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Überfall blieb rätselhaft

Glasau Überfall blieb rätselhaft

Zwei Jahre auf Bewährung und 4000 Euro Schmerzensgeld – mit dieser Strafe kam ein 28-Jähriger aus Glasau davon, der im Juli 2015 eine 56-Jährige Dorfbewohnerin überfallen und gewürgt hatte. Das Schöffengericht in Bad Segeberg erkannte auf schwere Körperverletzung und Nötigung.

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Das Schöffengericht in Bad Segeberg erkannte auf schwere Körperverletzung und Nötigung.

Quelle: dpa/Archiv

Glasau. Schon bei der ersten Verhandlung vor dem Schöffengericht am Amtsgericht hatte der Mann vor zwei Wochen die Tat eingeräumt, nachdem durch DNA-Spuren zweifelsfrei gesichert war, dass es seine Schuhe waren, die im Haus der Frau zurückgeblieben waren.

 Auch am Mittwoch suchte das Schöffengericht vergeblich nach einem Motiv des Täters. Er hatte ausgesagt, dass er sich an nichts erinnern könne. Gut dagegen stand der Frau noch alles vor Augen: Wie sie die Türklinke ihres Schlafzimmers hörte, wie der Täter hinein huschte, sich sofort auf sie setzte und ihr die Luft nahm. Mehrere Minuten habe der Kampf gedauert, er habe sie gewürgt, ihr ein Kissen ins Gesicht gedrückt, berichtete die Frau. Nur ihrer Fitness sei zu verdanken, dass sie sich so lange wehren konnte. Ebenso unerklärlich wie er kam, sei der Täter anschließend wieder weggelaufen.

 Der Anwalt des Täters kritisierte, dass seinerzeit keine Begutachtung von Würge-Malen stattgefunden habe. Auch sei nicht klar, wie zurechnungsfähig der Täter war, als er angetrunken gegen 3 Uhr auf dem Heimweg von der Geburtstagsfeier seines Bruders einen anderen Weg einschlug und in das unverschlossene Gehöft im Ortsteil Neuglasau eindrang.

 Unbeantwortet blieb auch bei dieser Verhandlung die Frage nach dem Motiv des Täters. Sowohl er als auch sein Opfer zeigten sich ratlos. Beide kennen sich schon seit der Kindheit des Täters. So schloss Richterin Sabine Roggendorf, „dass Sie irgendein Teufel geritten hat“. Eine Mordabsicht sei jedenfalls nicht nachzuweisen.

 Damit sich das möglichst nicht wiederholt, wurde dem Mann die Betreuung durch einen Bewährungshelfer auferlegt. Außerdem muss er einen großen Bogen um die Frau machen. Auf mehr als 250 Meter dürfe er sich dem Grundstück nicht mehr nähern. 100 Meter Abstand gelte auch außerhalb des Ortes. „Wenn sie mit dem Hund spazieren geht und Sie mit dem Trecker rumkommen, haben Sie ein Problem“, stellte die Richterin klar. Auch telefonisch oder sonstwie ist jede Kontaktaufnahme verboten. Das alles soll helfen, dass sich die Betroffene wieder sicher fühlen kann.

 Außerdem muss der Mann seinem Opfer im Dezember 1000 Euro überweisen und in den folgenden 30 Monaten je 100 Euro. Dass diese Summe angesichts des „Albtraums“ und des „Kampfes auf Leben und Tod“ (Richterin Roggendorf) gering ist, war unter den Anwesenden unstrittig. Sie war jedoch dem Umstand geschuldet, dass der Täter ein geringes Einkommen bezieht.

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