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Großenaspe Demokratische Kita

Sätze wie „Zieh deine Jacke an, es ist kalt draußen“ oder „Du musst den Spinat aufessen, damit du groß und stark wirst“ wird es in der AWO-Kindertagesstätte in Großenaspe wohl nicht mehr geben. Denn dort dürfen die Kinder jetzt gleichberechtigt mitentscheiden – und zu allem ihre Meinung äußern.

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Bürgermeister Torsten Klinger und Kita-Leiterin Petra Pinckert enthüllen in Großenaspe gemeinsam mit den Kindern die erste Verfassung der Kita Löwenzahn.

Quelle: Sylvana Lublow

Großenaspe.. Um diese neue pädagogische Richtlinie offiziell zu machen, hat die Kita eine Verfassung entwickelt und die wichtigen Punkte in 20 Paragrafen zu Papier gebracht. Alle Schleswig-Holsteiner AWO-Kindergärten machen sich derzeit auf den Weg zur „Partizipations-Kita“.

 Die Partizipation, also das Teilhaben der Kinder, ist verankert in den Kinderrechten: Sie haben das Recht mitzubestimmen, zumindest in den Bereichen, die sie betreffen. Und genau das setzt Leiterin Petra Pinckert in ihrer Kita jetzt um. „Kinder erfahren sich so als wichtigen Teil der Gesellschaft“, sagt sie: „Sie dürfen ihre Meinung sagen und über Entscheidungen wird demokratisch abgestimmt.“ Jeder, ob Kind oder Erwachsener, hat eine zählende Stimme.

 Der Weg zur Partizipation war lang. Er begann 2012 mit einem Beteiligungsprojekt an der Kita. „Wir fingen an, uns zu überlegen, in welchen Bereichen die Kinder zunächst mitbestimmen können“, erklärt Pinckert. Am einfachsten war es bei Festen und Einrichtungsgestaltungen umzusetzen. „Der Prozess lief immer weiter und ist auch noch nicht mit unserer Verfassung beendet. Auch die wird noch weiter entwickelt“, so die Leiterin.

 In der Verfassung sind die Bereiche, an denen die Kinder partizipieren können, festgehalten. Zum Beispiel dürfen sie bei Projektarbeiten über die Themen, die Planung und die Durchführung mitentscheiden. Sie dürfen auch abstimmen, ob, was und wie viel sie essen. Das geschieht zum Beispiel über Karten mit aufgedruckten Obst- und Gemüsesorten. Die Kleinen legen Bausteine auf die favorisierten Bilder. Gegessen wird das, wo die meisten Steine drauf liegen.

 Wenn es ins Außengelände zum Spielen geht, dürfen die Kinder selbst bestimmen, ob sie Jacke, Mütze oder Regenbekleidung anziehen. „Kinder empfinden Wärme und Kälte unterschiedlich. Wenn ich friere, heißt das nicht, dass es die Kinder auch tun“, erklärt Pinckert. Natürlich behalten sich die Erzieherinnen das Recht vor, bei Kindern mit eingeschränkter Selbstwahrnehmung, die Entscheidung zu übernehmen. Auch über die Ruhezeiten – wann, wo und wie lange – bestimmen die Kinder selbst. Ebenso dürfen sie entscheiden, welche Erzieherin sie wickelt und wann sie gewickelt werden wollen. Das obligatorische Händewaschen nach dem Toilettengang sowie vor und nach dem Essen bleibt aber weiterhin Pflicht. „Es gibt natürlich Regeln, an die sich immer gehalten werden muss“, erklärt Pinckert. Vor allem, wenn es um Situationen geht, die Gefahr für Leib und Leben bergen.

 „Das ganze ist auch für uns pädagogische Mitarbeiter ein Lernprozess. Aber auch für die Eltern“, sagt die Kita-Leiterin. Es sei vor allem eine Haltungsfrage: „Man muss sich verändern.“ Gerade in Stresssituationen und bei Personalmangel sei es manchmal schwierig, nicht einfach nur zu bestimmen. „Wir müssen uns ständig reflektieren.“

 Großenaspes Bürgermeister Torsten Klinger, der zur feierlichen Enthüllung der Verfassung eingeladen war, lobte die neue Richtung der Kita: „Das ist gelebte Demokratie und kann von Kommunalpolitikern nur begrüßt werden. Hier wird die Grundlage für demokratisches Handeln gelegt.“

 Nicht alle Eltern konnten das so positiv aufnehmen. „Da kriegen die Kinder ja alle eine Lungenentzündung, wenn sie entscheiden dürfen, was sie anziehen.“ Solche Bemerkungen habe es laut Pinckert schon gegeben. Doch der Elternbeirat unterstützt die Partizipation der Kinder. „Man kann eigentlich nicht früh genug lernen, wie Demokratie gelebt wird“, sagt Vorsitzender Nick Kohrs: „Entscheidend ist natürlich, dass die Kinder dann auch in der Praxis ernst genommen werden.“

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