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2900 Einwohner - 86 Flüchtlinge

Großenaspe 2900 Einwohner - 86 Flüchtlinge

Rund 70 Einwohner interessierten sich für die derzeitige Flüchtlingssituation im Ort. Sie waren in die Grundschule gekommen, wo Verwaltung und Kommunalpolitik die Bürger informierten. Es gab wenig Kritik, und auch von Problemen war kaum die Rede. 86 Flüchtlinge leben zurzeit unter den rund 2900 Großenaspern

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Berichteten über die Situation in Großenaspe: Flüchtlingsbeauftragter Holger Altenscheid (v. l.), Amtsmitarbeiter Sven Klinger, stellvertretender Landrat Claus-Peter Dieck und Bürgermeister Torsten Klinger.

Quelle: Uwe Straehler-Pohl

Großenaspe. Diese Zahl nannte Sven Klinger, Bruder des Bürgermeisters und in der Amtsverwaltung zuständig für die Koordination von Flüchtlingsangelegenheiten. 24 kommen aus Afghanistan, 22 aus Irak, 19 aus Syrien; die übrigen verteilen sich auf andere Länder. Im Kindergarten werden vier Kinder betreut, acht besuchen die örtliche Grundschule, zwölf Kinder weiterführende Schulen. Bisher sei es in allen Fällen gelungen, die Flüchtlinge dezentral in Wohnungen unterzubringen. „Dadurch fällt es kaum auf, wie viele im Dorf leben“, meint Sven Klinger, der selbst in Großenaspe wohnt. 18 Immobilien sind von der Amtsverwaltung angemietet worden, zwei weitere im Ort kommen in Kürze hinzu. Außerdem werden im Juni zwei Wohnungen in Wiemersdorf gemietet, in die Großenaspe zugewiesene Flüchtlinge einquartiert werden. Nach dem Verteilungsschlüssel des Kreises soll Großenaspe in diesem Jahr noch 60 Asylbewerber aufnehmen. Ob es dazu kommt, ist angesichts rückläufiger Flüchtlingszahlen unklar. Deshalb werden von Privatinvestoren geplante Unterkünfte zunächst nicht gebaut, erklärte Klinger.

 Der Beauftragte der Gemeinde für Flüchtlinge und Integration, Holger Altenscheid, berichtete, dass die Projektgruppe Flüchtlinge bereits acht Veranstaltungen organisiert habe. Auch ein Begegnungsabend sei darunter gewesen. „Wir können nicht nur Fußball, sondern auch Willkommenskultur“, meinte der stellvertretende Landrat Claus-Peter Dieck. Er räumte aber auch Probleme ein. Nach der ersten „heftigen Welle“ gelte es nun, die Flüchtlinge zu integrieren, vor allem ihnen Deutsch beizubringen. Doch dafür gebe es viel zu wenig Lehrer. „Was bisher an Hilfe geleistet wurde, war nur durch die vielen Ehrenamtlichen möglich“, sagte Dieck. Staatliche Stellen wären damit überfordert gewesen.

 „Das Jahr 2015 hat uns sehr gefordert, es hat viel Zeit gekostet, um diese humanitäre Aufgabe im Ansatz zu lösen“, sagte Bürgermeister Torsten Klinger. Er machte keinen Hehl daraus, dass es in der Einwohnerschaft durchaus auch rumort habe. Einige Bürger fühlten sich durch die Flüchtlinge beeinträchtigt. „Hier muss die Politik mutig den Dialog führen und schließlich auch Entscheidungen treffen“, sagte Klinger, auch unpopuläre. Dank der guten Infrastruktur mit Schule, Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten und der Bahnanbindung sei Großenaspe besonders geeignet für die Aufnahme von Flüchtlingen.

 Mit Kritik und Fragen hielten sich die Zuhörer weitgehend zurück. Ein Großenasper bemängelte, dass es keine kleinen Wohnungen mehr gebe, weil alle mit Flüchtlingen belegt seien. Amtsmitarbeiter Sven Klinger widersprach: „Wir haben überwiegend Familien aufgenommen, für die wir ganze Häuser angemietet haben.“ Auch wies er den Einwand zurück, dass die Mieten im Ort durch die höhere Nachfrage gestiegen seien. „Wir halten uns an die fest vorgegebenen Mietobergrenzen.“

 Bürgermeister Klinger nannte am Schluss ein gelungenes Beispiel für Integration. Bei der Vorbereitung der Einwohnerversammlung hatte ein Asylbewerber geholfen, Stühle aufzustellen. Als er sich dafür bei dem Helfer bedankte, habe der geantwortet, er mache das gern: „Das ist doch unser Dorf.“

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