muss Fülscher als Ausbaubeitrag bezahlen. Das sieht er gelassen. „Wir haben ja gewusst, dass da was auf uns zukommt.“

 Am Sonnabend, 31. Oktober, wird der Bleeck mit einer kleinen Feier offiziell wiedereröffnet.

 Bürgermeister Hans-Jürgen Kütbach und Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt werden um 11 Uhr symbolisch ein Band durchschneiden, anschließend wird mit Sekt angestoßen. Bei einem Rundgang über den Bleeck wird die Stadtverwaltung einige Informationen zum Umbau des Marktplatzes geben. Die Wochenmarkthändler beteiligen sich mit einer Gutscheinverlosung an der Feier. Außerdem wird ein Ballonkünstler engagiert.

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