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875-Jahr-Feier: Nur kurze Reden

Groß Kummerfeld 875-Jahr-Feier: Nur kurze Reden

Groß Kummerfeld. Mit einem stimmungsvollen Lichterfest will das Dorf Groß Kummerfeld am Sonnabend, 9. Juli, sein 875-jähriges Bestehen feiern. Keine großen Aktionen, sondern die Dorfgemeinschaft wollen die Kummerfelder in den Mittelpunkt stellen. Alle Einwohner sind zu einem Picknick eingeladen.

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Ein Foto aus der Zeit um 1900 zeigt die alte Räucherei.

Quelle: Detlef Dreessen

Groß Kummerfeld. Vorbild sind die vermehrt organisierten „White Dinners“. „Wir wollten aber nicht alle in Weiß kommen“, sagt Erich Petersen, der mit einem halben Dutzend Mitstreiter die Organisation stemmt. Zivile Kleidung ist angesagt, Sitzgelegenheiten und Tische sollen aber mitgebracht werden sowie etwas zu essen und zu trinken.

 „Alles wird dann geteilt“, nennt Petersen die einzige Regel. Für stimmungsvolles Ambiente werden in den Apfelbäumen der Obstwiese Laternen und Lampions aufgehängt. Große Reden sollen nicht geschwungen werden. Bürgermeister, Pastor und Amtsvorsteher sollen sich kurz fassen. Sogar Franz Großekettler, der die Geschichte Groß Kummerfelds akribisch recherchiert hat, bekommt allenfalls 20 Minuten, um 875 Jahre Dorfgeschichte Revue passieren zu lassen. Er wirft mit einem Beamer Fotos der vergangenen gut 100 Jahre auf die Leinwand.

 Angesichts der Kürze der Zeit werde er vor allem an die Gründer des Dorfes erinnern, kündigte Großekettler an: Menschen, die im 11. Jahrhundert auf der holsteinischen Vorgeest einen Eichen-Birken-Mischwald rodeten und anschließend versuchten, aus dem sandigen und nährstoffarmen Boden etwas zum Leben heraus zu holen. Bei dieser geringen Bodengüte sei zu vermuten, dass das Wort „Kummer“ „schlechtes, unfruchtbares Land “ bedeute, schreibt er auf der Website der Gemeinde.

 Zudem lag das Dorf auf der Grenzlinie des Holstengaus. „Unmittelbar hinter der heutigen Dorfgrenze – dort, wo die Hauptstraße in die Birkenallee mündet – begann das Grenzgebiet.“ So war es, wie Großekettler aus Berichten des Chronisten Helmold recherchiert hat, oft Angriffen der im Osten lebenden Slawen ausgesetzt.

 1139 hatten die Holsteiner genug von „täglichen Mordtaten an Menschen und Raubüberfällen auf die Dörfer“. Holsten und Stormarn brachen ins Slawenland ein und „verheerten es in einem Ansturm mit Raub und Brand“. Im Sommer 1139 eroberten die Holsten die Burg Plön, alle in der Burg befindlichen Slawen wurden erschlagen. „Und wir Kummerfelder waren dabei“, sagt Großekettler.

 Arm blieben die Cumervelder weiterhin. Trotzdem verlangte das Kloster Neumünster wie damals üblich ein Zehntel der Erträge des Dorfes als Abgabe. Darauf weist ein Schreiben hin, das zugleich als erste urkundliche Erwähnung gilt: Am 11. Juli 1141 verlieh Adalbero, Erzbischof von Hamburg, Vicelin und dem Augustinerchorherrenstift Neumünster den Zehnten von fünfzehn Dörfern, unter ihnen „Cumervelde“.

 Jahrhunderte lang blieb die Armut in Kummerfeld zu Hause. Das zeigen Verzeichnisse zur Steuererhebung. Bauer Hans Hauschildt etwa war um 1700 hoch verschuldet „und singet, um etwas Geld zu verdienen“. Casper Lau schlug sich durch, indem er Altkleider sammelte und diese an die Papiermühle verkaufte, und Hinrich Brüggen hatte Haus und Hof verpfändet „und kein Pferd und keine Kuh mehr“.

 Noch um 1900 lagen die Groß Kummerfelder Bauern am untersten Ende der Ertragsstatistik.

 Inzwischen ist die Gemeinde, zu der neben den Ortsteilen Groß Kummerfeld und Kleinkummerfeld das Dorf Willingrade gehört, ein gut situierter Vorort von Neumünster mit eigener Schule, Kindergarten, Sportverein, Feuerwehr, Schützenverein und mehreren Treffpunkten wie dem Cumerveldhus. Grundstücke in Neubaugebieten sind stets begehrt. Die wenigsten Einwohner sind noch Landwirte. Zahlreiche Vereine, Verbände und Initiativen gestalten das Dorfleben im Alltag und bei besonderen Feiern. Und das soll sich auch am Jubiläumstag zeigen beim Dorf-Picknick mit anschließendem Tanz, zu dem die Liveband „Alles in Ordnung“ aus Neumünster aufspielt.

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