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Beim Windpark hakt es

Groß Niendorf Beim Windpark hakt es

Groß Niendorf. Die Planungen der Firma Windkraft Nord AG für den Bau dreier Windkrafträder verzögern sich. Behörden fordern weitere Untersuchungen. Bestärkt sieht sich die Wählergemeinschaft LGN (Lebenswertes Groß Niendorf) in ihrer Kritik.

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Die LGN-Politiker Dirk Dombrowski (von links), Rüdiger Döll und Christian Schoof sehen gute Chancen, dass die geplanten Windkraftanlagen in Groß Niendorf nicht errichtet werden.

Quelle: Harald Becker

Groß Niendorf. „Der Naturschutz, speziell der Vogelschutz, verbietet eine Errichtung der Windkrafträder“, sagt Rechtsanwalt Christian Schoof vom Vorstand der LGN. Er hatte vor zwei Jahren einen toten Rotmilan an einem bereits bestehenden Windkraftrad auf dem angrenzenden Tralauer Gebiet gefunden. Außerdem kartierte er längere Zeit die Flugrouten von Rotmilan und Seeadler. Schoof hält außerdem einen Abstand der Masten zur Wohnbebauung von 800 Metern für zu gering.

 Schon im März 2013 hatte die WKN beim Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) beantragt, drei Windkrafträder bauen und betreiben zu dürfen. Sie hätten eine Gesamthöhe von 150 Metern, bei einem Rotorendurchmesser von 112 Metern. Obwohl zwei Gutachten der WKN dazu dem LLUR vorliegen, hat die Behörde den Bau bislang nicht genehmigt.

 LGN-Vorsitzendem Dirk Dombrowski ist auch klar, warum nicht: „Die Gutachten konnten die Zweifel nicht ausräumen, dass die geplanten Windkraftanlagen für die hier heimischen Großvögel wie Seeadler und Rotmilane sowie Fledermäuse ungefährlich sind. Bisher waren es Gefälligkeitsgutachten für die Investoren, die nicht stimmig sind.“

 Die LGN war selbst zur Tat geschritten. „Wir haben mit eigenen Vogelbeobachtungen und Fotos belegen können, dass die Gutachten fehlerhaft sind“, berichtet stellvertretender LGN-Vorsitzender Rüdiger Döll. „Unsere Erkenntnisse haben wir den Behörden mitgeteilt.“ Auch eine Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Segeberg sage aus, dass die bisherigen Gutachten viele schwere Mängel hätten. „Deshalb wird im Frühjahr eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt.“

 Nach Angaben von Döll wird wegen dieser Prüfung aus dem vereinfachten Genehmigungsverfahren ohne Öffentlichkeitsbeteiligung ein formelles Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung. In einigen Tagen besprächen die Beteiligten, in welchem Umfang die Umweltverträglichkeitsprüfung, also das neue Gutachten, durchzuführen sei.

 „Von Groß Niendorf wird Bürgermeister Claus Fahrenkrog (AWGN) teilnehmen, der sich bisher sehr für die Windkraftanlagen einsetzte. Wir sind außen vor. Das finden wir nicht glücklich“, sagt Christian Schoof. LGN-Vorsitzender Dombrowski betont: „Wir sind für Windkraftanlagen. In unserer näheren Region gibt es geeignetere Flächen, die den Naturschutz und den Abstand zur Wohnbebauung ausreichend berücksichtigen.“

 Bürgermeister Fahrenkrog teilt die Schlussfolgerungen der LGN nicht: „Windkraft kommt nur, wenn alle Kriterien wie Abstand oder Artenschutz eingehalten werden. Der Abstand zur Bebauung ist in Ordnung. Das wurde zweifelsfrei festgestellt. Schützenswerte Vögel sind wohl dort, das dürfte bei einer Abwägung jedoch nicht zu einem Scheitern des Projektes führen.“ Allerdings müsse ein Betreiber vielleicht Einschränkungen im Betrieb der Windräder in Kauf nehmen, etwa zu Brutzeiten der Vögel.

 Sollte die Umweltverträglichkeitsprüfung doch Windkraftanlagen ermöglichen, hält die LGN eine Klage für denkbar. „Dies könnte im Rahmen einer Organklage durch die Umweltschutzorganisationen NABU oder BUND erfolgen“, sagt Christian Schoof. „Wir als Wählergemeinschaft sind dazu nicht berechtigt.“

 Kritisch schauen die Behörden auf das Windpark-Projekt. Von „artenschutzrechtlichen Problemen bei Fledermäusen und Rotmilan“ sprechen das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) und die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis. Außerdem würden Daten zum Seeadler fehlen.

 Ein Brutplatz befindet sich 2,5 Kilometer von den geplanten Maststandorten entfernt, also innerhalb der 3-Kilometer-Tabuzone. Sie wäre nur dann nicht gültig, wenn „Einzelnachweise zur Unbedenklichkeit“ des Bauprojekts für den Seeadler erbracht werden, sagt ein LLUR-Sprecher. Ein von der WKN vorgelegtes Gutachten reicht den Behörden nicht.

 Zusammenfassend urteilen die Behörden: Das Projekt „berührt Belange des Naturschutzes und der Landschaft erheblich“. Deshalb sei nun eine Umweltverträglichkeitsprüfung nötig.

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